Die Autoren Raphael Wittmann, Calvin Bayer und Markus Dewald (von links) haben sich vor dem Oberen Schloss in Neuhausen fotografieren lassen. Foto: pb

Neuhausen hat architektonisch einiges zu bieten. Der vierte Band der „Edition Kulturgeschichte“ befasst sich mit den historischen Gebäuden im Ort.

Neuhausen - Band 4 der „Edition Kulturgeschichte“ des Redaktionsteams „Junges Forum & Kulturgeschichte Neuhausen“ ist erschienen, wegen der Corona-Maßnahmen leider ohne feierliche Buchpräsentation. Doch der schwergewichtige Band spricht für sich. Mit seinen 325 Seiten Umfang toppt er alle bisherigen Publikationen aus der Reihe „Forschungen und Studien zur Kulturgeschichte von Neuhausen a.d.F“. Die jüngste Ausgabe widmet sich den historischen Gebäuden in der Fildergemeinde, genauer, den „profanen“ Gebäuden. Nicht die sakralen Bauwerke stehen im Mittelpunkt der Aufsätze und Abhandlungen verschiedener Autoren. Vielmehr wird die Bau- und Kunstgeschichte von Profanbauten wie das Obere Schloss, das auch das Titelbild ziert, und der Saalbau, einst Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, einer sorgfältigen kulturhistorischen Betrachtung unterzogen.

Fünf junge Männer und zwei junge Frauen aus Neuhausen haben gemeinsam mit ihrem Mentor Markus Dewald die einzelnen Facetten der örtlichen Architekturgeschichte akribisch aufgearbeitet – auch die historischen Verluste. So wurde das älteste Wohnhaus Neuhausens aus dem Jahr 1526 im Zuge der Ortskernsanierung 1996 abgerissen, anstatt saniert. Als einen „schmerzhaften Kollateralschaden“ bezeichnet der Esslinger Landeskonservator Martin Hahn in der Einleitung den Abriss. Das Gebäude in der Bahnhofstraße steht exemplarisch für viele historische Bauwerke – sogar denkmalgeschützte, die modernen Wohn- und Geschäftshäusern in den vergangenen Jahrzehnten weichen mussten.

Alle Bände mit einheitlichem Gestaltungskonzept

Alle Bände werden von Studenten der Hochschule der Medien in Stuttgart in einem einheitlichen Gestaltungskonzept umgesetzt. Zur optischen Unterscheidung bekommt jede Ausgabe eine andere Farbe. Für Band vier wählte das Redaktionsteam in Zusammenarbeit mit Stephanie Haun die Farbe Gelb, in Anlehnung an die Fachwerkgestaltung des Oberen Schlosses. Vor 500 Jahren war das Fachwerk am einstigen hochherrschaftlichen Wohnsitz der Ritter von Neuhausen der letzte Schrei im Fassadenbau. Das denkmalgeschützte Traditionsgebäude erlebte eine wechselvolle Geschichte als Rathaus, Schule und Polizeirevier.

Wo große Städte gerade einmal über ein Schloss verfügen, hat das „etwas andere Filderdorf“ gleich zwei Schlösser, die von der reichsritterlichen Vergangenheit erzählen. Im Unteren Schloss, dem heutigen Verwaltungssitz, residierten ab 1566 die Ritter von Neuhausen, es war aber auch Kameralamt und Tapetenfabrik. Was wäre das Traditionsgasthaus Ochsen ohne den künstlerisch ausgestatteten Ochsensaal, der 1903 an das historische Gasthaus von 1706 angebaut wurde? Nicht weit entfernt befindet sich heute noch der Saalbau, ein großer Festsaal aus dem Jahr 1900, der ohne die Saalbaugesellschaft nie entstanden wäre. Sie sorgte für den Betrieb des Festsaals und des Gasthauses.

Reich bebildert in limitierter Auflage

Das „ganz besondere Dorf“, wie Hahn Neuhausen aufgrund seiner zwar wenigen, dafür aber herausragenden Kulturdenkmale bezeichnet, kann einige nennenswerte Wohn- und Geschäftshäuser aus der Gründerzeit aufweisen, die um 1900 im Stil des Historismus errichtet wurden. Gestalterische Elemente spiegeln Wohlstand wider und sind architektonischer Ausdruck eines gutbürgerlichen Wohn- und Lebensgefühls.

Die Auflage des Bandes ist limitiert. Die mit mehr als 300 Fotos reich bebilderte Ausgabe ist für 19,90 Euro bei Schreibwaren Knoblauch und bei der Kreissparkassenfiliale in Neuhausen sowie bei der Buchhandlung Straub in Bernhausen erhältlich oder per E-Mail unter geschichteundkultur@aol.com und online über www.forum-kulturgeschichte.de.

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