Rollende Geschichte: Dampftraktoren auf ihrem Abstecher in die Plochinger Innenstadt – eines der vielen Schmankerl für die Besucher des Bruckenwasenfestes. Foto: Zimmermann - Zimmermann

Am Wochenende fand das Bruckenwasenfest vor den Toren Plochingens statt. Bei traumhaftem Wetter erkundeten viele Besucher die Attraktionen des Landschaftsparks: Gartenfreunde, Dampfbahner und Fußballfreunde kamen gleichermaßen auf ihre Kosten.

PlochingenBesucher aus der ganzen Region hat es am vergangenen Wochenende zum Bruckenwasenfest in den Landschaftspark vor den Toren Plochingens gezogen. Bei bestem Feierwetter startete am Samstag das bunte Fest. Ein fein sortierter Gartenmarkt lockte Gartenfreunde an, die Dampfbahner konnten wieder zahlreiche Gastfahrer aus Deutschland und der Schweiz mit Dampfloks und Traktoren mobil machen, und die Kleinsten kamen beim Yachtclub, der Segelfliegergruppe sowie in einem Spieleparcours voll auf ihre Kosten.

„Willkommen“, sagten nicht nur Plochingens Bürgermeister Frank Buß und Stadtmarketingchef Thomas Pressel. Mit „You are welcome“ begrüßte ein Blasmusikensemble der Musikschule bei der offiziellen Eröffnung die Gäste musikalisch, und die Kinder aus dem Parkkindergarten im Bruckenwasen trällerten fröhliche Lieder – vor einer Wand aus Smartphones und Fotoapparaten in den Händen der Eltern, die den Auftritt ihres Nachwuchses festhielten. Bürgermeister Buß erinnerte daran, dass vor genau 20 Jahren im Bruckenwasen mit der Landesgartenschau ein wunderschönes Fest stattfand und freute sich über die Nachhaltigkeit der Schau: „Seither hat sich der Landschaftspark auch als überregionales Naherholungsgebiet in der Region etabliert. Das war für die Entwicklung der Stadt ganz wichtig.“ Pressel erinnerte wie Buß daran, dass für die Pflege des „Vorgartens der Stadt“ die Bürgerinitiative Bruckenwasen verantwortlich zeichne. Dass der Park auch heute noch jedes Jahr aufblühe, verdanke man dem großen ehrenamtlichen Engagement von Mähern sowie Jätern, die das Gelände in Schuss halten.

„So was hat man früher weggeworfen“, kommentierte ein Besucher das Angebot an einem Stand beim Gartenmarkt. Früher ja, heute nein. Mittlerweile sind alte Fensterläden, Zinnwannen oder alte eiserne Bettgestelle in der Tat Objekt der Begierde von Gartenfreunden, die ihr liebstes Grün fantasievoll damit schmücken. Das weiß Marktbeschicker Markus Maier, der solche Schätze bei Haushaltsauflösungen zusammenträgt und verkauft. Die Frage nach dem Preis für eine alte Zinkbadewanne lässt eine interessierte Kundin zusammenzucken. 45 Euro? „Das ist zu viel!“ Maier lässt nicht mit sich handeln: „Die sind selten, sehr gefragt und die geht auch um diesen Preis weg.“ Genauso wie das massive eiserne Bettgestell, die alte Autohupe oder alte Fensterläden, die ein Käufer ersteht. Euros wechseln den Besitzer, und der Kunde zieht zufrieden von dannen. Blumenstauden, Setzlinge und Kräuter – das darf auf einem Gartenmarkt natürlich nicht fehlen. Interessierte erhalten an diesen Ständen auch gleich die fachliche Beratung, wie man die Pflanzen hegt und pflegt, um auch wirklich lange eine Freude daran zu haben. Der Fantasie sind beim Aufpeppen des Gartens keine Grenzen gesetzt: Keramikformen in knallbunten Farben, ein solarbetriebener wasserspeiender Frosch als kleiner Brunnen, Fliegenpilze aus Keramik und Keramikblumen, um die an einem dünnen Draht ein Schmetterling kreist. „Der ist nicht echt“, erklärt ein Vater seinem Sprössling, der sich ein bisschen enttäuscht abwendet. Wenigstens optisch ist auf diese Art aber die aussterbende Artenvielfalt von Falter und Co. im Garten vergessen zu machen.

Leckeren frisch gepressten Orangensaft bietet Matthias Kästner den Besuchern an. Er vertreibt mit seinem Betrieb „Pois“ Obst, das in Portugal von Kleinbauern produziert wird. Zu fairen Preisen eingekauft, kommt wöchentlich ein Kühltransporter aus Portugal zu seinem Hofladen in Winnenden – und das Obst findet dort oder an 36 Abholstellen, zum Beispiel im Esslinger Weltladen, in der Region den Weg zum Endverbraucher. Saftige Orangen, veganes Eis – der Geschmack überzeugt. Kästner ist zum zweiten Mal beim Gartenmarkt in Plochingen dabei. „Verkauft wird wenig, weil die Leute das nicht mitschleppen wollen, aber mit jedem Auftritt auf solchen Märkten gewinnen wir neue Kunden“, sagt er und freut sich über das „angenehme und interessierte Publikum beim Bruckenwasenfest“.

Mächtig Dampfablassen – dafür sind die Dampfbahner im Bruckenwasen bekannt. Auch in diesem Jahr rollten wieder mehrere Dampftraktoren durch den Landschaftspark und machten sogar einen Abstecher in die Stadt: Vollbesetzte Dampfbahnerzüge kutschieren Besucher auf 1,2 Kilometern Schienennetz durch den Park. Mit dabei ist auch wieder Christian Steidl mit seiner „Santa Fe“-Lok, die mit der eingebauten Musikanlage dem Livemusiker beim Vereinsheim des Schäferhundevereins Konkurrenz macht. Vor zwölf Jahren hat ihm sein Großvater Kurt Absenger die 650 Kilogramm schwere Lok geschenkt und ihn so mit dem „Dampfvirus“ infiziert. Die rote Lok bringt es immerhin auf eine Zugkraft von 4,5 Tonnen und hat etliche Passagierwagen im Schlepptau. „Wir kommen immer wieder gerne“, sagt der Lokführer und ist voll des Lobs über die tolle Strecke, die netten Plochinger Dampfbahnfreunde und das tolle Publikum.

Auf dem Spieleparcours für Kinder und Jugendliche geht es nicht nur beim Torwandschießen zur Sache – dass der VfB Stuttgart am Samstag den Bayern mit einem 4:1-Sieg in München „die Lederhosen auszog“ und sich so das Tor zur Teilnahme an der Europa League öffnete, erfreute viele Fußballfreunde, die immer wieder dem Spielstand auf dem Smartphone folgten. Beim Kinderschminken wurden den Kleinen fantasievolle Gesichter verpasst. Spiderman war bei den Jungs angesagt, alles Richtung Prinzessin war eher Mädchensache. Neugierige Trendsportler konnten unterdessen beim Stand des Jugendzentrums die mobile Discgolf­anlage testen.

Ausruhen vom Bummel durch den Park und sich stärken – dazu gab es zahlreiche Gelegenheiten. Am heißen Samstagnachmittag war des Eismobil vom Eiscafé Zanetti ständig belagert. Auch Deftiges gab’s: Gegrilltes bei den Dampfbahnern, Gulaschsuppe beim Schäferhundeverein, Steaks im Fischerheim oder einen frischen Salat bei Steiner am Fluss – alles, was den Gaumen erfreut, war im Angebot.

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