Im September steht bei Hechtbräu in Weil der Stadt jedes Jahr die Hopfenernte an. Über die Rolle des grünen Golds, den diesjährigen Ertrag und wie die Ernte abläuft.
Im Schritttempo fährt der Traktor über das Feld. Ranke für Ranke hakt der Weil der Städter Bauer André Beyerle die langen Äste des Hopfens in eine Metallvorrichtung am Anhänger seines Traktors ein. Daraufhin werden die Ranken vom hohen Gerüst auf dem Acker gelöst und Beyerle und seine Helfer werfen sie auf den Anhänger. Den Hopfen braucht Beyerle für sein Hechtbräu-Bier.
„Hopfen spielt fürs Bier brauen eine zentrale Rolle, weil er das Bier haltbar macht und dem Bier die nötigen Bitterstoffe gibt“, sagt Fee Schmitt, die Frau von André Beyerle. Weil der Stadt liegt in einem der zwei Anbaugebiete für Siegelhopfen im Südwesten. Das Gebiet reicht von Weil der Stadt über Herrenberg bis Rottenburg. Bis ins Jahr 1970 war das Gebiet ein bedeutender Hopfenanbauort. 30 Brauereien gab es hier einst, heute ist Beyerle einer der wenigen Verbliebenen. 2015 hat er die Braukunst seines Urgroßvaters Max Himmelseher wieder aufgenommen, 2020 konnten sie den ersten eigenen Hopfen ernten.
Hopfen wird einmal eingepflanzt und wächst jedes Jahr nach
Das Ackerstück, auf dem die acht bis neun Meter hohen Ranken in mehreren Reihen stehen, ist schon von weitem zu sehen. Reihe für Reihe fahren die Helfer das Grundstück mit dem Traktor ab. Zwei Helfer sind auf dem Anhänger, einer steuert den Traktor, dazwischen steht Hopfenbauer Beyerle. „Die Reben werden unten mit der Heckenschere abgeschnitten“, erklärt Fee Schmitt. Anschließend kann Beyerle die Reben mit der Hilfe des Zugs des Traktors vom Gerüst reißen. „Anderswo wird das mit einem richtigen Abreißgerät gemacht, wir machen das noch von Hand.“
Beyerles Ehefrau Fee Schmitt unterstützt mit weiteren Helfenden beim Setzen im Frühjahr und der Ernte im Herbst. „Unser Hopfen ist eine Dauerkultur, die Pflanzen werden einmal gepflanzt und wachsen dauerhaft auf dem Acker“, erklärt Fee Schmitt. Ende März, Anfang April werde der Hopfen noch einmal abgeschnitten, sodass er nur noch bodenhoch ist. „Wenn die Triebe einigermaßen hoch sind, werden die von Hand mit Draht umwickelt und oben am Gerüst befestigt.“
Hagelschaden minimiert Ertrag um ein Drittel
Zurück aufs Feld: Immer wieder ruft Beyerle „Halt! Stopp!“ und der Traktor hält an. „Dann haben wir meist eine Ranke übersehen oder sie droht, sich im Traktor zu verheddern“, sagt Syn Schmitt, einer der Helfer. „Wenn wir eine übersehen, müsste man die von Hand abreißen – und das ist brutal anstrengend.“ Schmitt ist einer der freiwilligen Helfer, die oftmals in ihrem Urlaub bei der Ernte unterstützen. Ordentlich legen sie die Äste nacheinander auf den Anhänger, damit sie sich so wenig wie möglich verheddern. „Wegen der dornigen Blätter an den Ranken ist man abends oft ganz zerkratzt.“
Die Ernte findet meist Anfang oder Mitte September statt. „Wann die Dolden reif sind, erkennt man daran, dass sie dann fest und geschlossen sind“, sagt Beyerle. Dieses Jahr sei der Ertrag um ein Drittel niedriger als in den vergangenen Jahren. „Wegen einem Hagelschaden sind die Reben weniger voll.“ Für den eigenen Bedarf reiche es aber absolut aus. Einen Teil verkaufen sie zudem an Brauereien wie Wilhelm Ketterer in Pforzheim.
Hopfen wird verschickt und dort zu Pellets verarbeitet
Bald ist der Anhänger voll. Dann heißt es, die Ranken festschnallen und zurück in die Scheune fahren. Dort werden sie in den Pflücker gefädelt, eine Maschine, die die Hopfenblüten von den Ästen und dem Draht befreit – und die einzelnen Dolden in eine große Kiste sortiert. „Wir kontrollieren von Hand, dass keine Blätter oder großen Äste unter die Dolden geraten“, erzählt Gerhard Buhl, ein weiterer Helfer. „Denn das würde das anschließende Pressen erschweren.“
Denn die einzelnen Hopfen werden anschließend nach Österreich verschickt, dort getrocknet und zu Hopfen-Pellets gepresst. „Aus denen entsteht dann gemäß Reinheitsgebot mit Malz, Wasser und Hefe zusammen unser Bier“, sagt Fee Schmitt. Dabei handle es sich um ein Naturprodukt, weil es nicht behandelt werde. Daher sei das Bier jedoch auch nur begrenzt haltbar und muss gekühlt werden.