Reptilien aller Art sind wegen ihres faszinierenden Erscheinungsbildes eine beliebte Alternative zu Hund und Katze. Foto: swisshippo © fotolia.com - swisshippo © fotolia.com

Im Kino ist sie ein Hit, im Kinderzimmer eher weniger: Der Paletten-Doktorfisch „Dorie“ im aktuellen Disney-Pixar-Animationsstreifen „Findet Dorie“ begeistert (nicht nur) die Kleinen mit ihrer sympathischen und liebenswerten Art. Verständlich also, wenn der Wunsch nach einer eigenen Dorie für das heimische Aquarium laut wird.

Allerdings sollten sich die Eltern das Schicksal von Dories Begleiter aus ihrem ersten Kinoauftritt vor Augen führen: „Findet Nemo“ war schließlich mehr als nur die Geschichte der Wiedervereinigung von Vater und Sohn. Er zeigte vor allem, dass Exoten wie der gestreifte Anemonenfisch oder der farbenprächtige Paletten-Doktorfisch nur bedingt für die Haltung im Aquarium geeignet sind – wie überhaupt alle potenziellen Tiere mit „exotischerem“ Hintergrund für die Haltung als Haustier nur eine eingeschränkte Eignung vorweisen können.

Sind exotische Haustiere überhaupt tragbar?

Katzen und Hunde, Kleintiere und Ziervögel: Das sind nach wie vor die Favoriten unter den Haustieren in deutschen Haushalten. Aber manchen reicht es eben nicht, einen derart „normalen“ tierischen Mitbewohner zu haben. Der darf stattdessen vorzugsweise lieber ungewöhnlich sein – je exotischer, desto besser.
Der Markt ist auf jeden Fall vorhanden, die Nachfrage in den letzten beiden Jahrzehnten stetig steigend geblieben. Selbst Tiere, die hierzulande ansonsten nur in Zoos begutachtet werden können, sind keineswegs mehr die besondere Ausnahme: Pythons, Boas, Leguane und Warane stehen mit inzwischen recht großen Stückzahlen stellvertretend für den Trend zum exotischen Haustier. Der umfasst in zunehmendem Maße auch geschützte Arten, was die Haltung solcher Tiere zu einem wenigstens zweifelhaften Hobby macht.
Andererseits gehören viele der Exoten – etwa Bartagamen oder andere Reptilien und Amphibien, oft genug auch ungewöhnlichere Insekten – mittlerweile ebenfalls zum Standardrepertoire der Zoohandlungen. Die Faszination für die fremdartigen Lebewesen ist natürlich nachvollziehbar und dass sie nicht nur Erwachsene in ihren Bann ziehen ganz genauso. Abgesehen von der Frage, ob die Haltung von Exoten überhaupt in artgerechter Weise möglich ist, stellt sich zugleich die Frage nach der Kindertauglichkeit.
Tatsächlich lassen sich durchaus Argumente finden, die exotische Haustiere für Kinder in den Rahmen des Möglichen rücken:
  • Wie alle Haustiere helfen auch Exoten den Kindern dabei, den alltäglichen Stress bei der Beobachtung der Tiere von sich abfallen zu lassen.
  • Richtig ist auch, dass Haustiere jedweder Art eine wichtige Lektion in Sachen Verantwortungsbewusstsein sein können: Fütterungen und die Reinigung der Behausung gehören nun einmal immer mit dazu.
  • Viele der außergewöhnlicheren Mitbewohner – längst nicht alle, wohlgemerkt – machen auch wirklich keinen Lärm und müssen nicht, wie etwa Hunde, regelmäßig vor die Tür. Im Gegenteil ist es bei den Exoten besser, darauf zu verzichten.
So einleuchtend diese Punkte sein mögen, sie gelten selbstverständlich nicht für alle exotischen Tiere, die theoretisch zur Verfügung stehen. Reptilien und Insekten machen zwar keinen Lärm, wer sich aber einen Tropenvogel oder gar einen Affen zulegt, wird um einen gewissen Geräuschpegel nicht herumkommen. Überhaupt können die Lebensweisen der Tiere das größte Hindernis für eine Anschaffung darstellen, etwa bei nachtaktiven Exemplaren, die tagsüber kaum zu sehen sind. Dann lässt die anfängliche Faszination schnell nach.

Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen

Auch in der Frage der Verträglichkeit müssen beide Seiten der Medaille betrachtet werden: Reptilien haaren selbstverständlich nicht und sind deshalb für Tierhaarallergiker eine Alternative. Sie sind dafür aber potenzielle Überträger von Salmonellen, die zur Normalflora der Kriechtiere dazugehören und durch ihre sehr eigene Fortbewegungsart oft genug über den Kot auf die Haut gelangen.
Während eine Salmonelleninfektion für gesunde Erwachsene zwar ein Ärgernis, aber nicht zwingend eine schwere gesundheitliche Gefahr darstellen muss, gestaltet sich die Situation bei Kindern gänzlich anders. Die können nur dadurch geschützt werden, dass ein direkter Kontakt mit den Tieren vermieden wird und selbst für die Eltern sollte das sorgfältige Desinfizieren der Hände nach dem Anfassen unbedingt dazugehören. Bei ausreichender Hygiene kann der Umgang zwischen Kind und Tier aber auch vertraulicher sein, Leguane werden auf diese Weise sogar recht schnell zahm.
Kuscheltiere sind sie deswegen aber noch lange nicht, genauso wenig wie Spielzeuge – aber das gilt schließlich ebenso für Hunde, Katzen und Kaninchen. Um Verletzungen und Stress bei den Tieren zu vermeiden, ist ein behutsamer Umgang absolute Grundvoraussetzung. Eine Maxime, die auch bei der Haltung robusterer Arten unter den Exoten nicht ihre Gültigkeit verliert. Körperliche Beeinträchtigungen können letztlich nicht nur durch den Körperkontakt, sondern auf vielerlei Wegen zustande kommen: falsches Futter, die falsche Umgebung, die Erfordernisse sind meist nicht weniger speziell als die Tiere selbst.

Die Kostenfrage

Kaum haltbar ist daher ein Hinweis auf die mutmaßlich überschaubaren Kosten und zwar aus verschiedenen Gründen:
  • Das richtige Umfeld für exotische Haustiere zu schaffen kann für sich genommen schon für erhebliche Ausgaben sorgen, zur Ausstattung – zu der im Normalfall ein Aquarium, Terrarium oder Gehege von ausreichender Größe gehört, die nicht selten falsch eingeschätzt wird – kommen die laufenden Kosten für Heizung, Strom, Nahrung etc.
  • Im Gegensatz zu vergleichsweise kurzlebigen Nagern wie Hamstern oder Kaninchen können Reptilien und Amphibien bisweilen sehr alt werden. Die Kosten fallen deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit für eine lange Zeit an.
  • Das spüren auch die Tierheime, für die ausgesetzte Exoten aufgrund der speziellen Haltungsbedingungen zu einem enormen Kostenfaktor werden. Der finanzielle Aspekt der Exotenhaltung will daher ebenfalls wohl überlegt sein, bevor eine unerwartete Kostenexplosion zu einer vorzeitigen Trennung von den Tieren führt.

„Exotisch“ und „wild“ sind keine Frage der Entfernung

Außergewöhnliche Haustiere müssen aber nicht unbedingt von weit her eingeführt worden sein, denn auch die heimische Fauna bietet den einen oder anderen „Exoten“. Das meint nicht einmal jene Tiere, die aufgrund ihrer langen Geschichte in hiesigen Häusern und Wohnungen schon kaum noch als ‚richtige‘ Exoten wahrgenommen werden – hierunter sind etwa Wellensittiche oder Meerschweinchen zu fassen: Die einen kommen aus Australien, die anderen aus Südamerika, trotzdem sind sie aus deutschen Wohnungen kaum mehr wegzudenken.
Andererseits sind auch die hierzulande lebenden Exoten inzwischen alles andere als das, im Normalfall handelt es sich um domestizierte und eigens für die Haustierhaltung gezüchtete Arten. Von „wilden Tieren“ kann deshalb nicht mehr gesprochen werden, was es kaum weniger anspruchsvoll macht, ihnen ein Heim zu geben. Die immer beliebteren Frettchen sind sogar das komplette Gegenteil und für vieles bekannt, aber sicher nicht ihre Anspruchslosigkeit.
Die kleinen Räuber brauchen trotz ihrer überschaubaren Größe recht viel Platz, der außerdem ein ausreichendes Abwechslungspotenzial bieten sollte, ganz zu schweigen von den notwendigen und unverzichtbaren Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Tiere: Die werden nicht nur wegen der ausgeprägten Neugier, sondern auch wegen der nicht zu unterschätzenden Agilität der Frettchen erforderlich – die sind unglaublich flink und verfügen über eine große Sprungkraft.
Die kleinen Marder stellen natürlich insofern einen Sonderfall dar, als die im Handel erhältlichen Exemplare keineswegs mehr als Wildfang durchgehen würden. Sie sind Zuchttiere, weswegen ihre Haltung – sofern die nötigen Voraussetzungen hierfür geschaffen sind – im Gegensatz zu richtigen Wildtieren keine Probleme darstellt.
So oft es im Fernsehen nämlich Berichte über die Halter von Rehkitzen, Frischlingen oder anderem Wild zu sehen gibt und so gut das Miteinander mit den Menschen auch zu funktionieren scheint: Eine solche Konstellation ist nur in wenigen Fällen statthaft, da die Aneignung von Wildtieren nur unter sehr speziellen Bedingungen erlaubt ist:
  • Hilfsbedürftigkeit ist ein Kriterium, allerdings übernehmen in vielen Fällen die Elterntiere die Versorgung, sodass ein menschliches Eingreifen schlichtweg unnötig ist.
  • Wildtiere dürfen maximal vorübergehend in den heimischen Haushalt mitgenommen werden – eine Haltung als Haustiere ist damit ausgeschlossen.
  • Die grundsätzlichen Vorgaben ändern sich dadurch jedoch nur bedingt: Alle Wildtiere stehen unter Schutz, eine Aneignung ist daher immer verboten. Die oben genannten Fälle sind aus diesem Grund als Ausnahmen zu betrachten.
Und selbst in diesen legitimen Ausnahmefällen sollte auf fehlgeleitete Tierliebe verzichtet werden – nicht nur weil die Pflege eines hilfsbedürftigen Tieres von Gesetz wegen die notwendigen Kenntnisse dafür verlangt. Sondern weil überdies die Frage der Wiederauswilderung rechtlich betrachtet eine komplexe Angelegenheit ist. Auch wenn das Melden von versorgten Tieren nicht in allen Fällen verpflichtend ist, so ist es doch sinnvoll, sowohl für die Person des Pflegenden (die so Rechtstreitigkeiten vermeiden kann) als auch für das Wohl des Tieres.

Tiere unter dem Weihnachtsbaum

Es sind nur noch zweieinhalb Monate bis zum Weihnachtsfest, da werden sich manche Eltern sicher mit den ersten Geschenkewünschen konfrontiert sehen. Bei nicht wenigen werden sich diese Wünsche um ein eigenes Haustier drehen. Ohne die – oben schon angerissenen – Diskussionen über das Für und Wider von Haustieren für Kinder noch einmal breit zu treten: Ja, es gibt selbstverständlich Tiere, die auch in einem Haushalt mit Kindern problemlos leben können. Unbestritten sind auch die positiven Effekte für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung von Kindern, die sich um einen tierischen Gefährten kümmern müssen.
Dennoch muss an dieser Stelle das obligatorische und alljährlich wiederholte „Aber“ folgen. Tiere, egal um welche Arten es sich auch handeln mag, sind die denkbar ungeeignetsten Weihnachtsgeschenke. Das hat nicht allein mit den Umständen zu tun, unter denen viele der verschenkten Tiere verkauft werden. Der Anschaffung eines Haustieres sollte immer eine eingehende Auseinandersetzung mit dessen Eigenschaften und Anforderungen – nicht zuletzt auch der Machbarkeit der Haltung – vorangehen. Damit wird den Kindern auch von Anfang an die Ernsthaftigkeit des Umgangs mit einem Haustier nähergebracht. Als Präsent unter dem Weihnachtsbaum hingegen bleibt der Eindruck eines neuen Spielzeugs, was den Lebewesen in keiner Weise gerecht würde.

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