Jörg Lanksweirt (Zweiter von rechts) spendet dem OHG drei Teleskope – zur Freude von Oberbürgermeister Stefan Belz (links), Lehrer Werner Hasler und den Astronomie-AG-Mitgliedern Laura Dorn und Jeremias Schlag. Foto: Langner

Der Böblinger Jörg Lanksweirt spendet dem Otto-Hahn-Gymnasium drei Teleskope für die Astronomie-AG. Lehrer und Schüler freuen sich ein Schwarzes Loch in den Bauch.

Der Weltraum – unendliche Weiten. Sie zu erforschen, ist ein ewiger Menschheitstraum. Aber wer sich für Schwarze Löcher und ferne Galaxien interessiert, der braucht dafür das passende Werkzeug. Am Böblinger Otto-Hahn-Gymnasium ist man in dieser Hinsicht jetzt anderen Schulen um Lichtjahre voraus – dank drei hochwertiger Teleskope aus dem Bestand des 73-jährigen Böblingers Jörg Lanksweirt.

Die Geräte kommen bei der am OHG neu eingerichteten Astronomie-AG von Lehrer Werner Hasler zum Einsatz. „Ich freue mich riesig, wirklich, gigantisch, ich kann gar nicht wiedergeben, wie sehr ich mich freue“, sagt der Mathe- und Physiklehrer. Mit seiner Begeisterung ist der 65-Jährige an diesem Morgen Ende Oktober in bester Gesellschaft. Neben Wissenschafts- und Technik-Fan Jörg Lanksweirt ist nämlich auch Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz gekommen, um die Teleskope im Rahmen eines Pressetermins offiziell zu übergeben. Böblingens Stadtoberhaupt ist promovierter Luft- und Raumfahrttechnikingenieur. Der 45-Jährige ist also auch selbst ziemlich firm in Sachen Firmament.

Drei Astronomie-Nerds kommen ins fachmännische Plaudern

Schon vor den offiziellen Reden kommen die drei Herren beim fachmännischen Plaudern über Sternennebel, vorbeirasende Kometen, explodierende Sonnen, Quantencomputer oder Ideen für ein Böblinger Astronomie-Festival mächtig in Fahrt. Besonders interessieren sie sich für ein unscheinbares Gerät namens Dwarf. Dieser „Zwerg“ ist eines der drei gespendeten Teleskope. Das flache und kompakte Ding erinnert ein wenig an einen Camcorder oder ein älteres Modem. Im Gegensatz zu einem klassischen Spiegelteleskop funktioniert die Vergrößerung hier über digitale Bildgebung in extrem hoher Auflösung.

„Der hat auch eine Objektverfolgung“, erklärt Lanksweirt, wie das Objektiv in dem sowohl bei Tag als auch bei Nacht einsetzbaren Teleskop beispielsweise einen Vogel markieren und in seinem digitalen Blick behalten kann. „Das Ding kommt aus Wuhan“, sagt der Böblinger mit einem ironischen Lächeln, „die wissen, wie man Objekte beobachtet.“

Klein und einfach zu bedienen: das Smart-Teleskop „Dwarf“. Foto: Langner

Lanksweirt war, wie er bei dem Pressetermin erzählt, bei der IBM während seiner drei Jahrzehnte langen Berufszeit für Zukunftstechnologien zuständig. „Ich habe den Leuten immer erzählt, wie die Welt in 30 Jahren aussehen wird“, sagt er. Diese Zukunftswelt ist jetzt wohl zu unserer Gegenwart geworden: Das Dwarf-Teleskop lässt sich ganz einfach mit einem Smartphone steuern und richtet sich eigenständig auf jedes gewünschte Objekt aus. „Das geht fast intuitiv“, schwärmt Werner Hasler, „das ist nicht wie früher, als man erst da schrauben, dann da schrauben musste und dann noch einen Kompass brauchte.“

Neben zwei solcher digitaler Teleskope (Modell Dwarf 2 und Dwarf 3) hat Lanksweirt dem OHG auch ein Celestron Nexstar S5 vermacht. Mit stämmigem Stativ und zylindrischem Objektiv sieht diese Apparatur so aus, wie sich der Laie ein Weltraumteleskop vorstellt. Alle drei Exemplare hatte Lanksweirt bei sich zu Hause in Böblingen. „Ich bin ein Häufer und Sammler. Ich muss mich verkleinern“, erklärt er, warum er die jeweils mehrere hundert Euro teuren Anschaffungen an jemanden abgeben wollte, der auch etwas damit anfangen kann.

Jörg Lanksweirt erklärt das Teleskop vom Typ Celestron Nexstar S5. Foto: Langner

Also ging er im Sommer auf Oberbürgermeister Stefan Belz zu und fragte ihn, ob es in Böblingen eine Schule gebe, an der Astronomie unterrichtet wird. Belz erkundigte sich beim Schulamt und landete so beim OHG, wo Werner Hasler seit Kurzem seine AG anbietet und dort jungen Menschen sein Wissen über Schwarze Löcher, Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie vermittelt. „Es macht wahnsinnig viel Spaß, in die Tiefen des Weltraums zu schauen“, sagt Stefan Belz, als es Zeit für den offiziellen Teil wird. „Dabei merkt man, wie klein wir als Menschen doch sind und dass die Physik die großen Räder dreht“, fügt er hinzu.

Jörg Lanksweirt teilt diese Faszination. Er zeigt auf den Ausdruck einer Aufnahme des Orionnebels. „Aus diesem Nebel entsteht wieder ein neues Sonnensystem“, erzählt er und findet, dass dies doch eigentlich ganz einfach zu begreifen sei. Trotzdem gebe es so viele Menschen, die sich von der Astronomie abwenden würden, weil ihnen das alles zu kompliziert sei. „Wir müssen die Leute heranführen“, fordert er, „das alles ist nichts andres als Molekül- und Atom-Pingpong“, sagt der 73-Jährige. „Keine Angst vorm Universum!“, lautet sein Appell.

Lehrer appelliert: „Seid mutig, verrückte Dinge zu denken.“

Damit liegt er mit Werner Hasler auf derselben elektromagnetischen Welle. Er freue sich schon darauf, die eigene Begeisterung an seine Schülerinnen und Schüler weiterzugeben, sagt er. Zwei von ihnen sind an diesem Morgen mit dabei: Laura Dorn aus Rohrau und Jeremias Schlag aus Gärtringen, beide 16 Jahre alt, beide fasziniert von den Gesetzen der Astrophysik.

„Wichtig, dass ihr mutig seid, verrückte Dinge zu denken und euch traut, auch mal gegen den sogenannten Mainstream zu schwimmen“, ruft Hasler dem Forschernachwuchs mit Blick auf jüngsten revolutionären Umbrüche in der Wissenschaft zu. „Wir wären als Menschheit nie so weit gekommen, wenn Galileo damals klein bei gegeben hätte“, ist er überzeugt.

Kleiner Zwerg, scharfes Auge

Der Himmel so nah
Smart-Teleskope wie das Dwarf 3 lassen sich per Smartphone-App bedienen. Die automatische GoTo-Funktion findet Objekte selbstständig. Ohne großes Vorwissen lassen sich so Mond, Sonne, Milchstraße, Galaxien und Nebel in nur wenigen Minuten fotografieren. Außerdem lässt sich die Technologie auch für Vogelbeobachtungen und Panoramaaufnahmen mit einer Milliarde Pixel nutzen.

Alte Schule
Wer mit einem herkömmlichen Teleobjektiv Himmelsobjekte finden möchte, braucht eine Sternkarte oder App, um die Position des gewünschten Objekts zu bestimmen. Mit Hilfe eines Kompasses oder markanter Sternbilder wird das Teleobjektiv grob ausgerichtet, danach folgt die Feinjustierung. Dafür braucht es nahe gelegene Referenzsterne, außerdem muss man die Erdrotation ausgleichen, die Augen an die Dunkelheit gewöhnen und eine Rotlichtlampe verwenden.