Bodo Kirchhoff ist dem LesART-Publikum bereits wohl vertraut. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Bodo Kirchhoff bringt sein neues Buch „Dämmer und Aufruhr“ mit, das er als „Roman der frühen Jahre“ bezeichnet. Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend, die nicht immer leicht war.

EsslingenEr zählt zu den herausragenden Vertretern der deutschen Gegenwartsliteratur, zahlreiche Erzählungen, Romane und Drehbücher haben ihm Auszeichnungen wie den Deutschen Buchpreis eingebracht. Und er ist auch bei der LesART ein gern gesehener Gast. Diesmal hat Bodo Kirchhoff ein Werk im Gepäck, das eine besondere Wirkung entfaltet: „Dämmer und Aufruhr“ heißt sein „Roman der frühen Jahre“. Kirchhoff erzählt darin von seiner Kindheit und Jugend, von ersten Begegnungen mit der Sexualität, von schmerzlichen Erfahrungen und davon, wie er gelernt hat, das Unerhörte in Sprache zu fassen. Anlass dazu bietet ihm ein Besuch in jenem Hotel am Meer, in dem seine Eltern die letzten glücklichen Tage vor ihrer Trennung verbracht hatten.

Wenn ein Autor im Alter von 70 Jahren auf sein Leben zurückblickt, neigt er bisweilen dazu, die Dinge in einem sanfteren Licht erscheinen zu lassen. Davon kann bei Kirchhoffs neuem Roman (Frankfurter Verlagsanstalt, 28 Euro) keine Rede sein. Schonungslos und fernab jeder Sentimentalität schildert er, was ihm widerfahren ist – mehr als einmal lässt er den Leser in Abgründe blicken. Die Nähe zur Mutter, das Fehlen des Vaters, die Sehnsucht nach Nähe, Liebe und Sexualität, der Schmerz der Enttäuschung, der Missbrauch im Internat und die Einsamkeit, die den jungen Bodo Kirchhoff zwingt, mit seinen Sorgen und Nöten alleine fertig zu werden.

Doch so intim die Erinnerungen auch sind – nie hat man bei der Lektüre den Eindruck, dass der Autor dem Voyeurismus Tür und Tor öffnet. Eher schon lässt er ein Gefühl der Verbundenheit entstehen, weil einem zumindest manches irgendwie vertraut vorkommt. Und zu erleben, wie Kirchhoff eine Sprache für all das findet, worüber er mit seiner Mutter niemals richtig reden konnte, macht die Lektüre vollends zu einem faszinierenden Erlebnis.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: