Die grausame Tat von Illerkirchberg löst eine Diskussion über Geflüchtete aus. Dabei müssen Fakten zählen – und es braucht eine ehrliche Debatte.
Es sind Reflexe, die jedes Mal kommen, wenn ein Asylsuchender in Deutschland eine schwere Straftat begangen hat. Die einen, auch in der Politik, weisen sofort auf die Gefahr hin, die von Geflüchteten ausgehe. Die anderen wiederum warnen genauso schnell davor, alle Asylbewerber zu verteufeln, und empören sich über vermeintliche Fremdenfeindlichkeit.
Das ist jetzt auch im Fall des kleinen Ortes Illerkirchberg bei Ulm so. Dabei herrscht dort auch so schon genug Unruhe. Noch muss man vorsichtig sein, denn nicht alle Hintergründe sind geklärt. Doch es weist vieles darauf hin, dass der Messerangriff auf zwei Mädchen auf dem Weg zur Schule, bei dem eines sein Leben verloren hat, auf das Konto eines 27 Jahre alten Geflüchteten aus Eritrea geht. Besonders erschütternd für den Ort ist, dass er nicht zum ersten Mal zum Schauplatz eines schweren Verbrechens im Zusammenhang mit Asylbewerbern wird. Vor drei Jahren hatten vier Geflüchtete eine 14-Jährige betäubt und vergewaltigt. Entsprechend groß sind Aufregung und Gefühlswallungen der Menschen. Das muss man auch verstehen.
Solche Taten sind abscheulich und lösen naturgemäß ein großes Echo aus. Doch reflexhafte Reaktionen von links wie rechts helfen nicht weiter. Man muss Fakten sehen und die Lage insgesamt beurteilen. Dabei gelten einige simple Wahrheiten. Wenn innerhalb weniger Jahre mehrere Millionen Menschen nach Deutschland flüchten, ist es völlig klar, dass sich darunter nicht nur dankbare, gut integrierbare Neubürger finden, sondern auch Kriminelle. Solche, die es schon sind, und solche, die es hier durch die Umstände werden.
Denn sicher ist auch, dass überfüllte Massenunterkünfte, lange Verfahren und das Aufeinandertreffen verschiedener Nationalitäten und Ethnien auf engem Raum fruchtbaren Boden für Konflikte bieten. Besonders, wenn viele der Beteiligten junge Männer sind – eine Gruppe, die insgesamt bei der Kriminalität im Vordergrund steht. Und wenn viele der Neuankömmlinge durch Krieg geprägt oder gar traumatisiert sind. Dazu gehört eine weitere Tatsache: Wenn Geflüchtete Straftaten begehen, sind oft andere Geflüchtete die Opfer.
Viele Straftaten von Geflüchteten
Unterm Strich steht die Erkenntnis, dass Asylbewerber in Deutschland überproportional häufig Straftaten begehen. Doch es lohnt sich ein genauerer Blick. Denn es gibt große Unterschiede sowohl bei der Art der Taten als auch bei der Herkunft der Tatverdächtigen. Viele der erfassten Delikte bewegen sich im Bereich der Verstöße gegen das Ausländerrecht oder der Erschleichung von Leistungen – gemeinhin Dinge, die direkt mit dem Status und der Situation Geflüchteter zu tun haben. Das macht sie nicht besser, weite Teile der Bevölkerung aber können solche Taten gar nicht erst begehen.
Heikler wird es an einem anderen Punkt: Denn während Geflüchtete aus der Ukraine unauffällig sind, tauchen andere Nationalitäten in der Statistik sehr viel häufiger auf. Dabei geht es um Länder im Nahen Osten oder in Afrika , aus denen vorwiegend junge Männer kommen, deren Wertesystem sich in manchen Fällen vom westlichen unterscheidet. Das zeigt sich immer wieder. Und das muss den Verantwortlichen Sorge bereiten.
Den Opfern von Gewalt hilft das nichts mehr. Aber furchtbare Fälle wie der von Illerkirchberg müssen dazu dienen, aus ihnen zu lernen. Das kann bedeuten, besonders die Gruppen im Auge zu behalten, die auffällig sind. Betreuung und Integration zu verbessern, wo es möglich ist, harte Strafen zu verhängen und schwere Straftäter abzuschieben, wo immer es nötig ist. Vor allem aber bedeutet das eines: Probleme ehrlich anzugehen, nicht reflexhaft oder mit Scheuklappen.