Auf ihrem Rundgang erhalten die Besucher auch Einblicke in die Maske, in der Darsteller geschminkt werden. Foto: Bail - Bail

Das Theater unter den Kuppeln und muss saniert werden. Möglich ist nur mit Spenden, Zuschüssen der Stadt und einem Kredit. Für die „Bretter-Retter“ gab es jetzt ein Dankeschön.

Leinfelden-Echterdingen Wenn die Bretter, die die Welt bedeuten, faulen, sieht es mau aus im Theater. Diese Feststellung musste das Theater unter den Kuppeln in Stetten machen. Mehr als 500 Quadratmeter Bühnenboden sind im Lauf von 20 Jahren marode geworden: Die Planken waren durch, die hölzerne Unterkonstruktion verfault. Die Sanierung verschlingt 110 000 Euro. Viel Geld für das kleine Freilufttheater auf den Fildern. Die Theatermacher riefen zu Spenden auf, 40 000 Euro kamen zusammen. Mit einem Zuschuss der Stadt stemmt der Verein die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte mit einem Kredit.

Als Dankeschön für ihre Unterstützung wurden die Bretter-Retter unter die Kuppeln eingeladen, es gab es einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen und ein Bühnenbau-Essen im „Herzstück des Theaters“, wie Karin Funk vom Verein den Aufenthaltsraum nennt. Im Frühjahr, wenn der Samstag zum „Schafftag“ wird, die Kulissen für die neuen Produktionen gebaut und die Kostüme genäht werden, findet dort die Verpflegung von bis zu 80 Personen statt. Frei nach dem Motto: „Hier kocht der Chef“, haben die beiden Vorstände Ralph Brückner und Matthias Tränkle für die Gäste mit den Spendierhosen eigenhändig Maultaschen angebraten. Dazu gab es Kartoffelsalat und grünen Salat und hinterher etwas Süßes. Zuvor tauchten die Besucher, aufgeteilt in drei Gruppen, in die Katakomben des 200 Mitglieder starken Freilufttheaters mit den markanten Kuppeln ab.

Begleitet von den Klängen des Orchesters, das im Saal der Studio Bühne für das Musical „Big Fish“ probte, empfing Regisseurin Julia Brückner, die am Theater unter den Kuppeln als musikalische Leiterin und Gesangslehrerin tätig ist. Ständig auf der Suche nach neuen Talenten, ließ sie die Gruppe den Song „Supercalifragilisticexpialigetisch“ aus dem Musical „Mary Poppins“ anstimmen. Mit der Leistung war sie zufrieden. Auf verschlungenen Pfaden lenkte Funk die Gäste in alle Bereiche: die Treppen hoch und durchs Hintertürchen auf die Bühne. So erfuhren sie, wie sich die Darsteller fühlen, wenn sich der Vorhang bei der Vorstellung hebt. Im Mörike-Saal fand die erste Leseprobe für die Komödie „Harold und Maude“ statt. Sie kommt im September auf die Bühne.

Als „einen meiner persönlichen Helden“ stellt Funk den Mann vor, der 6500 Einzelteile aufgelistet und katalogisiert hat. Dieter Wolfs Ressort ist die Requisite. Wie groß die beiden vollgepfropften Räume sind, in denen sich vom Skelett über eine Rakete und dem Sofa von Funks Urgroßmutter bis zum Wald so ziemlich alles befindet, weiß Wolf nicht. „Ich weiß nur, dass ich keinen Platz mehr habe.“ Auch Harald Rehm gehört für Funk in die Helden-Abteilung. „Er weiß alles“. Wenn das Telefon nicht funktioniert, oder der PC abstürzt, heiße es nur: „fragschd d‘ Harald“. Seine Ressorts sind Bauten und Bühnenbau.

Verwandlung zu Herrn Nilson

Vom Dach des Theaters hat man einen grandiosem Blick – auch auf den neuen Bühnenboden, der im strömenden Regen glänzt. Egal ob Malerwerkstatt, Hutlager oder die drei Kostümräume – überall herrscht drangvolle Enge, aber man weiß sich zu helfen. Wenn bis zu 15 Näherinnen gleichzeitig an den Kostümen für die neuen Produktionen arbeiten, weicht man halt in einen anderen Raum aus. Und es herrscht Ordnung. Nicht nur das Stofflager ist so picobello aufgeräumt, dass man sich für den heimischen Kleiderschrank ein Beispiel nehmen könnte. Es gibt keine Nummern. Die Frauen, die für die Kostüme zuständig sind, wissen genau, welches Teil wo hängt und in welchem Regal die Schachteln für Strumpfhosen und Tücher stehen. Wie aus einem hübschen kleinen Mädchen ein freches Äffchen wird, zeigte Gregor Prust vom Maskenteam. In 15 Minuten verwandelt er mit Pinsel, Schwämmchen und Profischminke eine Darstellerin im Kinderstück „Pippi Langstrumpf“ in „Herrn Nilson“. Im Technikraum roch es wie in einer Shisha-Bar.

Der mystisch ausgeleuchtete Raum mit meterlangen Kabeln, Scheinwerfern und Reglern, in dem laut Funk auch gerne mal gefeiert wird, ist das Reich von zwölf jungen Männern zwischen 16 und 20 Jahren. Dass das Technikteam gute Arbeit leistet, erfahren die Theaterbesucher bei jeder Vorstellung, wenn unter Leitung des ausgebildeten Veranstaltungstechnikers Marc Schleicher modernste computergesteuerte Geräte bedient werden. Vom Licht bis zum Sound muss alles wie am Schnürchen laufen.

Selbst der Dirigent hat aus dem Orchesterraum unter der Bühne per Kabeltelefon Verbindung ins Technikkabuff des 570 Sitzplätze fassenden Amateurtheaters. Bis auf wenige Honorarkräfte arbeiten alle ehrenamtlich. Vorstellungen finden auch bei strömendem Regen statt, sagt Karin Funk, „so lang es nicht blitzt.“

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