Für die Biotonne muss 10,8 Prozent mehr bezahlt werden. Foto: Robin Rudel - Robin Rudel

Ab Januar müssen Bürger und Gewerbebetriebe für die Entsorgung von Restmüll etwa 17 Prozent mehr bezahlen. Der Landkreis Esslingen zählt aber weiterhin zu den günstigen im Land.

Kreis EsslingenDer Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Esslingen erhöht ab 1. Januar die Gebühren für Restmüll um durchschnittlich 17,5 Prozent. Die Biotonne wird im Schnitt um 10,8 Prozent teurer. Der Esslinger Kreistag akzeptierte diese Erhöhung am Donnerstagabend einstimmig. 2016 waren die Gebühren für Restmüll letztmals erhöht worden, der Preis für die Biotonne war zehn Jahre lang stabil. Die neuen Tarife gelten für die Kalkulationsperiode von 2020 bis 2023.

Landrat Heinz Eininger begründete die Erhöhung damit, dass die Müllverbrennung in Stuttgart teurer werde, weil der Vertrag mit der EnBW Anpassungsklauseln vorsehe. Außerdem erlöse man weniger für Wertstoffe. Der Papierpreis auf dem Weltmarkt sinke, auch für Altmetall erhalte man weniger. Trotz der Tariferhöhung sei der Landkreis Esslingen „nach wie vor einer der günstigsten im ganzen Land“, so Eininger.

Im Vergleich zu den Müllgebühren von 1998 verlangt der Abfallwirtschaftsbetrieb ab Januar genau die Hälfte. Bis 2015 waren die Gebühren mehrfach gesenkt worden, im Jahr 2016 stiegen die Preise erstmals wieder um etwa zwei Prozent.

Die 120-Liter-Tonne, die alle vier Wochen geleert wird, ist das gebräuchlichste Gefäß im Kreis Esslingen. Dafür bezahlt man derzeit 61,20 Euro im Jahr, künftig werden es 72 Euro sein. Das entspricht einer Steigerung von 17,65 Prozent. Wer den 120er-Eimer 14-tägig leeren lässt, muss nächstes Jahr 140,40 Euro bezahlen, das sind 21 Euro mehr. Gewerbebetriebe, die Restmüll loswerden wollen, müssen im Schnitt 17,2 Prozent mehr bezahlen.

Personalkosten gestiegen

Die Gebühr für Bioabfall ist 2009 letztmals angepasst worden, jetzt werden 10,8 Prozent draufgeschlagen. Dafür nennt Manfred Kopp, der Geschäftsführer des AWB drei Gründe: die Nachrüstung der Lüftungstechnik am Kompostwerk Kirchheim in diesem Jahr, höhere Personalkosten sowie Mehrkosten für die wöchentliche Abfuhr, die über eine längere Sommerperiode angeboten wird. Mit der neuen Gebühr erhöht der AWB den Kostendeckungsgrad beim Bioabfall von knapp 84 auf 87,6 Prozent.

Der Bau einer größeren Vergärungsanlage in Leonberg sei für die neue Gebühr nicht verantwortlich, hatte Eininger kürzlich betont. Auch Kopp hatte erklärt, die Investition in Leonberg komme zur passenden Zeit, da das Kompostwerk in Kirchheim abgeschrieben sei.

Die Preise für Bodenaushub und Bauschutt bleiben gleich. Sie sind relativ hoch, um Anreize für die Wiederverwertung zu schaffen. Wer einen Altreifen loswerden will, muss künftig doppelt so viel zahlen: vier Euro pro Stück. Das liegt immer noch unter der kalkulierten Gebühr, aber man will den Anreiz zur wilden Entsorgung so gering wie möglich halten.

Der Kreistag stimmte der neuen Gebührenordnung ohne Diskussion zu. In der vorangegangenen Haushaltsdebatte waren einige Redner auf die Müllgebühren eingegangen. Im Vergleich zu anderen Landkreisen sei Esslingen günstig, sagte Ulrich Fehrlen (FDP). Auch Marianne Erdrich-Sommer (Grüne) attestierte den Gebühren, sie seien „nach wie vor günstig“, Allerdings werde man beantragen, dass das Thema Müllvermeidung untersucht werde. Den Bürgern sollten beispielsweise Handlungsalternativen bei der Verpackung aufgezeigt werden.

Es kommentiert Roland Kurz.

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