Das Projekt Bildungscampus Ezach löst Sorgenfalten bei den Leonberger Stadträten aus. Wie die große Preissteigerung zustande gekommen ist, hat nun der zuständige Planer erläutert.
Zwischen Kostenschätzung und Kostenberechnung klaffen oftmals große Lücken. Zwar müssen die nicht immer so gigantisch sein wie bei Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie in Hamburg. Allerdings sind rund vier Millionen Euro auch nicht gerade ein Pappenstiel – schon gar nicht für eine Kommune wie Leonberg, in der aktuell jeder Cent zweimal umgedreht wird. Darum ist der Unmut im noch amtierenden Gemeinderat nicht eben klein, wenn es um den Bildungscampus Ezach geht.
Eine achtgruppige Kita mit Mensa soll im Ezach entstehen
Dort soll eine achtgruppige Kita mit Küche und Mensa entstehen. Im Jahr 2022 wurden für das Projekt in kompletter Holzbauweise knapp 12,7 Millionen Euro veranschlagt. Zwei Jahre später nun belaufen sich die zu erwartenden Kosten jedoch auf knapp 16,7 Millionen Euro. Wie diese Steigerung um vier Millionen Euro zustande kommt, erklärte im Sozial- und Kultusausschuss am Mittwochabend Jörg Richter vom zuständigen Architektenbüro Schlude Ströhle Richter aus Stuttgart.
Und rasch drehte sich alles um Kostenschätzung und -berechnung. „Bei der Schätzung ging es 2022 vor allem um Erfahrungswerte bei unter anderem der Fläche, der Ausstattung und den technischen Standards“, erklärte Richter. Fachingenieure seien dabei noch nicht einbezogen gewesen, auch ein Baugrundgutachten habe es damals noch nicht gegeben. Zwei Jahre später habe sich dann „eine gewisse Verschiebung“ feststellen lassen – bei der Berechnung. „Technikgewerke werden immer mehr, beim Hochbau blieb es relativ konstant“, so Richter. So sei man irgendwann bei knapp 14 Millionen Euro gelandet.
Das Problem bei den Planungen ist der Boden
Nun musste zusätzlich noch umgeplant werden. Das Problem ist der Boden. „Wir haben Schichten im Boden, in denen das Wasser nicht versickert“, führte Richter aus. In der Drucksache der Stadtverwaltung ist davon die Rede, dass dies zu „Aufschwemmungen von unterkellerten Bauteilen führen kann“. Daher soll die Tragstruktur der Mensa aus statischen Gründen nun in Stahlbauweise erfolgen und die Unterkellerung auf deren Gesamtfläche erweitert werden. Aufgrund der Bodensituation braucht es für die Entwässerung des Neubaus außerdem eine Zisterne. Apropos Keller: Auch der war anders und kleiner geplant. Allerdings gäbe es ansonsten nicht genügend Platz für die Lüftungszentrale der Küche und die Hausanschlussräume der Gewerke Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro.
Berücksichtigt wurden darüber hinaus für die kommenden beiden Jahre eine jährliche Baukostensteigerung von fünf Prozent sowie ein Puffer für unvorhersehbare Kosten. Das Resultat: 16,7 Millionen Euro. „In diesen Zeiten ist das richtig und legitim“, so Richter, der davon sprach, dass der Gesamtbetrag eine „Projektion in die Zukunft“ sei. Auf den Einwurf von Stadtrat Frank Albrecht (SALZ), ob man das alles denn nicht vorher habe wissen können, antwortete der Planer: „Bauen ist schon eine komplexe Sache.“ Eine so komplexe Kostenberechnung wie im vorliegenden Fall bestehe aus rund 400 Einzelpositionen.
Laut Planer haben sich die Normen in der Gesellschaft geändert
Dem Stadtrat Sebastian Werbke (Grüne) ließ die Sache mit dem Untergrund keine Ruhe. „In einem lebendigen Wohnquartier ist der Boden plötzlich, ups, ganz anders?“ Auch hierauf hatte der Planer Jörg Richter eine Antwort: „In einer Gesellschaft, in der wir vieles verbessern wollen, wird vieles eben auch mit Vorschriften abgesichert.“ Heute erzähle einem ein Geologe etwas völlig anderes als noch vor zehn Jahren.
160 Essen sollen in der Mensa täglich ausgegeben werden – wenn sie denn einmal steht. Im Mai 2026 soll es soweit sein, die Arbeiten sollen im Oktober beginnen.
Die Sophie-Scholl-Schule direkt daneben ist aktuell die einzige Grundschule in der Kernstadt ohne Ganztagsbetreuung. Auf die Betreuung gibt es ab dem Jahr 2026 jedoch einen Rechtsanspruch. Hinzu kommt: Die beiden Kindergärten Schopfloch und Ezach sind marode und zu klein. Der Ezach-Kindergarten ist bereits in einen Interimsbau auf den Parkplatz an der Uracher Straße gezogen. Der Schopfloch-Kindergarten wird im Ökumenischen Zentrum, das derzeit bereits umgebaut wird, sein neues Zuhause finden.
Ist der aktuelle Bau-Standard in Leonberg zu halten?
Ganz grundsätzlich wurde nochmals Dirk Jeutter (CDU). Nachdem er die Baubranchen-Floskel „Schätzen kann fehlen“ in den Raum gesellt hatte, fragte er, ohne auf eine konkrete Antwort zu hoffen: „Können wir es uns leisten, weiter in einem so hohen Standard zu bauen?“ Leonbergs Bürgermeister Klaus Brenner, der auch die jüngste Ausschusssitzung in Abwesenheit von OB Martin Georg Cohn leitete, hatte jedoch bereits Ende März zu bedenken gegeben: „Es ist schon jetzt keine Goldrandlösung.“ Damals hatten Gemeinderat und Stadtverwaltung noch darum gerungen, an bestimmten Stellen des Projekts Geld einzusparen.