Tobias Keller, Interimsvorstand Finanzen und Verwaltung, präsentierte die Zahlen. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Finanziell hat der VfB Stuttgart coronabedingt schwer zu kämpfen. Hier die genauen Zahlen aus zwei Jahren – und wie sich der Fußball-Bundesligist für die Zukunft aufstellt.

Stuttgart - Die Wucht der Pandemie hat den VfB Stuttgart hart getroffen. Auf 56 Millionen Euro belaufen sich mittlerweile die entgangenen Einnahmen. Berechnet von März 2020 bis Juni 2021. Diese Zahl hat Tobias Keller den Mitgliedern des Fußball-Bundesligisten vorgelegt – und danach aufgeschlüsselt. Den größten Batzen machen dabei mit 38 Millionen Euro die entgangenen Zuschauereinnahmen aus, wie der Interimsfinanzvorstand erklärte. „Das ist ein deutlich größerer Betrag als wir insgesamt einsparen konnten“, sagt der 31-Jährige.

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Ein Problem, das sich aus der Coronakrise ergibt, ist dabei schnell genannt. „Wir leben aktuell vom Sport“, sagt Keller. Oder anders ausgedrückt: Der VfB benötigt Transfererlöse, um finanziell ordentlich über die Runden zu kommen. Die Verkäufe von Nicolas Gonzalez (AC Florenz/23 Millionen Euro) und Gregor Kobel (Borussia Dortmund/15) haben den Stuttgartern die Bilanz gerettet.

Ob dies in den nächsten Jahren so bleibt, weiß keiner. Im Moment rechnet der VfB für die anstehende Hinrunde mit durchschnittlich 20 000 Zuschauern. Das würde sicher helfen, um den Umsatz zu steigern. Dieser liegt im Geschäftsjahr 2020 bei 97,6 Millionen Euro. Bei Aufwendungen von 126 Millionen Euro ergibt das ein Minus von knapp 30 Millionen Euro, mit dem Keller coronabedingt zufrieden sein muss. Ein Jahr zuvor kamen die Stuttgarter noch auf eine Gesamtleistung von 172 Millionen Euro (9,4 Millionen Euro Gewinn) – Rekordumsatz.

Abstieg und Virus hinterlassen tiefe finanzielle Spuren

Doch der Abstieg und das Virus haben tiefe finanzielle Spuren hinterlassen. Wenngleich Keller immer wieder darauf verweist, dass der bittere Gang in die zweite Liga dem VfB zumindest die Möglichkeit eingeräumt hat, die Mannschaft umzustrukturieren und die Personalkosten zu senken. Teure Spieler mussten gehen oder wurden verkauft, was sich natürlich positiv auf die Zahlen auswirkt. Die Transfers der Abwehrspieler Benjamin Pavard, Ozan Kabak und Timo Baumgartl brachten fast 70 Millionen Euro.

Nun beschreitet der VfB einen neuen Weg, und die Personalkosten belaufen sich auf knapp 70 Millionen Euro. Insgesamt, denn darin sind nicht nur die Profigehälter enthalten, sondern ebenso die der Mitarbeiter in der Verwaltung und des Nachwuchsleistungszentrums. Gerade in den Jugendbereich wurde zuletzt Geld gesteckt. Das soll so bleiben, um die Mannschaft weiter zu entwickeln, die nach dem Wiederaufstieg nicht nur sportlich überzeugt, sondern ebenso den Kaderwert in die Höhe getrieben hat.

Von etwa 93 Millionen Euro (2019) auf zunächst 130 Millionen Euro (2020) – Tendenz weiter steigend. Weshalb Keller, der vorübergehend den Posten des abberufenen Finanzvorstandes Stefan Heim besetzt hat, eine gute Prognose stellt. „Unser Kaderwert hat sich durch die hervorragende Arbeit unserer sportlichen Leitung in den vergangenen beiden Spielzeiten wieder rehabilitiert, auch ohne große Invests“, sagt der Finanzmann.

Mit fast 180 Millionen Euro wird der Kaderwert aktuell angegeben. „Diese hohen Marktwerte haben wir durch die Entwicklung der Spieler und nicht durch Zukäufe erreicht“, sagt Keller, der mit roten Zahlen für die nächste Saison plant. Dennoch bleibt man beim VfB optimistisch, den Umsatz auf 140 Millionen Euro zu steigern. Damit würden sich die Stuttgarter zwar weit hinter den Branchenführern FC Bayern München und Borussia Dortmund einreihen. Doch der VfB bewegt sich im finanziellen Mittelfeld und orientiert sich an Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach. Dennoch steht für Keller, der nach einem halben Jahr wieder auf seinen Direktorenposten zurückkehrt, fest: „Wir müssen in Zukunft wieder in die Gewinnzone zurückklettern.“ Die nächste Bilanz wird dann der neue Finanzvorstand Thomas Ignatzi präsentieren.

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