Im Mai 2022 zählte Leinfelden-Echterdingen 40 774 Einwohner – und damit 417 mehr, als bisher angenommen wurde. Foto: /Natalie Kanter

Leinfelden-Echterdingen entspricht – was die Ergebnisse des Zensus 2022 betrifft – nicht dem Deutschlandtrend. Denn die Kommune wächst stärker, als bisher angenommen. In Filderstadt sieht die Lage anders aus.

Bevölkerungsdaten sind maßgeblich für den Finanzausgleich zwischen den Ländern und den Kommunen und auch für die Planung vor Ort – zum Beispiel, wenn es um Wohnraum und Kitaplätze geht oder um die Besoldung der Bürgermeister. Die Ergebnisse des Zensus 2022 sind also von zentraler Bedeutung, obwohl man sich mittlerweile im August des Jahres 2024 befindet und sich im Detail sicher schon wieder einige Veränderungen ergeben haben. Deutschland hatte, das wurde bei der Erhebung ermittelt, am 15. Mai 2022 – dem Zensus-Stichtag – rund 83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, und damit 1,6 Prozent weniger als bislang auf Basis der Bevölkerungsfortschreibung angenommen wurde. Das Land wächst also nicht so stark, wie gedacht.

Ähnliches kann nun über viele Kommunen gesagt werden: Der Zensus 2022 hat die Bevölkerungszahlen aller 10 786 Kommunen Deutschlands ermittelt. In 56 Prozent dieser Städte und Gemeinden lebten demnach am 15. Mai 2022 mindestens ein Prozent weniger Menschen, als bisher angenommen. Stuttgart muss sogar eine Abweichung von Minus von 3,4 Prozent verkraften. Das Land Baden-Württemberg muss mit einem Rückgang von 1,2 Prozent leben. Für den Landkreis Esslingen liegt die Abweichung bei Minus 1,5 Prozent.

Wie aber haben die Filderkommunen abgeschnitten? Auch Filderstadt ist weniger gewachsen, als gedacht. Laut dem Zensus 2022 lebten zum Stichtag 45 821 Menschen in dieser Stadt und damit 329 weniger, als aufgrund der Bevölkerungsfortschreibung angenommen. Laut Ingnazio Ceffalia, dem Leiter des Filderstädter Haupt- und Personalamts, ist das ein Minus von 0,7 Prozent. „Wir werden dadurch weniger Umlage erhalten“, sagt er. Die Kommune werde wohl auf einen mittleren sechsstelligen Betrag verzichten müssen, schätzt er. Mehr könne er dazu noch nicht sagen. Auch, weil es sich dabei um vorläufige Zahlen handele und die Feststellungsbescheide erst im September verschickt würden.

Es gibt aber auch Positives zu vermelden: Die Stadt Esslingen darf sich über eine positive Zuwachsrate von 0,5 Prozent freuen. Kirchheim hat mit 0,2 Prozent leicht zugelegt. Zu den Gewinnern zählt mit einem Plus von 1,0 Prozent auch Leinfelden-Echterdingen. Diese Filderkommune hatte Mitte Mai 2022 laut des Zensus 40 774 Einwohner. Es wurden 417 mehr Menschen gezählt, als aufgrund der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung angenommen wurde. „Das bedeutet Mehreinnahmen für die Stadt Leinfelden-Echterdingen im Finanzausgleich“, sagte Ralph Brückner, Mitarbeiter der Stadt und ausgewiesener Datenfachmann, in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Konkret benennen könne er diese Mehreinnahmen noch nicht. „Ich glaube aber, dass sie nicht ganz klein ausfallen werden“, sagte er.

Bei der Analyse habe sich auch herausgestellt, dass insbesondere jene Kommunen, die eine eigene Zensus-Erhebungsstelle gehabt hatten – wie das in Leinfelden-Echterdingen der Fall gewesen war –, bessere Ergebnisse und geringere Einwohner-Abweichungen erzielt hatten als jene ohne eigene Stelle, sagte er. Ralph Brückner hat in der Sitzung auch ein paar erste Detailergebnisse präsentiert. So waren zum Zensus-Stichtag von den 40 774 Einwohnern 20 707 weiblich und 20 068 männlich. 17 280 gaben an, ledig zu sein, 18 198 waren damals verheiratet oder lebten in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. 33 151 Menschen hatten damals eine deutsche Staatsangehörigkeit, 7624 eine ausländische. 10 758 Menschen haben bei der Erhebung angegeben, eine Einwanderungsgeschichte zu haben. 1314 der Menschen waren unter drei Jahre alt, 4579 älter als 75 Jahre.

Geringe Leerstandsquote

Es wurde auch ermittelt, wie die Menschen leben und wohnen. In Leinfelden-Echterdingen gab es demnach 7535 Wohngebäude und 20 409 Wohnungen. Die Kommune hatte im regionalen Vergleich mit 3,05 Prozent eine ähnlich geringe Leerstandsquote wie Ostfildern mit 3,04 Prozent. Filderstadt liegt hier bei 3,31 Prozent. 8343 Einpersonenhaushalte wurden in Leinfelden-Echterdingen erfasst, 4608 Paare mit Kindern und 1190 Alleinerziehende. Fest steht demnach auch: „Immer weniger Leute wohnen in immer größeren Wohnungen“, sagte SPD-Stadträtin Barbara Sinner-Bartels. „Aus diesen Daten kann die Stadt zahlreiche Rückschlüsse ziehen“, ist sie sich sicher. Diese Rückschlüsse zeitnah präsentiert zu bekommen, forderten Fraktionen wie die CDU und die L. E. Bürger ein.

Gründe für den Verlust an Einwohnern

Zensus
Im Jahr 2022 wurde in Deutschland durchgezählt, nachdem zuvor mit einer Fortschreibung der Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus 2011 gerechnet worden war. Bei der Erhebung wurde ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben und wie sie wohnen. Erste Ergebnisse, die kürzlich veröffentlicht wurden, haben einige Städte und Gemeinden überrascht.

Verluste
„Manche Kommunen verzeichnen unerklärliche Einwohnerverluste, teilweise in größerem Umfang“, ist dazu auf der Homepage des Städtetags nachzulesen. Die Organisation bietet dort auch Erklärungsansätze an: „Viele Studierende waren während der Pandemie nicht in ihren Studienstädten, sondern wohnten wieder im Elternhaus.“ Und ausländische Bürgerinnen und Bürger meldeten sich zwar an, aber nicht wieder ab, wenn sie das Land verlassen.