Meistens im Mittelpunkt, aber nicht immer: Bei der Abwesenheit von Katzenbesitzern hilft „Catsitting auf Gegenseitigkeit“. Foto: picture alliance/dpa

„Herrchen“ oder „Frauchen“ sind im Urlaub, auf Geschäftsreise, im Krankenhaus? Oh je – das kann zu Katzenjammer beim Haustier führen. Doch das muss nicht sein. Für die eigenwilligen Samtpfoten wird gesorgt – durch „Catsitting auf Gegenseitigkeit“. Auch in Corona-Zeiten ein sinnvolles Arrangement.

Landkreis Esslingen/Esslingen - Telefoninterview zum Thema Katzenfreunde Esslingen. Logisch, dass da im Hintergrund ein lautes „Miau“ ertönen muss. Diesem selbstbewussten Tier ist menschliche Konversation piepegal – Kater Wolowitz, benannt nach dem Raumfahrtingenieur aus der TV-Serie „The Big Bang Theory“, möchte jetzt beachtet werden. Basta! „Er will raus auf die Terrasse“, meint „Frauchen“ Alexandra Frühwirth. Sie ist eine liebevolle, verantwortungsbewusste Katzenfreundin. Aber auch sie kann sich nicht immer rund um die Uhr um Wolowitz‘ Wohlergehen kümmern. Doch bei Urlaub, Geschäftsreisen, sozialen Verpflichtungen und anderen Abwesenheiten weiß sie ihren Stubentiger wohl versorgt – durch das „Catsitting auf Gegenseitigkeit“ der Katzenfreunde. Auch und gerade in Corona-Zeiten eine sinnvolle Regelung.

Für alle Katzencharaktere

Katze ist nicht gleich Katze. Da gibt es die einsamen Eigenbrötler und die geselligen Typen. Die auf Jagd gehenden Selbstversorger und die Clever-Bequemen, die gefüttert werden müssen. Die umherstreifenden Freiheitsliebenden und die Stubenhocker, die keine Pfote aus der Wohnung setzen. Doch alle diese Katzencharaktere hassen es, Vertrautes zu verlassen, weiß Alexandra Frühwirth von dem „Freundeskreis Katze und Mensch Esslingen“. Ein Stubentiger, der entweder an die heimische Stube oder an sein festes Außenrevier gewöhnt ist, sollte nicht aus dieser Umgebung gerissen werden: „Das ist für das Tier ein ungeheurer Stress – und es fühlt sich in der Fremde nicht wohl.“ Darum bieten die bundesweit vertretenen Gruppen der Katzenfreunde einen cleveren Service an – „Catsitting auf Gegenseitigkeit“. Frei nach dem Motto: „Betreust du meine Katze – betreue ich deine Katze.“ Immer, besonders aber zu Corona-Zeiten mit möglichen virusbedingten Ausfällen oder Krankenhausaufenthalten, eine unschätzbare, sehr gut funktionierende Regelung.

„Catsitter“ wechseln sich ab

Dabei muss niemand die Katze im Sack kaufen. Alles läuft offen, unkompliziert und problemlos ab, weiß Alexandra Frühwirth aus Erfahrung: „Wir sind in der Region Esslingen gut vernetzt.“ Mit Mitgliedern fast im ganzen Landkreis. Kann einer der Tierfans nicht selbst auf seine Fellnase aufpassen, darf er in einer vereinseigenen Liste nachschauen, welches Mitglied in der Nähe wohnt und sich während seiner Abwesenheit um den Stubentiger kümmern könnte. Im Gegenzug übernimmt dieses „Herrchen“ oder „Frauchen“ die Betreuung einer anderen Katze, wenn deren Besitzer nicht da ist. Das funktioniert auch über einen längeren Zeitraum, versichert Alexandra Frühwirth, dann werden eben mehrere „Catsitter“ hintereinander aktiv. Meist kennen sich die Katzenfreunde über den allerdings gerade Corona-bedingt ruhenden Stammtisch, oder sie lernen sich vor der Betreuungsaktion kennen.

„Katzenfitte“ Betreuer

Katzenjammer gibt es bei diesem Arrangement nicht. In einem Übergabeprotokoll werden Fragen nach Futter, Allergien, Tierarzt oder Handeln im Notfall geregelt, der Besitzer stellt das Fressen für die Katze bereit, und viele der „Catsitter“ übernehmen im Idealfall sogar das Blumengießen oder Leeren des Briefkastens. Eine einseitige Belastung der immer gleichen Hilfsbereiten wird vermieden – ein Bonuspunktesystem für jeden Einsatz sorgt für Gerechtigkeit und eine gleichmäßige Verteilung der „Sitterdienste“ unter den Mitgliedern.

Ein weiterer Vorteil: Die Vereinsangehörigen sind „katzenfit“, sie kennen sich aus, merken zum Beispiel an der Körpersprache, wenn es einem Tier nicht gut geht. Und die „Katzenbetreuer“ kommen in der Regel einmal am Tag zum Füttern und Katzenklo leeren. Die Einsamkeit in der Zwischenzeit mache der Katze nichts aus, so Alexandra Frühwirth. Das Tier könne problemlos acht bis zehn Stunden am Tag allein verbringen, denn es verschlafe sowieso 18 bis 20 Stunden des Tages.

Sorge um wilde Katzen

Die ganze Aktion ist also nicht für die Katz’. Und in vielen Jahren gewachsen. Anfang der 90er Jahren, taucht Alexandra Frühwirth in die Anfänge hinab, kam ein katzenliebendes Ehepaar aus Bayern nach Korntal-Münchingen in der Nähe von Stuttgart. War fremd, kannte niemand, wusste nicht, wem es sein Haustier im Bedarfsfall anvertrauen konnte und gründete die Katzenfreunde. Der Verein ist mit den Jahren gewachsen. Und sieht sich auch bei streunenden, verwahrlosten Katzen in der Pflicht. Ein Großteil der Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder dem Verkauf von Werbeartikeln fließt nach eigenen Angaben der Katzenfreunde in das Füttern, Impfen und Kastrieren der wilden Samtpfoten. Oder deren Vermittlung in ein gutes Zuhause. Das hat Kater Wolowitz bei Alexandra Frühwirth längst gefunden. Und das sehr exklusiv. Sogar mit „Catsitting“.

Mehr Informationen

Mehr unter www.katzenfreunde.de

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