Maximale Öffnung des Hochblattes von Titanwurz Alberich kurz vor Mitternacht. Foto: Wilhelma - Wilhelma

Nach der spontanen Gala-Nacht für die große botanische Rarität ist die Wilhelma sehr angetan von der großen Resonanz.

Stuttgart Wilhelma (red)Nach der spontanen Gala-Nacht für eine große botanische Rarität ist die Wilhelma sehr angetan von der großen Resonanz. Zu der extrem seltenen Blüte der Titanwurz hatte der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart am Dienstagabend, 26. Juni 2018, das Schmetterlingshaus bis in die Nacht geöffnet. Bis 1 Uhr früh standen Scharen von Besucher geduldig Schlange, zahlreiche Journalisten drehten mehrere Runden und Forscher nahmen Maß, als das wegen ihrer für eine Titanwurz bemerkenswert kleinen Statur nach dem Zwergenkönig der germanischen Mythologie „Alberich“ genannte Gewächs sein nur wenige Stunden dauerndes Schauspiel zeigte. Mit 6200 Gästen am Dienstag insgesamt verzeichnete die Wilhelma den besten Besucherwert des ganzen Jahres für einen regulären Arbeitstag unter der Woche, das heißt, wenn man Ferien-, Feier- und Brückentage nicht einbezieht.

„Es freut uns ungemein, dass die Menschen sich auch für so ein ruhiges Erlebnis der Pflanzenwelt begeistern können und sogar mit wenigen Stunden Vorwarnung auf den Weg machen“, sagte Dr. Björn Schäfer, Leiter des Fachbereichs Botanik. Das Interesse der Wissenschaft hat „Alberich“ ebenfalls auf sich gezogen. Mit einer Höhe des Kolbens von 1,25 Metern trug er einen der kleinsten bekannten Blütenstände einer Titanwurz in Europa, bei der sonst von rund zweieinhalb Metern auszugehen ist. So war die Pflanze allerdings besonders gut zu beobachten. Bei früheren Riesenblüten mussten die Besucher und Forscher auf eine Leiter klettern, um in den Blütenstand hineinschauen zu können. Spannend war für die Botaniker zu messen, wie sehr sich der Kolben aufheizt, um den Eindruck eines verwesenden Kadavers zu erwecken. So will die Pflanze – in Kombination mit einem modrigen Geruch – Insekten zur Bestäubung anlocken. Der Verlauf zeigte, dass der Höhepunkt zwischen 22 und 23 Uhr lag. Bei den kontinuierlichen Messungen mit einer Wärmebild-Kamera der Uni Hohenheim zeigten sich Werte bis 40 Grad. Damit liegt die Pflanze merklich über den 38 Grad, die nach der Dokumentation früherer Blüten zu erwarten gewesen wäre.

Selbst am Morgen danach brachte es die Pflanze um 9 Uhr noch auf 26,8 Grad. „Ich bin sehr überrascht, in welchem Zustand der Alberich heute Morgen immer noch ist“, sagte Schäfer. Üblicherweise verwelkt die Pflanze rasch nach der nächtlichen Blüte. Sie stand jedoch heute früh weiterhin aufrecht, lediglich die Spannung des aufgewölbten Hochblattes hatte schon erkennbar nachgelassen. „Als besonders kleine Titanwurz scheint Alberich den Ehrgeiz zu haben, zumindest länger als alle anderen zu stehen.“ So hatten auch morgendliche Besucher eine gute Gelegenheit, der ungewöhnlichen Pflanze einen Besuch abzustatten. Kurzentschlossene können sie heute über Tag noch im Schmetterlingshaus sehen. Doch die Pracht weicht kontinuierlich. Die Amorphophallus titanum stammt von der indonesischen Insel Sumatra und blüht im Schnitt nur alle sieben Jahre.

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