Maria Nikolai faszinieren romantische Momente und Wirtschaftsgeschichte. Foto: oh - oh

Mit Band zwei ihrer Trilogie „Die Schokoladenvilla“ ist Maria Nikolai wieder auf der Bestsellerliste von Spiegel online gelandet. Seit ihr erstes Buch aus der Reihe erschienen ist, hat sich ihr Leben grundlegend geändert. Sie hat ihren Brotberuf an den Nagel gehängt, widmet sich nun ganz dem Schreiben und ihren Lesereisen.

Filderstadt/WendlingenIn die Wirtschaftsgeschichte der 1920er-Jahre ist Maria Nikolai für die Recherchen zum zweiten Band ihrer Trilogie eingetaucht. „Die Schokoladenvilla. Goldene Jahre“ heißt der zweite Band (Penguin Verlag, München, 10 Euro). Im Mittelpunkt ihres neuen Romans steht eine Stuttgarter Fabrikantenfamilie, die in den Wirren der Weimarer Republik um ihre Träume kämpfen muss. Da ließ sie sich von der Historie der großen Stuttgarter Schokoladenfirmen wie Eszet, Moser-Roth und Waldbaur inspirieren. Ihr einfühlsamer Stil kommt an. Auf der aktuellen Bestsellerliste von Spiegel online steht die Metzingerin auf Platz 10. Am Freitag, 8. November, 20 Uhr, liest die Autorin in der Stadtbücherei Filderstadt aus ihrem neuen Buch.

Die Heldin ihres neuen Bandes ist die 20-jährige Serafina, die Halbschwester von Victor Rheinberger. Die abenteuerliche Frau steht für eine junge, selbstbewusste Generation, die sich nicht mehr als Anhängsel ihrer Männer begreift. Nikolais Frauen stehen selbst im Berufsleben. Victor Rheinberger führt die Schokoladenfabrik des Familienpatriarchen Wilhelm Rothmann inzwischen mit dessen Tochter Judith – seiner Frau – die im Mittelpunkt des ersten Teils stand. Nach dem Tod ihres Vaters zieht Serafina aus der pulsierenden Metropole Berlin auf die Filderhöhe, um dort mit ihrer Familie zu leben. Zuvor wird sie im „Sodom Berlin“ jedoch Opfer einer Erpressung. Diesen Handlungsstrang rafft Nikolai so spannend zusammen, dass sich der Roman fast wie ein Krimi liest. Am Ende findet die junge Frau die Liebe.

Am Rand der Existenz

Liebevoll ruhig ist dagegen der Erzählfluss, wenn sie von Judiths zehnjähriger Tochter Victoria schreibt. Das aufgeweckte Mädchen, „ein echter Wildfang“, interessiert sich brennend dafür, in der Versuchsküche mit ihrer Mutter köstliche Pralinenkreationen herzustellen. Das Kind träumt davon, eine Praline zu kreieren, „in der ein Kuchen steckt“. Bis das Lesepublikum erfährt, wie das klappen kann, reizt Nikolai den Spannungsbogen erst mal richtig aus. Im zweiten Teil des Buches wird es um Victoria und um ihre Freundin Mathilda, die Tochter eines inhaftierten Kommunisten, so richtig dramatisch. Da peitscht die Autorin ihre Figuren an den Rand der Existenz. Mit Spannungsbögen spielt Nikolai virtuos.

„Eine Familiensaga zu schreiben, das war immer mein Traum“, sagt die 50-Jährige. Nach der Schule studierte sie aber zunächst Betriebswirtschaft, kümmerte sich dann um die Familie mit ihrem Mann, der Tochter und den Sohn. Später arbeitete sie in einem mittelständischen Unternehmen als Referentin für Personal und Öffentlichkeitsarbeit – ein Job, der der kommunikativen Schwäbin sehr gut lag. Jahrelang schrieb sie nebenbei, aber dennoch sehr intensiv – etwa einen historischen Roman und Theaterstücke.

Für ihre „Schokoladenvilla“-Trilogie hat sie den Penguin-Verlag in München begeistert. Seitdem liegen ihre Romane gestapelt in den Buchgeschäften. Und das Leben der Autorin hat sich grundlegend verändert. Weil sie viel auf Lesereisen ist, hat sie den Brotberuf an den Nagel gehängt. „Mir fehlte immer die Zeit zum Schreiben, so nebenbei geht das nicht“, hat die Autorin erkannt, der gründliche Recherche am Herzen liegt.

Im Gespräch mit dem Publikum

Bei den Lesungen möchte sie sich Zeit nehmen für ihr Publikum, mit den Leuten ins Gespräch kommen. Über Feedback freut sich die Autorin, die im Schreiben ihren Traumberuf gefunden hat. Reizvoll findet sie auch die Zusammenarbeit mit ihrer Lektorin, „da fühle ich mich bestens betreut“. Bei Penguin in München ist sie derzeit immer mal wieder, um ihren zweiten Band auf den Markt zu bringen. „Wie sich alle im Verlag da engagieren, das ist einfach toll“, schwärmt die Betriebswirtin.

Glücklich ist Maria Nikolai, dass sie nicht nur auf Facebook eine große Fangemeinde hat. Viele fiebern nun bereits dem dritten Band entgegen. Wer den ersten Teil der „Schokoladenvilla“ gelesen hat, darf sich im zweiten Buch erst mal auf ein Wiedersehen mit Karl und Anton freuen, den frechen Zwillingsbrüdern der ersten Protagonistin Judith Rothmann. Beide sind jetzt erwachsen, haben sich beruflich etabliert und suchen nach der großen Liebe. Wer Romantik schätzt, findet in Maria Nikolais Belletristik wunderschöne Augenblicke der Liebe.

Sich mit ihren Fans in den sozialen Medien auszutauschen, das liebt Maria Nikolai. Vom 15. bis 17. November 2019 stellt die Autorin im Stollwerck-Museum in Köln ihr neues Buch vor. In der Domstadt plant sie auch ein Fan-Event. „Die haben auch einen Schokoladenbrunnen“, schwärmt die Genießerin. Davon träumen auch die Bewohner ihrer Schokoladenvilla, erschaffen schließlich eine Erlebniswelt für sich und ihre Kundschaft. Weil sie selbst ein Faible für ausgefallene Schoko-Kreationen hat, fällt es Nikolai leicht, die süßen Versuchungen in all ihrer Sinnlichkeit zu beschreiben.

Im Filderstadt liest Maria Nikolai am Freitag, 8. November, 20 Uhr, in der Stadtbibliothek Bernhausen, Volmarstraße 16. Nach der Lesung steht die Autorin für Gespräche bereit. Der Eintritt kostet 8 Euro. In Wendlingen liest Nikolai am Dienstag, 10. Dezember, 20 Uhr, im Buchladen im Langhaus. Der Eintritt kostet 10 Euro (inklusive Schokoladenbüffet).

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