Tod, Abschied und Trauer haben sich durch die Corona-Pandemie stark verändert. Wir haben mit zwei Bestattern aus Stuttgart gesprochen. Sie berichten von fehlender Schutzausrüstung, verwirrenden Verordnungen und traumatisierten Angehörigen.

Stuttgart - Am 20. März bekommt Helmut Ramsaier den ersten Anruf. Eine Familie aus Vaihingen informiert ihn über den Tod der Mutter, die in einer Reutlinger Klinik an Covid-19 verstorben ist. Zu dieser Zeit ergreift die Regierung Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die das Leben in Deutschland massiv verändern. Helmut Ramsaier ahnt bereits, dass sich auch das Sterben in Deutschland stark verändern wird.

Regionale Übersterblichkeit bislang gering

Während laut dem Statistikportal Euromo mo in Europa zwischen Mitte März und Mitte April rund 100.000 Menschen mehr als normal gestorben sind, lassen in Deutschland erste Berichte des Statistischen Bundesamtes eine vergleichsweise geringe Übersterblichkeit in den vergangenen Pandemie-Monaten vermuten. Helmut Ramsaier und seine Zuffenhauser Kollegin Britta Rempis können von keinen wesentlichen Anstiegen der Bestattungszahlen in diesem Jahr berichten.

Trauer wird Privatsache

Wovon sie jedoch berichten können, sind die Folgen, die die Viruskrankheit und die ergriffenen Maßnahmen für die Sterbebegleitung, Bestattungskultur und die Trauerarbeit haben. „Wir nehmen die Menschen normalerweise schon auch mal in den Arm. Es ist in diesem Moment einfach wichtig, Nähe zu spüren.“, sagt Britta Rempis, die seit 2015 in Zuffenhausen ein Bestattungsunternehmen führt. Nähe ist zur Zeit jedoch nicht möglich. Durch die Hygieneschutzvorgaben müssen alle Teilnehmer einer Bestattungsfeier, die nicht in einem Haushalt leben, den Mindestabstand zueinander einhalten.

Therapie gegen Traumata

Helmut Ramsaier spricht von einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung, die durch fehlende Sterbebegleitung und Trauerarbeit entsteht. Die Kontaktbeschränkungen zum Schutz von Risikogruppen in Krankenhäusern, Hospizen und Pflegeeinrichtungen haben auch zur Folge, dass bei vielen Angehörigen, enorme Schuldgefühle entstehen, die dann im Todesfall nahezu übermächtig werden können. „Ich hoffe nur, dass die Trauer zukünftig mehr als Vorstufe einer Krankheit akzeptiert wird und dadurch eine höhere Bedeutung erlangen kann.“, sagt Ramsaier. Sehen Sie mehr zu dem Thema im Video.

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