Loai Taooz kam 2015 aus Syrien. Im Gepäck hatte er eine Ausbildung als Koch und den Traum, ein eigenes Café zu eröffnen. Den hat er sich mit dem heimeligen Bistro Zeitgeist in Fellbach erfüllt.
Nachdem Loai Taooz Mitte 2015 von Syrien nach Fellbach gekommen war, hatte der heute 28-Jährige gleich mehrere Male richtig Glück – man könnte fast sagen, die Dinge sollten so kommen, wie sie heute sind. Aber der Reihe nach: Loai hatte in seiner Heimat eine Ausbildung als Koch gemacht. In der neuen Heimat angekommen, lernte er Deutsch und versuchte, seinem großen Traum, ein Café zu eröffnen, näherzukommen. Ein Problem dabei war die Finanzierung. „Dann halfen mir Freunde, Andrea und Heda, und brachten mich mit Agnes zusammen, die mich unterstützen wollte. Ein Glücksfall“, sagt Loai und strahlt besagte Agnes, die mit am Tisch sitzt, an.
Dass das kleine Café in Fellbach frei wurde, war ein Glücksfall
Als dann auch noch in Fellbach das kleine Café in der August-Brändle-Straße frei wurde, schien das Glück perfekt, aber es musste schnell gehen. „Die vorherige Besitzerin wollte das Café aus familiären Gründen nicht weiterführen, aber es gab schon neue Interessenten. Ich konnte also nicht lange überlegen. Ich hörte es mir samstags an, und sonntags unterschrieb ich schon den Vertrag“, sagt Loai. Das war 2018. Seit dem Jahr betreibt der Mann mit den syrischen Wurzeln und der ruhigen sympathischen Art mit Mitarbeiterin Agnes das heimelige Café, in dem durch bunt zusammengewürfelte Flohmarktmöbel, türkisfarbene Wände und Bücherregale eine Wohlfühlatmosphäre herrscht. Auch das war ein Glück: Sie konnten die stimmige Inneneinrichtung von der Vorbesitzerin übernehmen.
Loai und Agnes sind sich sicher: Da war Schicksal mit im Spiel
Und auch wenn Agnes weder mit Nachnamen in die Zeitung will, noch groß erwähnt werden möchte, ist sich Loai – der auch am liebsten seinen Vornamen liest und seine Gäste gerne duzt – sicher, dass sie das „Herz des Cafés“ ist. „Sie hat mir sehr geholfen, wir haben ein familiäres Verhältnis und sind Freunde.“ Und auch Agnes fühlt sich rundum wohl in dem kleinen Café. „Es ist so eine besondere Stimmung hier und schon irgendwie ein Wunder und Schicksal, wie das alles zustande kam und sich gefügt hat“, sagt die Stuttgarterin, die im Café für das Backen der vielen verschiedenen Kuchen zuständig ist.
Im Gegensatz zu Apfelkuchen, Käse-Kirsch oder Zitronentarte kommen die Mittags- und Kleingerichte im Zeitgeist passend zum Inhaber orientalisch angehaucht daher. Die Ofenkartoffeln haben Namen wie „Vikinger“, „Porto“ oder „Mickey“, duften fernöstlich und werden mit regionalen und saisonalen Zutaten serviert. „Die Gäste wissen oft gar nicht, was da gerade so besonders schmeckt. Das ist der Zimt, den Loai meist an jedes Fleisch macht, die Frische sowie Gewürze wie der Sieben-Pfeffer-Mix, Koriander und Kreuzkümmel“, erklärt Agnes, die genau wie Loai sagt, dass ihr die Arbeit im Café guttut und sie entspannen lässt. Und ähnliches lasse sich auch bei den Gästen beobachten. „Wer einmal da war, kommt wieder. Es herrscht eine schöne Stimmung. Oft treffen sich Leute zufällig wieder, die sich lange nicht sahen und fühlen sich wie daheim“, sagt Loai. Aber auch wer allein Mittag macht, muss sich nicht langweilen. Regale mit Büchern, die auch ausgeliehen werden dürfen, laden zum Schmökern ein. Zudem gibt es für kleine Gäste eine Ecke mit Kinderbüchern.
Ohne Reservierung geht oft gar nichts – die syrischen Speisen sind gefragt
Einfach spontan vorbeizukommen, empfiehlt sich aber eher nicht, denn das Café hat sich etabliert und ist gut besucht. „Es sollte vor allem in der Mittagszeit und am Samstag zum Frühstücken immer reserviert werden“, sagt Agnes und fügt hinzu, dass beim Essen, das teils auch vegetarisch, vegan, glutenfrei und immer ohne Zusatzstoffe daherkommt und auch zum Mitnehmen bestellt werden kann, gut kalkuliert werde. „Die Sachen sind frisch und nur in einer bestimmten Menge vorrätig. Wenn viele die gleiche Ofenkartoffel bestellen, ist die Variante dann irgendwann für den Mittag einfach aus.“
Doch nicht alle kommen wegen der Spezialität aus dem Backofen. Viele wählen auch eine Suppe, gefüllte Teigtaschen oder selbst gemachtes Baklava. Beim Frühstück können die Gäste zum Kaffee oder Tee eine Schoko- oder Beeren-Früchte-Bowl bestellen, oder sie probieren das rezente syrische Frühstück, bestehend aus Fladenbrot, Schafskäse und gebratener Paprika, aus. „Da haben wir auch schon alteingesessene Fellbacher überzeugt, die bisher nicht so offen für anderes Essen waren“, sagt Agnes. Und Loai ergänzt, dass die sich oft auch anderweitig umstellen müssen, denn Alkohol sucht man auf der Karte vergeblich. „Eine 90-jährige Stammkundin trinkt jetzt einfach immer alkoholfreien Sekt oder Kaffee und isst dazu Kuchen“, sagt Loai.
Öffnungszeiten im Café Zeitgeist
Café
Das Café Zeitgeist findet man in der August-Brändle-Straße in Fellbach. Serviert wird Dallmayr-Kaffee. Dazu gibt es Frühstück – das Große mit Obst und Ei gibt es für 13, 80 Euro, das Syrische mit Fladen und Schafskäse für 8,50 Euro. Für den Mittag hat sich das Café auf Ofenkartoffeln spezialisiert. So gibt es das Gericht „Toskana“ für 7,90 Euro. Zudem kann Kuchen (Schokotraum 3 Euro) und Baklava genossen werden. Montag bis Freitag von 11.30 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 18 Uhr, dabei kann bis 13 Uhr gefrühstückt werden. Zu finden ist das Café auf Facebook und Instagram.