Tanja Michel (links) und Mona Keller (rechts) sind seit dem 1. April staatlich anerkannte Hebammen. Foto: Marie Part

Vom Alltag im Kreißsaal und großen Gefühlen: Tanja Michel und Mona Keller erzählen von ihrem Berufseinstieg als Hebammen.

„Die ersten Blicke, die ersten Worte – da steht die Welt kurz still“, erzählt Tanja Michel lächelnd. Die 27-Jährige arbeitet als Hebamme in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Leonberg und begleitet dort Frauen während und nach der Geburt. Gemeinsam mit Mona Keller, ebenfalls 27, gehört sie zu den ersten Absolventinnen des dualen Hebammenstudiums in Baden-Württemberg. Sie sind zwei von 214 Frauen, die als erster Jahrgang seit der vollständigen Akademisierung der Hebammen-Ausbildung ihr Studium in Baden-Württemberg abgeschlossen haben.

Ein Blick in den Kreißsaal, der alles veränderte

Das Ziel, Hebamme zu werden, war für Tanja Michel und Mona Keller nicht von Anfang an gesetzt. Tanja Michel studierte erst Gesundheitsmanagement in Rosenheim. Doch währenddessen wurde ihr klar, dass sie lieber mit Menschen als mit Zahlen arbeiten wollte. Als ihre Cousine schwanger wurde, tauchte sie immer tiefer in das Thema Geburt ein – mit Büchern, Videos und schließlich mit einem Praktikum im Klinikum Leonberg. „Danach war für mich klar, dass ich Hebamme werden will“, erzählt sie.

Ganz anders war es bei Mona Keller: Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin. Doch der Blick in den Kreißsaal während eines Praktikums im Katharinenhospital ließ sie nicht mehr los. „Eine natürliche Geburt mitzuerleben – das war richtig, richtig toll.“ Auch sie entschied sich für das neue duale Studium, das Theorieblöcke an der DHBW Stuttgart mit Praxis in den Kliniken verbindet. Nach dreieinhalb Jahren intensivem Studium dürfen die beiden sich nun offiziell Hebamme nennen.

Die DHBW Stuttgart stellt ihren Studenten einen Simulationskreissaal zur Verfügung, in dem Geburten geprobt werden können. Foto: Marie Part

Ein Beruf mit Verantwortung – rund um die Uhr

Der berufliche Alltag sei fordernd, so die beiden jungen Hebammen. „Wir tragen die Verantwortung für das Leben zweier Menschen“, sagt Mona Keller. Der Beruf sei außerdem körperlich und emotional belastend – auch aufgrund der Schichtarbeit. „Aber ich liebe das“, sagt Mona Keller: „Nach einer durchgearbeiteten Nacht ins Bett zu gehen, während alle anderen zur Arbeit aufbrechen – das ist das schönste Gefühl.“

Egal ob Früh-, Spät- oder Nachtschicht – sie wisse nie, was sie bei der Arbeit erwartet, so Tanja Michel: „Ich komme in der Klinik an und weiß nicht: Wurden ganz viele Frauen aufgenommen oder ist gerade niemand im Kreißsaal?“

Hebammen-Alltag zwischen Betreuung und Bürokratie

„Bei Schichtbeginn erfolgt zunächst eine Übergabe“, erklärt Tanja Michel. Jede Frau, die im Kreißsaal liegt, würde dabei kurz vorgestellt: Wie lange ist sie schon da? Hat sie schon einmal ein Kind geboren? Welche Maßnahmen wurden bisher eingeleitet? „Dann begrüße ich die Schwangeren und verschaffe mir ein eigenes Bild“, erzählt sie. Ziel sei es dann, die bestmöglichen Voraussetzungen für das Kind und die Frau zu schaffen.

Doch auch die Organisation und Dokumentation würden viel Raum einnehmen, so Tanja Michel. „Neben der werdenden Mutter wird auch das Kind durchgehend überwacht“, erklärt sie. Die Hebammen würden sich im Team aufteilen – manche begleiten Geburten, andere betreuen Frauen nach der Entbindung oder übernehmen die Ambulanz.

Ein Beruf, der berührt – und Interesse weckt

Es sei ein großes Privileg, Hebamme zu sein, meint Mona Keller: „Eine Geburt ist so ein emotionaler und intimer Moment – und wir dürfen dabei sein.“ Am schönsten seien die Momente nach der Geburt: „Wenn Eltern ihr Kind zum ersten Mal sehen, wenn sie die ersten Worte finden – das ist unvergesslich.“ Vor Kurzem durfte sie sogar eine enge Freundin bei der Geburt begleiten. „Das war ganz besonders.“

Die Wertschätzung für ihren Beruf in der Gesellschaft sei sehr groß, so die beiden Hebammen. Laut Tanja Michel sei die Geburt ein Thema, dass unglaublich viele Menschen interessiert: „Wenn jemand erfährt, dass ich Hebamme bin, dann bekomme ich direkt alle möglichen Fragen und Geburtsgeschichten.“

Hebamme aus Überzeugung

Auch die beiden jungen Hebammen schätzen ihren Beruf sehr. „Ich habe jeden Tag das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun“, erzählt Tanja Michel. „Es ist eine große Leidenschaft. Es ist der Wunsch, Frauen zu unterstützen und ihr Leben ein wenig besser zu machen“, sagt Mona Keller. Für die beiden ist jedenfalls klar: Sie würden sich jederzeit wieder für den Hebammenberuf entscheiden.