Superstar Kevin De Bruyne vor dem Schloss Monrepos. Foto: Werner Kuhnle

Die belgische Fußball-Nationalelf bestreitet am Montagabend ihr Achtelfinale gegen Vize-Weltmeister Frankreich. Vorab standen einzelne Spieler am Schloss Monrepos für Interviews bereit. Auch Autogrammjäger kamen auf ihre Kosten.

Nachdem die Spieler wie Weltklasse-Mittelfeldakteur Kevin De Bruyne von Manchester City oder Nationaltrainer Domenico Tedesco Fotos mit ihnen geschossen und ihnen Autogramme gegeben haben, können die Kinder und Jugendlichen ihr Glück kaum fassen. Der eine schlägt sich mit geöffnetem Mund die Hände über dem Kopf zusammen, der andere klatscht mit seinem Kumpel ab und umarmt ihn, wieder ein anderer hüpft vor Freude umher.

Es ist ein seltener, aber intensiver Moment am Samstag am Schloss Monrepos bei Ludwigsburg. Auf der Anlage samt Hotel und auf den Sportplätzen im nahen Freiberg bereitet sich das belgische Fußball-Nationalteam sonst in Ruhe auf seine Spiele bei der Europameisterschaft vor. So auch aufs Achtelfinale am Montag gegen Frankreich. Vor allem Journalisten aus den Benelux-ländern, aber auch der Lokalpresse standen die Spieler vor dem Duell für Interviews bereit.

„Das Hotel und die Anlage hier sind für mich voll in Ordnung. Bett okay, Zimmer okay, Wifi okay“, schildert Kevin De Bruyne seine Eindrücke. Die Sportanlage in Freiberg sei ebenfalls gut, die zwei Trainingsplätze absolut in Ordnung. „Auch wenn es natürlich etwas anders ist als in Manchester, wo es etwa 20 Rasenplätze sind“, sagt der 33-jährige Teamkapitän lachend. „Aber das ist für ein Basecamp bei so einem Turnier ja normal.“

Kevin De Bruyne – Autogramme sind heiß begehrt. Foto: Werner Kuhnle

Am freien Tag wird eine Runde Golf gespielt

Die Umgebung vom Hotel sei zudem gut, um als Mannschaft Spaß zu haben. „Das ist wichtig, denn so ein Monat ist lange“, sagt De Bruyne. Am freien Freitag spielte er eine Runde Golf. „Das tut mir gut und mir reicht so etwas dann auch.“ Das Grün und das Schloss am Monrepos sei zudem ein bisschen wie in England, sagt De Bruyne, der dort ganz bewusst im Ländlichen außerhalb von Manchester lebt. Trubel? Das ist nicht so seins. „Fans zu treffen ist natürlich okay, das gehört zu meinem Leben. In England ist es aber auch etwas ruhiger, wo ich wohne.“ Die Stadt Ludwigsburg bekam das Nationalteam wohl auch aus diesem Grund nicht zu Gesicht. Darauf angesprochen, lacht der eher introvertierte Mittelfeldspieler. „Ich gehe nicht so viel raus, das geht nicht so gut.“

Zufrieden ist auch der belgische Nationalkeeper Koen Casteels (32), der nach den Bundesliga-Stationen Hoffenheim, Bremen und Wolfsburg in Saudi-Arabien aktiv ist. Die Mannschaft habe hier alles was sie brauche. Das Hotelpersonal sei superfreundlich. „Wir haben wirklich das Gefühl, dass es alles versucht, damit wir uns wohlfühlen, und das ist extrem wichtig. Wir sind sehr, sehr zufrieden.“ Der frisch eingebaute Pool bewährt sich: „Heute nach dem Training war das bei dieser Hitze angenehm, reinzuspringen.“ Zur Regeneration dienen zudem Eisbäder.

Koen Casteels: „Es sind gute Bedingungen“

Die ganze Schlossumgebung sei schön, schildert Casteels weiter seine Eindrücke. „Man kann hier viele Sachen machen.“ Es sei einfach schön, „hier in der Natur und zwischen den Bäumen im Grünen zu sein“. Auch das Trainingsgelände in Freiberg sei gut. „Das Gym dort wurde extra eingerichtet, die Plätze sind neu gerichtet. Wir haben mit den zwei Plätzen auch dort alles, was wir brauchen. Es sind gute Bedingungen.“

Seit zweieinhalb Wochen residieren die Belgier im Monrepos-Schlosshotel. Meist geht es für sie einmal am Tag mit dem Bus zum Training nach Freiberg. Beim Hotel selbst gibt es neben den Mahlzeiten – am Grilltag deutsche Spezialitäten und am Familientag auch Kässpätzle – hin und wieder Abendspaziergänge um den See. In der Freizeit schaut sich das Team die anderen EM-Partien an, ansonsten wird Karten und Playstation gespielt, manche Spieler lesen. Und am trainingsfreien Freitag brachen einige nach Stuttgart auf, andere spielten vor der Hoteltüre eine Runde Golf.

Das Land Baden-Württemberg schenkte der Mannschaft zudem ein Tippkick-Spiel, das bei den Spielern auf Interesse stieß, auch weil es für sie neu war. Der Hotelstab und das schwäbische Trainerduo Tedesco und Andreas Hinkel brachten es ihnen bei.

„Diese Wochen sind eine Zeit, die ich nicht vergessen werde“, sagt der stellvertretende Hoteldirektor Marcos Angas schwärmend. Die menschliche Seite von Mannschaft und dem ganzen Stab sei „unglaublich positiv“, sodass sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickele. Die Spieler seien sehr freundlich, umgänglich und zuvorkommend. Einer habe nach einer größeren Decke gefragt, ansonsten habe es keine Extrawünsche gegeben. Und es herrsche Disziplin: „Man sieht auch mal die Superstars über die Gänge flitzen, weil sie wissen, sie müssen pünktlich beim Essen sein“, sagt Angas.

Glasfaser wurde kurzerhand verlegt

Als sich nach Ankunft der Belgier herausstellte, dass das Internet langsamer wird, schossen die Stadtwerke kurzerhand ein Glasfaserkabel durch das vor zwei Jahren verlegte, eineinhalb Kilometer lange Leerrohr. „Das zeigt wieder einmal: Mit Wille und weniger Bürokratie können wir alles schaffen“, ist Angas überzeugt. Das zeige auch die fünfmonatige Vorbereitung im Hotel mit Renovierung: „Es war ein Kraftakt für alle. Auch der macht aber deutlich, dass wir in diesem Land viel bewirken können, wenn man wirklich will. Das ist ein Zeichen und das können wir der Welt mit der EM als Veranstaltung zeigen.“ Die Rückmeldung vom belgischen Personal sei sogar, dass es das beste Basecamp seit vielen Turnieren sei. Angas: „Warum? Nicht wegen Superluxus, das wollen wir auch gar nicht. Sondern wegen der familiären Atmosphäre.“

Wie lange das Team am Monrepos weilen wird, hängt vom sportlichen Erfolg ab. Für das Hotel ist das auch wirtschaftlich von Bedeutung, sagt der stellvertretende Hoteldirektor. „Sobald die Mannschaft weg ist, ist hier erst mal nichts mehr. Dann kommt auch kein Geld mehr. Wir sind mit dem Invest eine riesige Wette eingegangen, auch wenn wir nicht mit dem Finale kalkuliert haben.“ Eine Hoffnung ist, dass es nicht das letzte Team sein wird, das kommt. Angas augenzwinkernd: „Wir stehen bereit für die Gegner des VfB Stuttgart in der Champions League.“

Autogramme und Fotos für die Jugend

Sollte es so kommen, schauen vielleicht die Kinder und Jugendlichen, die am Samstag auf gut Glück am Monrepos weilten, wieder vorbei. Bestimmt auch Rollifahrer Felix Brandes aus Winzerhausen, der großer Fußballfan ist und beim EM-Eröffnungsspiel im Stadion war. Nun war der 18-Jährige mit seinen Geschwistern Maya und Robin sowie Mutter Nicole am Monrepos. „Wir wollten mal nach den Belgiern schauen. Als wir dann wieder gehen wollten, wurden wir extra zurückgerufen, weil es gleich Autogramme geben würde“, sagt Mutter Nicole. „Es war ein cooles Gefühl, die Autogramme zu bekommen“, sagt Felix, der auch bei Bayern München gern auf Tuchfühlung mit den Stars geht. Der Moment mit de Bruyne war für ihn dennoch besonders. Seine Mutter berichtet lächelnd: „Felix zitterte sogar vor Freude.“