Ein Burgerladen in Esslingen ist so beliebt, dass er einen zweiten Laden in der Stadt eröffnet. Dabei geht es nicht nur ums Essen, sondern um ein ausgefallenes Erlebnis.
Halbe Burger in einem See aus Chili-Cheese-Sauce, Beleidigungen am Dienstag und Livestreams über Social Media: Fritzls Burger in Esslingen setzt auf mehr als nur Essen. Zum Burgermenü möchte der Betreiber Serda Bingöl neben Pommes mit Topping und Smashed Burger ein Erlebnis servieren. Was er in seinem bei Kunden beliebten Laden macht, teilt er auf seinen Kanälen auf Social Media, die ein fester Bestandteil seines Konzeptes sind. Nun plant er einen zweiten Standort in der Stadt – und arbeitet schon an neuen Ideen.
„Bei uns ist eigentlich immer full-house“, sagt Serda Bingöl mit einem Grinsen in seinem Laden in der Landolinsgasse 14. Den hat der 27-jährige Esslinger „spontan übernommen“, wie er sagt. Dass es ein Burgerladen werden würde, sei nicht von Anfang an klar gewesen. Und auch nicht, dass er so gut laufen würde. Immer wieder müsse das Team Gäste wegen der hohen Auslastung wegschicken, am Wochenende gehe ohne Reservierung nichts.
Fritzls Burger in Esslingen setzt auf Social Media
Besonders beliebt ist laut Serda Bingöl der „Spezialteller“. Das Prinzip: Ein Burger nach Wahl in der Hälfte aufgeschnitten, mit der Schnittfläche in reichlich Chili-Cheese-Sauce getränkt und anschließend auf einem Teller serviert. Dazu gibt es Plastikhandschuhe, mit denen die Kunden den Burger durch die üppige Käsesoße ziehen. Das käme auch auf Social Media gut an – laut Serda Bingöl würden die Kunden vor allem herkommen, um diese spezielle Burgerkreation zu probieren. Die Gäste kämen teilweise aus Ulm, Tübingen, Aalen – und auch aus Bremen sei schon einmal jemand angereist.
Um mehr Gäste aufnehmen zu können, eröffnet Fritzls Burger 600 Meter weit vom ersten Laden in der Pliensaustraße 27 nun einen zweiten Burgerhotspot. Die Burger bleiben gleich, das Erlebnis beim Essen wird ausgebaut. Und wie soll das aussehen?
Livestreams in Burgerrestaurant geplant
Während der erste Laden mit seiner Einrichtung eher an ein Wohnzimmer erinnert, soll der neue Standort futuristischer sein. Mit Hip-Hop-Musik soll eine Baratmosphäre entstehen. Auf Service am Tisch wird verzichtet, die Gäste holen ihr Essen selbst ab. Beim Abholen sollen die Mitarbeitenden mit Besucherinnen und Besuchern auf der Social-Media-Plattform Tiktok live die Geschehnisse im Laden übertragen. Gastrotainment sozusagen. Der neue Standort befindet sich derzeit noch im Umbau, ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest.
Neben dem Essen spielen Social Media und das Filmen im Burgerladen eine zentrale Rolle. Besonders in einem speziellen Format, das der Inhaber – selbst Videograf – einmal im Monat plant. „Wir wollen überall Kameras aufhängen“, erzählt Serda Bingöl. Am ersten Dienstag im Monat wird der Umgangston dann bewusst schroffer. Gäste, die zu spät kommen, stellt er „spaßeshalber an die Wand, um über das eigene Verhalten nachzudenken“.
Auch der Service folgt an diesem Abend besonderen Regeln: Wer nach einer Speisekarte fragt, bekommt sie nicht gereicht, sondern hingeworfen. Das Personal darf die Gäste beleidigen – und umgekehrt. Voraussetzung dafür sind eine vorherige Reservierung sowie eine Einverständniserklärung zu Beginn des Besuchs.
Das Konzept erinnert an ein Burgerrestaurant, das ursprünglich aus Australien stammt: Das „Karen’s Diner“ beschreibt sich auf der eigenen Website als „interaktives Diner mit 100 Prozent unfreundlichem Personal“. Serda Bingöl stellt jedoch klar: „Wir beleidigen nicht mit echten Beleidigungen.“ Fragt ein Gast nach einer Empfehlung, könne die Antwort etwa lauten: „Such doch selbst aus – ist nicht mein Problem.“ Und auch generell scherze er viel mit seinen Gästen.
Fleisch halal, Zutaten aus Esslingen
Neben klassischen Burgern und dem Spezialteller stehen auch Varianten mit BBQ-Sauce auf der Karte, eine Hawaii-Version, Burger mit Sucuk, eine vegetarische Alternative mit Gemüse-Patty oder Versionen ganz ohne Brot. Beim „All Eyes on Zwiebel“-Burger ersetzen Zwiebelringe die Brötchenhälften. Preislich liegen die Burger zwischen 9,90 und 16,90 Euro, der Spezialteller kostet 2,90 Euro Aufpreis.
Und wie schmeckt ein klassischer Burger im Laden? Das Brötchen ist fluffig, das Fleisch gut gebraten, Soßen und Zutaten sind ausgewogen aufeinander abgestimmt, finden wir in unserem Kurztest vor Ort.
Der Name Fritzls Burger ist bewusst gewählt: „Deutscher Name, deutsche Qualität“, sagt Serda Bingöl. Diese Qualität stecke vor allem in den Zutaten, sagt er. Das Fleisch werde halal, also nach strengen islamischen Vorschriften, zubereitet, Brötchen und Gürkchen stammten aus Esslingen und Umgebung, der Salat werde täglich frisch geholt, bei den Soßen greift Serda Bingöl zu Markenprodukten. Seine Eltern seien anfangs skeptisch gewesen, ob sich das rechne. Für den 27-Jährigen war jedoch klar: „Wenn ich Produkte mit hoher Qualität verwende, kommen die Kunden immer wieder her.“