Divina Lasarevic hat aus Liebe zu ihrem Hund neun Tage im eigenen Auto verbracht. Foto: StZN/Felix Frey

Neun Tage und Nächte hat eine Stuttgarterin in ihrem Auto geschlafen. All die Strapazen hat sie aus Liebe zu Hündin Shanti auf sich genommen. Warum es für sie keine andere Lösung gab.

Divina Lasarevic wirkt gelöst, als sie in der Kaffeerösterei in der Gablenberger Straße im Stuttgarter Osten sitzt. Dabei liegen neun Nächte hinter der 53 Jahre alten Stuttgarterin, in denen Schlaf eher aus kurzen Abschnitten bestand als aus echter Erholung. Neun Tage und Nächte, die sie größtenteils im Auto verbracht hat – freiwillig, mehr oder weniger. Sie tat es für ihren Hund Shanti.

„In so einer Situation funktioniert man einfach“, sagt die zierliche Frau. Erst jetzt, ein paar Tage später, merkt Divina, was diese Zeit körperlich mit ihr gemacht hat.

Shanti, ihre rund 50 Kilogramm schwere Hündin, wurde kürzlich am Meniskus operiert. Zusätzlich wurde ein Tumor im Brustbereich entfernt. Nach dem Eingriff konnte die Hündin kaum laufen, hatte starke Schmerzen und konnte keine Treppen steigen, erzählt Divina. Die Stuttgarterin wohnt zwar im Erdgeschoss, doch die 13 Stufen zur Wohnung sind steil und mit einem schweren, geschwächten Hund kaum zu bewältigen. „Man hat ständig Angst, dass sie abrutscht oder sich noch mehr verletzt“, sagt sie.

Der Entschluss: Auto statt Wohnung

Also entschied sich die 53-Jährige für eine Lösung, die radikal klingt, für sie aber logisch war: Sie zog mit Shanti ins Auto, direkt vor ihrer Haustür, etwa fünf Meter von ihrer Wohnung entfernt.

Fast rund um die Uhr war sie bei ihrem Hund. „Eigentlich war ich 23 Stunden am Tag im Auto“, erzählt sie. Sie ging nur hoch in die Wohnung, um sich die Zähne zu putzen, zu duschen, und um ihre Mutter zu versorgen, die bei ihr lebt. Möglich war das nur, weil sie Urlaub hatte. „Mit Arbeiten wäre das gar nicht gegangen.“

Etwas müde, aber warm eingepackt hatte sich Hündin Shanti mit Frauchen Divina im Auto wohlgefühlt. Foto: StZN/Felix Frey

Ob sie keine Angst hatte, nachts als Frau allein im Wagen zu schlafen? „Man denkt gar nicht darüber nach, ob das gefährlich ist oder nicht.“ Das Auto stand an einer Hauptstraße, Nachbarn gingen zu den unterschiedlichsten Zeiten an ihrem Wagen vorbei und warfen immer wieder einen achtsamen Blick auf sie und ihren Hund. „In so einer Situation denkt man vor allem nicht an sich selbst. Meine Priorität war immer mein Hund.“

Schlafen unter schwierigen Bedingungen

Das Schlafen selbst sei weniger ein Platz- als ein Kälteproblem gewesen, erklärt Divina: „Man schläft nie durch.“ Da halfen auch keine Decken, Wärmflaschen oder das Einschalten des Motors. Innerhalb kurzer Zeit kühlte das Auto wieder aus. Das Einschlafen an sich ging zwar, „aber immer nur für ein oder zwei Stunden“. Dann kam die Kälte zurück.

Besonders schlimm wurde es, erzählt Divina, als Schnee oder Regen einsetzten. „Nach dem Gassi-gehen war alles immer nass: Decken, Kleidung, alles.“ Erst spät kam ihr die Idee, die Sachen in ihrem Trockner in der Wohnung zu trocknen. „Mein Fokus war komplett beim Hund. Ich wollte nur, dass sie es warm hat und sich wohlfühlt.“

Nach gut überstandener OP geht es Hündin Shanti von Tag zu Tag etwas besser. Foto: StZN/Felix Frey

Irgendwann machte Divinas Körper nicht mehr richtig mit. Das merkte die 53-Jährige aber erst, als sie wieder zu Hause war. „Ich dachte, ich gehe sofort in die heiße Badewanne, aber ich konnte nicht. Ich hatte einfach keine Kraft.“ Am vergangenen Wochenende schlief sie fast durchgehend und ging nur kurz mit Shanti raus. Auch zum Kochen hatte sie keine Kraft und bestellte sich etwas. „Erst da habe ich gemerkt, wie müde ich wirklich bin.“

Trotz der vielen Stunden im Auto fühlte sich die 53-Jährige nicht eingeengt. „Man hat ja Aufgaben“, sagt sie. Gassi gehen, Medikamente geben – wegen Shantis Epilepsie alle acht Stunden, oft mit Wecker –, lesen, manchmal dösen. Langeweile sei bei ihr nicht aufgekommen – auch dank der Nachbarn, die mal einen Tee, mal eine Wärmflasche oder Suppe vorbeibrachten. Freunde schauten vorbei, teils bis spät abends. „Das war unglaublich rührend. Ich war da auch schon den Tränen nahe.“

Das Auto als sichere Heimat für Shanti

Für Shanti selbst war das Leben im Auto kein Problem, sagt Divina, im Gegenteil. „Das Auto ist für sie wie ihr Zuhause.“ Aufgrund ihrer Epilepsie reagiert die Hündin sensibel auf neue Orte und fremde Menschen. Deswegen kam eine Unterbringung bei Nachbarn oder Bekannten nicht infrage. Das Auto, die Nähe zu ihrem Frauchen und die Ruhe sind ihre sicheren Konstanten. „Sie hat viel geschlafen und ist zur Ruhe gekommen. Für sie war das richtig gut.“

Seit einigen Tagen geht es bergauf. Shantis Gesundheitszustand ist stabiler geworden, am Samstagmorgen kehrten Frauchen und Hündin gemeinsam in die Wohnung zurück. Am Mittwoch wurden die Fäden gezogen, die Wunde verheilt gut, der Tumor hat nicht gestreut. „Das ist die beste Nachricht überhaupt“, sagt Divina. Jetzt heißt es noch vier Wochen Schonzeit und Geduld. Danach darf Shanti wieder all das tun, wonach ihr ist.

Ein Fazit aus Liebe und Verantwortung

Und die neun Tage im Auto? Würde Divina das noch einmal machen? Die Entscheidung für das Auto habe ihr Freiheit gegeben – und Shanti Ruhe. „Im Vergleich zum Tragen war das Auto die deutlich bessere Lösung – ich würde es jederzeit wieder so machen.“