Auf dem Kraftwerkgelände in Marbach soll der Großbatteriespeicher entstehen. Foto: Werner Kuhnle)

Der Großbatteriespeicher der EnBW in Marbach (Kreis Ludwigsburg) soll das Stromnetz stabilisieren – und zeigen, wie die Energiewende in XXL funktioniert.

Lithium-Ionen-Batterien kennt man aus dem Smartphone. Da sind sie winzig. Lithium-Ionen-Batterien werden in naher Zukunft aber auch am Marbacher Kraftwerkstandort der EnBW eingesetzt – da werden sie riesengroß sein. Stromspeicher in XXL sozusagen. Der Energiekonzern startet im Dezember im Technologiepark in Marbach mit dem Bau eines Großbatteriespeichers – ein Teil, das seinesgleichen sucht.

In der Region wird der Batteriespeicher Stand jetzt einmalig sein, zudem handelt es sich um einen der ersten in ganz Baden-Württemberg. Allein die Zahlen beeindrucken. Die Kapazität wird 100 Megawattstunden betragen. Das ist die Stromversorgung für mehr als 10.000 Haushalte für einen Tag – oder die Ladung von 2000 Mittelklasse-E-Autos. Das veranschaulicht die Dimensionen der Anlage. Der Speicher wird aber nicht für die Versorgung einer einzelnen Stadt eingesetzt, sondern durch seinen Anschluss an das Übertragungsnetz der Transnet BW eine bedeutende Größe im gesamten süddeutschen Stromnetz darstellen.

„Strommarkt unterliegt Schwankungen“

Doch was macht diese Batterie eigentlich genau? „Sie speichert Energie und stellt sie zur Verfügung, wenn sie benötigt wird. Sie lädt, wenn der Strompreis niedrig ist, und entlädt, wenn der Strompreis teurer ist“, erklärt Lennart Deist, Projektleiter bei der EnBW. Denn „der Strommarkt unterliegt ganz kurzfristigen Schwankungen“, so Deist.

Sein Kollege Tjark Thien ergänzt, dass das auch der Netzstabilität diene. Günstig sei Energie dann, wenn viel Energie im Netz ist. Diese Momente will die EnBW mit ihrem Großbatteriespeicher dann nutzen. So werden Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage ausgeglichen, heißt es seitens der EnBW. So können die wetterbedingt schwankende Erzeugung aus Erneuerbaren Energien und der tatsächliche Bedarf im Netz in Einklang gebracht werden.

Der Speicher kann innerhalb einer Stunde geladen und auch wieder entladen werden. „Das geht über ein Kabel. Da steckt was dahinter“, sagt Deist. Der Ort nahe des Kraftwerkes in Marbach ergibt Sinn, da hier sämtliche Synergieeffekte genutzt werden können. „Wir haben hier die Infrastruktur, wir haben den Platz und wir haben den Trafo.“

Die Zellen kommunizieren

Ende des Jahres soll der Bau des Großbatteriespeichers in Marbach losgehen, für das dritte Quartal 2026 ist die Inbetriebnahme geplant. Brandschutz beziehungsweise die generelle Sicherheit der Anlage seien ein riesen Thema, erläutert Lennart Deist. „Das haben wir von vorne bis hinten beleuchtet.“

Die Batterieschränke werden im Sommer gekühlt und im Winter gewärmt. In dem System stecke eine „durchdachte Steuerung“, die Zellen kommunizierten untereinander: „Wie geht es mir? Fühle ich mich gerade wohl? Gibt es Probleme?“, so Deist. „Das wird jeweils nach oben an ein übergeordnetes Management weitergegeben, das auch fürs Ein- und Ausspeichern zuständig ist.“

Citytour

Einblicke
In den geplanten Großbatteriespeicher der EnBW gab es im Rahmen der Citytour des Marbacher Stadtmarketingvereins (SSM). Die von Monika Schreiber und Stephan Kessler organisierte Tour führte diesmal in den Energie- und Technologiepark. Die Besucher erhielten Einblick in drei Betriebe: Bucher Automation AG, die EnBW-Netzstabilitätsanlage sowie Müller – Die lila Logistik.

Ausblicke
SSM organisiert die Citytouren seit vielen Jahren. Die nächste findet im kommenden Frühjahr bei Betrieben in Rielingshausen statt. Im Herbst 2026 geht es dann wieder durch den Technologiepark.