Beats auf den Ohren: In seinem Studio produziert Lukas Soiné Musik für ein großes Publikum. Foto: Simon Granville

Mitten auf einem Bioland-Hof bei Leonberg produziert Lukas Soiné Songs mit Millionen Streams. Sowohl Rap-Größen wie Nura als auch virale Acts wie Luna Simao vertrauen auf seinen Sound.

Vielleicht ist es eines der ungewöhnlichsten Musikstudios Deutschlands. Es gehört Lukas Soiné und steht nicht etwa in Berlin oder Hamburg, sondern etwas außerhalb von Leonberg, Richtung Höfingen. Wer hier den Bioland-Bauernhof passiert, rechnet kaum damit, dass in einer alten Scheune Songs entstehen, die später millionenfach gestreamt werden. Hier ist Lukas Soiné aufgewachsen. Der 26-Jährige lebt noch immer auf dem Hof, gemeinsam mit seiner Familie. Wo früher Holz gesägt wurde, versteckt sich heute hinter einer steilen Leiter ein vollständig ausgestattetes Studio.

Keine klassische Musikausbildung, Lukas Soiné ist Autodidakt

Im Februar produzierte er hier mit Luna Simao „Deutscher Akzent“, ein Track über das Gefühl zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen. Auf TikTok ging der Song viral, auf Spotify zählt er mittlerweile über eine Million Streams. „Ein viralen Hit kann man nicht planen, aber das Thema beschäftigt viele Menschen, der Song fühlt sich authentisch an. Das sind immer wichtige Zutaten. Trotzdem waren wir überrascht, wie gut der Song ankommt.“

Schon als Kind spielt Lukas Soiné Instrumente. Foto: Simon Granville

Doch zurück an den Anfang. Schon als Kind kommt er mit Instrumenten in Berührung. Die Neugier ist da, der Zugang auch. „Ich hatte irgendwie ein Gefühl dafür, was gut klingt“, sagt er. Die ersten Versuche am Klavier bringt er sich selbst bei. Parallel entdeckt er auf YouTube die Welt der Musikproduktion. Was andere im Studio lernen, eignet er sich mit Tutorials, Software und gutem Gehör an. Zwar nimmt er eine Zeit lang klassischen Klavierunterricht, merkt aber schnell, dass das nicht zu ihm passt. „Ich bin kein Pianist. Ich möchte Musik machen, eine Atmosphäre erschaffen. Nicht Mozart spielen.“ Nach der Schule macht sich der Musiker selbstständig. „Ich habe das gar nicht so richtig ernst genommen, weil ich wahrscheinlich noch sehr jung war“, sagt er. Dann wird es schnell ziemlich ernst. Kontakte, die sind wichtig in der Musikwelt. Das lernt Lukas Soiné schnell. Über den Leonberger Rapper Remoe, der so etwas wie ein Mentor für ihn wird, lernt er die ersten Künstler der Hip-Hop-Branche kennen und erhält einen Vertrag bei Sony.

2018 folgt dann das erste große Ding mit Nura: Er arbeitet mit an der Single „Nackt“. Die Rapperin aus Berlin, bekannt durch das Duo SXTN, zählt zu den prägenden Stimmen der deutschen Rap-Szene. Für den Produzenten ist es die erste große Zusammenarbeit mit einer Künstlerin eines Major-Labels. „Das war auf jeden Fall das erste Mal, wo ich dachte: krass“, sagt er. „Auch viele meiner Freunde und meine Familie dachten: Das ist verrückt.“ Einmal drin, läuft es irgendwie von selbst.

Vom Deutschrap zu neuen Projekten

Der Leonberger produziert für Künstler wie JIGGO, Mario Novembre, Remoe oder Charisma. Besonders in der Deutschrap-Szene ist er viel unterwegs. Doch mit der Zeit merkt er: Diese Welt passt nicht mehr zu ihm. Drogen, Alkohol oder Kiffen im Studio – für viele ganz normal, für Lukas irgendwann nicht mehr der Rahmen, in dem er kreativ sein möchte. „Ich habe einfach gemerkt, dass mir der Spaß daran fehlt, in dieser Umgebung zu arbeiten“, sagt er. Also zieht Lukas Soiné sich zurück, konzentriert sich auf eigene Projekte. Lo-fi Hip-Hop wird sein neues Zuhause. Ein Genre, das entspannte Beats mit bewusst unperfekten Klängen kombiniert. Bei vielen läuft die Musik beim Lernen, Arbeiten oder einfach im Hintergrund.„Der Vorteil ist, ich kann alles selbst machen und arbeiten, wann ich will“, sagt er. Unter dem Künstlernamen Lukayo veröffentlicht er erste Tracks – und wird gehört. Er landet in den großen Lo-fi-Playlisten auf Spotify und bleibt dort. Inzwischen zählen seine Songs über 25 Millionen Streams. „Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass das so durch die Decke geht“, sagt er. Wer das Genre kennt, weiß: Die Playlists sind entscheidend. Hörer folgen der Stimmung, nicht den Künstlernamen. Im Gegensatz zum Pop steht hier nicht die Person im Vordergrund, sondern allein die Musik.

Was die Zukunft betrifft, bleibt Lukas Soiné gelassen. Wichtig ist ihm vor allem, vielseitig zu arbeiten. Neben seinem Lo-fi-Projekt produziert er weiterhin für andere Künstlerinnen und Künstler und bietet Studiosessions an. Der Erfolg mit „Deutscher Akzent“ im Februar könnte Erwartungen wecken – setzt ihn das unter Druck? „Nein, nicht wirklich“, sagt er ruhig. „Ich lasse mich da nicht aus der Ruhe bringen. Die Arbeit soll Spaß machen, dann klingt am Ende auch das Ergebnis gut.“