Schöner statt Döner: Foto: Andreas Kaier - Andreas Kaier

An der Olgastraße, der Deizisauer Durchgangsstraße, plant ein Bauträger einen modernen Wohn- und Geschäftskomplex. Die Gemeinderäte sind zurückhaltend.

DeizisauPasst dieses Gebäude in die Deizisauer Hauptstraße oder ist es eher etwas für die Stuttgarter Königsstraße? Diese Frage beschäftigt den Gemeinderat und die Bürgerschaft. Die Firma Bau.Konzept plant, an der Ecke Olga-/Neue Straße ein imposantes Wohn- und Geschäftsgebäude zu errichten. Das Döner-Haus und das Nachbargebäude, einst Feinkost-Nagel, sollen abgebrochen werden. Die lange Front des neuen Gebäudes wäre ein prägendes Element an der Durchgangsstraße. Arkaden im Erdgeschoss und gegliederte Fassaden in den Obergeschossen sollen das Erscheinungsbild gefällig machen.

„Wohnraum zu schaffen, ist neben der Mobilitätsfrage das zentrale Thema der Kommunalpolitik“, so leitete Bürgermeister Thomas Matrohs in den Tagesordnungspunkt ein. 16 bis 20 Wohneinheiten hat die ortsansässige Bau.Konzept GmbH im Projekt an der Olgastraße vorgesehen. Schwerpunkt sollen Drei-Zimmer-Wohnungen sein, im Erdgeschoss sind auch Wohnungen für Familien vorgesehen. Außerdem sind drei oder vier Gewerbeeinheiten geplant. Mit einem Apotheker führe man bereits Gespräche, sagte Bau.Konzept-Geschäftsführer Claudius Böhm, der auch sein Büro hierher verlegen möchte. Außerdem denkt er an eine Vinothek, eventuell mit einer Eisdiele kombiniert. Das Grundstück habe er im Dezember 2017 von einer Erbengemeinschaft gekauft, berichtet Böhm. Inklusive Grundstück investiere Bau.Konzept etwa 7,5 Millionen Euro ins das Projekt.

Architekt Andreas Edelmann aus Neuhausen präsentierte dem Gemeinderat seine Pläne und das Modell. Das Erdgeschoss hat der Planer etwas von der Straße abgerückt. Mit den Arkaden schaffe man Durchlässigkeit und „zukunftsweisende Aufenthaltsqualität“ an einer Stelle, wo man sie nicht vermuten würde, schilderte Edelmann seine Idee. Privates Gelände werde so für die Öffentlichkeit nutzbar. Die oberen Stockwerke rücken wieder näher an die Straßenlinie heran, mit Vor- und Rücksprüngen sowie Verglasungselementen lockere man jedoch das Erscheinungsbild auf, erläuterte Edelmann. Am Übergang zur Neuen Straße habe man durch Balkone und eine Rundung eine „smarte Ecke“ geschaffen. Bei First- und Traufhöhen orientiere man sich an der Umgebungsbebauung.

Mit dem Flachdach greift der Architekt nicht unbedingt zur dörflichen Form, allerdings hat auch die Nachbargemeinde mit der Metzgereifiliale eine eigenwillige Dachform. Die Fassade zur Olgastraße wirkt geschlossen, dahinter verbergen sich jedoch zwei Baukörper, die durch eine breite Fuge getrennt sind. An die Straßenecke wird ein L-förmiges Gebäude gesetzt. Das Haus in Richtung Metzgerei dehnt sich weit nach hinten aus. Eine Tiefgarage mit 20 Stellplätzen soll über die Neue Straße angebunden werden.

Es sei gut, dass sich endlich jemand Gedanken darüber mache, wie es an dieser Stelle der Olgastraße weitergehe, begann CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Krüger mit einem Lob. Allerdings wirke der Baukörper sehr neu. „Auf der Königstraße in Stuttgart sieht das sicher gut aus, aber ob es nach Deizisau passt, darüber müssen wir diskutieren.“ Ähnlich vage blieb auch Regine Kaufmann (LED): „Es muss was Neues geschaffen werden, aber ob es bei dieser Form bleibt?“ Immerhin werde Wohnraum geschaffen und versucht, Gewerbe anzusiedeln.

Auch Bürgermeister Thomas Matrohs beschränkte sich darauf, Fragen zu formulieren. Man müsse sehen, was in diesem gewachsenen Bereich vertretbar sei. Ein neuer Bebauungsplan ist für dieses Projekt nicht nötig – im Gegensatz zum umstrittenen Vorhaben des Bauträgers M. Bayer im Gebiet „Wert“ oben. Die im Gemeinderat schon angesprochene Veränderungssperre für die Olgastraße scheint vom Tisch zu sein.

Das Projekt Olgastraße könne nach Paragraf 34c genehmigt werden, sagt Claudius Böhm. Er ist zuversichtlich, dass es klappt. Verbandsbaumeister Wolfgang Kießling habe sich positiv geäußert. Böhm: „Klar, das Gebäude ist modern, aber es passt zu der modernen Gemeinde Deizisau mit fast 7000 Einwohnern.“ Über Änderungen der Pläne könne man natürlich reden.

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