Noch immer ruht die Baustelle des Computerriesen in Ehningen. Eine Einigung zwischen Investoren, dem Bauträger und den Handwerkern ist noch nicht in Sicht.
In nächster Zeit braucht das alte IBM Labor in Böblingen die Koffer nicht zu packen. Seit August ruhen auf dem neuen IBM Hauptsitz in Ehningen die Arbeiten. Der Bauträger, die Delevopment Partner aus Düsseldorf, und ihre Tochterfirma die Projektentwicklung Technologiecampus Stuttgart gingen mitten in den Bauarbeiten in die Insolvenz.
Zur Zeit versucht der Insolvenzverwalter Georg Kreplin, die Vorgänge zu ordnen. Der Jurist hat gerade alle Hände voll zu tun, um die Baufirmen am künftigen IBM-Hauptsitz zu halten. Denn es wäre sinnvoll, wenn die stillgelegte Baustelle wenigstens vor dem Winter wieder in Betrieb geht, weil es in der kalten Jahreszeit natürlich schwieriger ist zu bauen.
Verhandlungen sind schwierig
Zu den Ergebnissen seiner Bemühungen kann Georg Kreplin noch nicht viel sagen, außer dass die Verhandlungen schwierig seien: „Wir stehen mit allen Beteiligten in Kontakt, wir wollen jetzt die Baustelle absichern, damit keine Gefahren entstehen, während die Baustelle ruht“. Doch allein das setzt schon voraus, dass sich die Investoren und die Development Partner mit den Handwerkern einig werden.
Der Insolvenzverwalter muss aber auch noch in anderen Dingen vermitteln. Auf der Finanzierungsseite ergibt sich nach seinen den Worten folgendes Problem: Die Kreditgeber wüssten zur Stunde noch nicht, wieviel sie noch zahlen sollen, bis das Projekt fertig ist. Dazu kommt, dass sie für weitere Finanzierungen verschiedene Bedingungen stellen, die laut Kreplin schwer zu erfüllen sind. Er hofft aber, dass in den nächsten vier Wochen eine Lösung gefunden werden kann.
Einst untrennbar mit Böblingen verbunden
Patrick Hacker vertritt als Pressesprecher die Development Partner und die Kanzlei Schneider Geiwitz, die auf Bauträgerseite die Insolvenz betreut. „Wir hatten ja damals das Problem, dass eine der Finanzierungen nicht eingetroffen ist“, sagt er, aber auch er hofft, dass die Verhandlungen gut und schnell weiter gehen.
Die IBM Deutschland war einst untrennbar mit dem Standort Böblingen verbunden. Sie zählte dort zu den heiß begehrten High-Tech Arbeitgebern und hat ungemein zum Wohlstand und zum guten Ruf der Stadt beigetragen. Als die IBM beschloss, ihre Böblinger Standorte in einen zu überführen, fiel die Wahl des Managements auf ein Grundstück in Ehningen, direkt an der Autobahn. Als letzter Unternehmensteil sollte das IBM Labor beim Rauhen Kapf von Böblingen nach Ehningen umziehen. Auf der Fläche dort soll Wohnungen entstehen, die Münchner Firma Green Park Böblingen will dort innovative Häuser aus Holz errichten, deren Bau nahezu klimaneutral werden soll.
Wenn die Gebäude fertig sind, sollen sie Platz bieten für rund 3500 Beschäftigte. Das Areal in Ehingen ist rund 69 000 Quadratmeter groß, die Gebäude haben eine Fläche von rund 42 400 Quadratmetern. Der Neubaukomplex besteht aus vier Teilen mit jeweils fünf Geschossen. In den ersten beiden Geschossen werden die einzelnen Gebäudeteile über einen Marktplatz mit begehbarem Gründach verbunden. Soweit der Plan. Obwohl die Bauten schon weit gediehen sind, schätzt Kreplin die verbleibende Bauzeit auf etwa ein dreiviertel Jahr ein.