Stark beschädigte Bäume am Kappelberg treffen auch die Weingärtner in Fellbach. Deren Vorsitzender Thomas Seibold kann sich den Grund für die Sachbeschädigungen nicht erklären.
Die Fälle von Baumfrevel sorgten für Unruhe in Fellbach(Rems-Murr-Kreis). Auch Gehölze am Kappelberg waren betroffen. Thomas Seibold ist Winzermeister und Vorsitzender der Fellbacher Weingärtner. Für ihn sind diese Vorfälle völlig unverständlich.
Bewusst für die Artenvielfalt gepflanzte Bäume im Weinberg und weitere am Wegesrand seien vor knapp drei Wochen stark beschädigt oder umgesägt worden. Vorausgegangen war Ende Mai eine Zerstörungswut rund um Schulgebäude, wo Bäume vollständig abgesägt worden waren. Der Vandalismus löst im Fellbacher Rathaus und unter den Bürgern Fassungslosigkeit aus. Die Stadtverwaltung hat eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ermittlung der Täter führen.
Abgesägte Bäume in Fellbach: Auch Bäume der Wengerter sind betroffen
Bei Seibold selbst ist auch ein Baum gefällt worden. „Das kann man rational nicht erfassen“, so Seibold zur Frage nach dem „Warum“. Er erkennt dahinter jedoch nicht, dass sich die Attacken gegen den Weinbau richten. Ein Schaden sei nicht seriös zu benennen. Die betroffene Quitte sei „ein schöner Baum“ gewesen, schwelgt der Winzermeister. Zehn bis zwölf Jahre stand der Baum schon. Bei einem solchen Gewächs würden 1000 Euro als Kalkulation des Schadens sicher nicht reichen, eher 2000 bis 2500 Euro. Ansonsten seien vor allem Mandelbäume betroffen gewesen. Zum gesamten Gebiet gebe es keine Erhebung, er gehe von acht bis zehn beschädigten Bäumen aus. Manche davon seien nur beschädigt, also nicht komplett gefällt worden. Die noch vor den Fällen am Kappelberg abgegebene Gesamtschätzung von über 40 000 Euro Sachschaden habe er natürlich auch mitbekommen. Der Wengerter plant auf jeden Fall, Bäume neu zu pflanzen, um die abgeholzten zu ersetzen. Das aber erst, wenn man wisse, ob und wie nachgepflanzt werden könne.
Abgesägte Bäume – „Einfach krank“
„Es war mal ein Geschäft, das zu pflanzen“, sagt Seibold. Die Fellbacher Weingärtner hätten auch immer die Biodiversität gefördert. So wurden unter anderem Aprikosen- und Mandelbäume an geeigneten Plätzen eingesetzt. Für den Vorsitzenden ist es eine „Bereicherung für das Erscheinungsbild“ rund um die Weinberge – schöne Bäume werteten diese auf – vor allem an Stellen, wo sie die Arbeit der Wengerter nicht stören. Das alles sei durchdacht gewesen und erfreue sich einer „guten Akzeptanz“.
Der Baumfrevel in dieser Form sei auch ihm neu. Und er empfinde es als „einfach krank“, Bäume abzusägen. Seibold stellte in seinem Fall Anzeige, der Tatort wurde dann von der Polizei mit Flatterband gekennzeichnet. Der aktuelle Stand: Der Fall sei bei der Polizei und bei der Stadtverwaltung hinterlegt und er gelte als Geschädigter, sagt Seibold. Nun heiße es abwarten, bis es Neuigkeiten gibt. Maßnahmen gegen Baumfrevel, gerade präventiv, seien schwierig.
Aktuell scheint es ruhiger zu sein, es gab keine neuen Fälle. Der Vorstand der Fellbacher Weingärtner vergleicht die Fälle mit jenen, die durch Brandstifter verursacht werden. Um einen Verbrecher fassen zu können, sei man vermutlich auf einen Fehler des Täters oder den Zufall angewiesen. Seibold geht davon aus, dass sich diese Chance irgendwann bieten dürfte. „Normalerweise können die es ja nicht lassen“, vermutet er. Der Winzermeister ist fassungslos ob des Unfugs, der rational nicht erklärbar sei.
Die Fellbacher Weine
Vor über 150 Jahren wurde die Fellbacher Weingärtnergesellschaft gegründet. Die Mitglieder bewirtschaften heute ihre Reben auf circa 185 Hektar. „Zahlreiche Auszeichnungen bestätigen von Jahr zu Jahr ihre weitgerühmte Spitzenqualität“, ist auf der Webseite zu lesen. Erst vor kurzem wurde der „Lämmler Lemberger P trocken Barrique“ beim renommierten CO-OP Contest des Meininger Verlags als bester deutscher Rotwein ausgezeichnet.