Mit Narrenkraft geht es Hub um Hub in die Höhe. Foto: Karin Ait Atmane - Karin Ait Atmane

Die Fasnet lebt in Esslingen, trotz aller Turbulenzen der Vergangenheit. Das ist den Zwieblingern wichtig – deshalb wieder der Narrenbaum vor dem Alten Rathaus.

EsslingenKnapp eine Stunde hat es gebraucht, bis der Narrenbaum senkrecht stand und in seine Bodenhülse rutschte. Das lag nicht etwa daran, dass es an Muskelkraft gefehlt hätte. Vielmehr kostet die Narrenzunft Zwieblingen das Ritual vor dem Alten Rathaus Minute für Minute aus, mit vielen Musikeinlagen und der Vorstellung der Gruppen, die zu dem Spektakel gekommen waren.

Die Fasnet lebt in Esslingen, trotz aller Faschingsturbulenzen der Vergangenheit. Dieses Signal ist der Narrenzunft Zwieblingen wichtig; vor sechs Jahren hat sie deshalb mit ihren verschiedenen Gruppen wieder begonnen, den Narrenbaum aufzustellen. Und Maik Grießdorn als Vereinsvorsitzender blickt zufrieden auf die vielen Menschen auf dem Rathausplatz. „Wenn ich mich so umguck’: Es wird von Jahr zu Jahr mehr“, sagt er und meint damit sowohl das Interesse der Hästräger und Guggenmusiker als auch das des bürgerlichen Fußvolks, das einfach zuschauen wollte.

Grießdorn und sein Vize Andreas Wiltsch sind Kelter-Teufele, die vor 33 Jahren die erste Häsgruppe in Esslingen waren und heute bei der Narrenzunft Zwieblingen zu Hause sind. Ihr Schild baumelt wie 13 weitere verschiedener Esslinger Figuren am Narrenbaum. Die beiden haben schon einige Routine, beim Interview für ES-TV wie beim Narrenbaumstellen überhaupt. Sie sind entspannt, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Anmeldezettel der Teilnehmer vergessen wurden. „Wir improvisieren“, sagt Grießdorn locker und ruft im Lauf der nächsten Stunde eine um die andere Gruppe zu sich, damit sie sich selbst vorstellt.

Und so marschieren sie alle auf, die Esslinger Gruppen wie die Postmichel, Zollhaus-Huddla, Zwiebala, Zwiebelgoscha, Panre-Hexa, Altstadthexa, Stadtwächter und wie sie heißen, einschließlich der Spätzlesfresser, die längere Zeit nicht offiziell dabei waren. Über die Gründe dafür lassen sie nichts raus, soviel aber schon: Die Jugend wollte, dass man mitmacht, „und hat sich drum gekümmert“, so Nina Schubert in ihrem schwarzgefleckten Häs. Die Karnevalsgesellschaft Staffelsteiger Weingeister hat ihre Gräfin Daniela I. mit dabei, die Zwieblinger haben ihr Prinzenpaar mitgebracht. Dazu kommen all die Auswärtigen, aus dem näheren Umland oder auch von Sulzbach, Schwenningen oder aus dem Schwarzwald. Hochsaison ist derzeit überall: „Wir sind seit dem 6. Januar jedes Wochenende unterwegs, volles Programm“, versichert eine Stäffeleshex aus Sulzbach.

Unter den Männern, die mit ihren „Schwalben“ – zwei miteinander verbundenen Stangen – den Baum nach oben stemmen, sind mehrere Esslinger Gruppen vertreten, aber auch einige Dalba-Hexa aus Hochdorf. Warum das? „Wir sind halt die Stärksten im Landkreis“, sagt einer von ihnen mit einem Achselzucken. So oder so, die „Manpower“ reiche locker für das Bäumchen, sagt Grießdorn. Zumal dieser Stamm schon zum dritten Mal im Einsatz ist und damit gut durchgetrocknet und leichter als in den Vorjahren. Am Aschermittwoch wird er im Ofen landen – nächstes Jahr geht’s dann mit frischem Holz wieder schwerer.

Hub für Hub bewegt sich der Stamm nach oben; dazwischen stellen sich die Gruppen vor und die Burgfäger oder andere Guggenmusiker blasen ins Blech und hauen auf die Trommeln. Nach knapp einer Stunde schließlich, mit kräftigen Hammerschlägen unterstützt, rutscht der Stamm in die Bodenhülse, wankt noch einmal kräftig und steht. Jetzt wird er in Richtung neues Rathaus ausgerichtet, damit der Oberbürgermeister sieht, „dass wir eine kleine Macht sind“, so Grießdorn – auch wenn’s in Esslingen keinen Rathaussturm mehr gibt.

Und dann ziehen die einen Gruppen weiter auf andere Umzüge und Veranstaltungen, während die anderen im Schickhardt-Saal des Rathauses feiern und sich aufwärmen.

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