Setzen den symbolischen ersten Spatenstich für das neue Bildungszentrum: Bauwirtschaftpräsident Böll und Wirtschaftsministerin Hofmeister-Kraut. Foto: Bauwirtschaft Baden-Württemberg/Visualisierung: Schenker Salvi Weber + Filippo Bolognese Images

Werkhallen werden abgerissen, während nebenan unterrichtet wird. Warum der 84-Millionen-Neubau in Remshalden-Geradstetten für die Branche mehr ist als ein Prestigeprojekt.

Der Boden ist feucht, die Sonne steht tief, und der Kies knirscht unter Schuhen. Dann fliegt der erste Haufen Erde. Mit einem symbolischen Spatenstich haben Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Markus Böll, der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, am Montag den Startschuss für den Neubau des Bildungszentrums Bau in Remshalden-Geradstetten (Rems-Murr-Kreis) gegeben. Es ist der sichtbare Auftakt für ein Projekt, das nicht weniger will als die Bauausbildung im Land neu zu denken.

Wie die Bauwirtschaft Baden-Württemberg in einer Pressemitteilung erklärt, soll mit dem neuen Campus die „hohe Qualität der Aus- und Weiterbildung langfristig gesichert“ und die Zahl der Lehrgänge gesteigert werden. Hinter den nüchternen Worten steht ein gewaltiges Vorhaben: 84 Millionen Euro Investitionsvolumen, fünf Bauphasen, 10.600 Quadratmeter Nutzfläche und ein laufender Ausbildungsbetrieb, der währenddessen weitergehen muss.

Bildungszentrum vor Neubau: Modernisierung dringend nötig

Das Bildungszentrum, 1972 eröffnet, ist heute eines der größten Kompetenzzentren für Verkehrswegebau und Baugerätetechnik im Land. Jährlich werden hier rund 700 Auszubildende überbetrieblich geschult, besonders viele Baugeräteführer – bundesweit sind es hier die meisten. Doch die Gebäude aus den 1970er Jahren sind in die Jahre gekommen. Flächendefizite, veraltete Technik, energetischer Sanierungsbedarf: Die Analyse fiel eindeutig aus.

In Remshalden-Geradstetten wird der Bau-Nachwuchs ausgebildet. Foto: Gottfried Stoppel

Die Antwort ist ein kompletter Neubau am selben Standort. Geplant sind 13 Ausbildungshallen, großzügige Außenflächen für Straßenbauer und Baugeräteführer, moderne Seminarräume und ein Verwaltungsgebäude. Hinzu kommt ein Gästehaus mit 200 Betten – doppelt so viele wie bislang. Lernen, wohnen, sich austauschen: Alles unter einem Dach.

Nachhaltiges Bauen: Energieautark und ressourcenschonend

Das Projekt soll auch Möglichkeiten des ressourcenschonenden Bauens aufzeigen. Recycling-Beton kommt zum Einsatz, die Dächer werden für Photovoltaik und Regenwasserrückhaltung genutzt. Der Gebäudekomplex soll nahezu energieautark arbeiten. In den Freiflächen sind Biotop- und Retentionsflächen vorgesehen. Klimaanpassung als Bauprinzip .

Finanziert wird das Mammutprojekt von mehreren Seiten: 45 Prozent übernimmt der Bund, 25 Prozent das Land Baden-Württemberg, 30 Prozent trägt die Bauwirtschaft selbst. Für die Branche ist das mehr als ein Prestigeprojekt. Es soll eine Antwort auf den Fachkräftemangel geben, der wie ein Schatten über der Bauwirtschaft liegt – gerade in Zeiten, in denen Wohnungsbau, Infrastruktur und energetische Sanierung zugleich gestemmt werden müssen.

Geradstetten als Vorreiter der Bauwende bei IBA’27

Seit Juli 2025 ist der Neubau offizielles Projekt der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27). Damit reiht sich Geradstetten ein in eine Serie von Vorhaben, die zeigen sollen, wie die Region Stuttgart künftig bauen, wohnen und arbeiten will.

So könnte das neue Ausbildungszentrum aussehen. Foto: Schenker Salvi Weber + Filippo Bolognese Images

IBA-Intendant Andreas Hofer hatte bereits bei der Aufnahme betont, entscheidend sei gewesen, dass hier Innovation, Nachhaltigkeit und Wissenstransfer zusammenkämen. Die Bauwende, so die Botschaft, brauche nicht nur kluge Konzepte, sondern Menschen, die sie umsetzen. In Geradstetten sollen sie ausgebildet werden – praxisnah, technisch auf dem neuesten Stand, mit Blick auf klimafreundliche Bauweisen.

„Eine logistische Herausforderung“: Bau bei laufendem Betrieb

Eine besondere Herausforderung ist der Bau bei laufendem Ausbildungsbetrieb. Werkhallen werden abgerissen, während nebenan weiter unterrichtet wird. Maschinenlärm trifft auf Theorieunterricht. „Eine logistische Herausforderung“, nennt es Markus Böll. Tatsächlich ist es ein Kraftakt, der Flexibilität verlangt – von Lehrenden, Auszubildenden und Planern gleichermaßen.

Der Entwurf stammt vom Wiener Architekturbüro Schenker Salvi Weber gemeinsam mit KRAFT.RAUM. Mehrere Baukörper, um 90 Grad versetzt, sollen eine funktionale, windmühlenartige Struktur bilden. Die Umsetzung erfolgt in fünf Bauphasen, die Fertigstellung ist bis 2030 vorgesehen.