Lange verfolgte Konzernchef Oliver Blume eine ehrgeizige E-Strategie. Nun sollen die meisten Beschäftigten der Batterietochter gekündigt werden. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.
Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche will offenbar einen Großteil der Beschäftigten der Batterietochter Cellforce entlassen und damit auf die anhaltende Absatzschwäche seiner vollelektrischen Modelle reagieren. Von den 286 Beschäftigten der Tochter in Kirchentellinsfurt, die für Porsche Hochleistungsbatteriezellen für E-Autos produzieren sollte, will das Unternehmen rund 200 kündigen. Entsprechende Informationen des „Spiegel“ stimmen mit Informationen unserer Zeitung überein.
Am Montag um 10 Uhr sollen die Beschäftigten im Werk offiziell über die Pläne informiert werden; der Vorstand wird durch Entwicklungs- und Vizechef Michael Steiner vertreten sein. Bereits um 9 Uhr ist eine Demonstration der Gewerkschaft IG Metall mit Vertretern der örtlichen Politik geplant.
Bemühungen zur Gründung eines Betriebsrats kommen möglicherweise zu spät, um die Pläne durch die Ausübung von Mitbestimmungsrechten noch zu beeinflussen. Vor zwei Wochen leiteten die IG Metall und Beschäftigte eine Betriebsratswahl ein; voraussichtlich am 19. September wird das Gremium einsatzbereit sein. Auf einen Appell an Steiner, mit Entlassungen noch bis dahin zu warten, sei aber nicht einmal eine Antwort gekommen, erklärte Kai Lamparter, zweiter Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Reutlingen-Tübingen, unserer Zeitung.
Gewerkschaft klagt für die Beschäftigten
Nach dem Kündigungsschutzgesetz müssen Beschäftigte, die ihrer Entlassung widersprechen, spätestens nach drei Wochen eine Klage eingereicht haben. Lamparter kündigte an, die Gewerkschaft werde diese Klage für die Beschäftigten übernehmen.
Anders als die Muttergesellschaft Porsche AG hat die Tochter Cellforce bisher keinen Betriebsrat, der die Interessen der Beschäftigten gegenüber dem Unternehmen vertritt. Während die Beschäftigten des Autobauers bis 2030 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sind, fehlt es bei Cellforce an einer entsprechenden Vereinbarung, die die Mitbestimmung bei wichtigen Weichenstellungen sicherstellt.
Tochter ging mit hohen Erwartungen an den Start
Die Tochtergesellschaft war einst mit großen Hoffnungen an den Start gebracht worden. Über mehrere Jahre hinweg hatte Porsche-Chef Oliver Blume das Ziel vorgegeben, bis 2030 mindestens 80 Prozent der Fahrzeuge als reine E-Autos zu verkaufen. Cellforce sollte für die benötigten Batterien nicht nur die Produktionskapazitäten schaffen, sondern auch Technologien entwickeln, die den E-Autos besonders sportliche Eigenschaften verleihen, wenn es etwa um die Beschleunigung geht. Tatsächlich bleibt die Nachfrage aber weit hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere der Supersportwagen Taycan verkauft sich enttäuschend.
Bereits im Frühjahr hatte Porsche angekündigt, nicht mehr eigenständig Cellforce-Batterien zu produzieren. Überdies wurde das Tochterunternehmen in der Bilanz fast vollständig abgeschrieben, also für wertlos erklärt. Ob man für Cellforce einen Partner sucht oder das Unternehmen einstellen will, hielt sich Porsche damals aber noch offen. Die nun bekanntgewordenen Pläne zur Entlassung deuten allerdings darauf hin, dass Blume sich von den ursprünglichen Zielen seiner E-Strategie verabschiedet hat. Porsche wollte die Informationen nicht kommentieren.
Die Batteriefabrik sollte mit erheblichen Mitteln der öffentlichen Hand gefördert werden. Die Rede ist von rund 60 Millionen Euro: zwei Drittel vom Bund und ein Drittel vom Land Baden-Württemberg. Wie viel Geld bereits geflossen ist, blieb vorerst offen. Laut dpa hat Porsche-Chef Oliver Blume am Mittwoch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) über die Schließungspläne informiert. Die Landesregierung lehnte einen Kommentar ab, man äußere sich „grundsätzlich nicht zu internen Gesprächen“.