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Die drei Vereine wollen mit einer Spielgemeinschaft leistungsorientierten Nachwuchs-Basketballern eine Perspektive bieten

EsslingenStergios Mangos, der Vorsitzende des Basketball-Vereins Hellas Esslingen erklärt das, worum es vor allem geht, in einem Satz: „Wir wollen eine Perspektive geben.“ Das Wort „Perspektive“ fällt häufig, wenn es um das neue Projekt der Basketballer aus Esslingen, Stuttgart und Kirchheim geht. Es geht um die Perspektive für den Nachwuchs – und damit um die Perspektive des Basketball-Sports im Bereich zwischen den Bundesliga-Standorten Tübingen, Ludwigsburg und Ulm. Deshalb haben sich Hellas, der VfL Kirchheim und der MTV Stuttgart zu einer Jugendspielgemeinschaft im männlichen Bereich zusammengeschlossen. Am Sonntag wurde der Kooperationsvertrag unterschrieben. Und einen Namen hat das Konstrukt auch schon: S.E.K. Mit Punkten zwischen den Buchstaben, um Verwechslungen zu vermeiden. S.E.K.: Stuttgart, Esslingen, Kirchheim.

Olaf Müller hat eine eigene Bezeichnung für das Projekt. Sozusagen einen Arbeitstitel. „Basketball entlang der S-Bahn“, erklärt der MTV-Jugendwart fröhlich – von Kirchheim über Esslingen nach Stuttgart. Und konkreter: „Wir wollen leistungsorientierten Jugendlichen eine Perspektive bieten.“ Im weiblichen Bereich kooperiert der MTV bereits mit anderen Stuttgarter Vereinen und hat damit laut Müller gute Erfahrungen gemacht.

In allen drei Vereinen wird die Nachwuchsarbeit schon lange groß geschrieben. Und an Nachwuchs mangelt es nicht – angesichts des Andrangs eher an Hallenkapazitäten und Trainern. Alle drei Clubs haben in den jeweiligen Altersklassen große Leistungsunterschiede und zu wenige Talente, um mit einem eigenen Team nach oben zu kommen. Zusammen soll es klappen. Mit der U 14, bei der Hellas besonders stark ist, soll der Aufstieg in die Oberliga geschafft werden, die hier die höchste Spielklasse ist. Die U 16 geht demnächst die Qualifikation für die Jugend-Bundesliga JBBL an, mittelfristig will die Spielgemeinschaft mit der U 19 in der Bundesliga dabei sein, die hier NBBL heißt. Trainingseinheiten und Spiele sollen an allen drei Standorten ausgetragen werden, vermehrt dort, wo jeweils die meisten Jugendlichen herkommen.

Für die Kirchheimer, deren Männer in der 2. Bundesliga spielen, hat die Zusammenarbeit auch ganz konkrete Gründe. „Die Statuten der 2. Bundesliga schreiben ab der kommenden Saison ein JBBL-Team vor“, erklärt Bettina Schmauder, die Geschäftsführerin der Knights. Sie ist begeistert, „wie offen alle für die Kooperation waren“. Letztendlich sollen auch die Top-Teams der drei Vereine von der gemeinsamen Nachwuchsarbeit profitieren. Der Sprung in die 2. Bundesliga ist groß. Wer es nicht – oder noch nicht – schafft, der kann beim MTV Regionalliga und bei Hellas Landesliga spielen.

Gemeinsames Ziel, Wurzen behalten

Hellas-Jugendwartin Gabriella Benyei freut sich, „dass wir den Mut haben, diesen Schritt zu gehen“. Ihr gefällt an der S.E.K.-Idee, dass die Jugendlichen vorankommen und für ein gemeinsames Ziel arbeiten können „und gleichzeitig die Wurzeln in ihrem Verein behalten“. Bisher mussten die Talente entweder auf ein Weiterkommen verzichten oder weiter weg wechseln – etwa nach Tübingen, Ludwigsburg oder Ulm.

Die Strukturen sind geschaffen, jetzt geht Frank Acheampong an die Arbeit. Acheampong ist Jugendkoordinator der Kirchheimer und wird die neue U 16 trainieren. Ob es gleich mit dem Sprung in JBBL klappt? „Es wird schwierig, aber wir können es schaffen“, sagt der B-Lizenz-Inhaber, der bereits Trainererfahrung in Nürnberg, Bremerhaven und Berlin gesammelt hat. 60 Mannschaften schaffen die Qualifikation und treten dann in acht Staffeln an. In den kommenden Wochen werden die Spieler in den drei Vereinen gesichtet, dann gibt es Trainingspläne. Zur Vorbereitung und auch Orientierung geht es zu einem Turnier nach Bremerhaven – im Juni wird es ernst. Zu viel Druck will Acheampong aber nicht aufbauen, auch wenn auf die Kirchheimer laut Lizenzbestimmungen beim Fehlen eines JBBL-Teams eine Strafgebühr zukäme: „Wenn wir es diesmal nicht gleich schaffen, dann haben die Jungs Erfahrungen gesammelt und wir gehen es nächstes Jahr wieder an.“

Denn auch das ist den Machern der neuen Basketball-Spielgemeinschaft klar: Das Zusammengehen kann vieles erleichtern, ist aber kein Selbstläufer. Aber alle haben das Gefühl, „dass es die richtige Zeit dafür ist“, wie Benyei betont. Die richtige Zeit, um Perspektiven zu geben. Mit dem Ziel, wie Müller sagt, „dass man sich später am gemeinsamen Erfolg freut“. Und wenn die Nachwuchs-Basketballer mit der
S-Bahn zum Training fahren können, ist das auch nicht schlecht.

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