Kneipen in der Innenstadt haben neben Preiserhöhungen der Brauereien mit hohen Kosten für Miete und Energie zu kämpfen. (Symbolbild) Foto: imago images/photothek

Im Herzen Stuttgarts eine Halbe zu bestellen, ist nichts für den schmalen Geldbeutel. In welchen Sphären bewegt sich hier der Bierpreis? Und wo ist es noch vergleichsweise günstig?

Klassischerweise muss in Deutschland meist der Preis für das halbe Pfund Butter herhalten, um die Auswirkungen einer Inflation zu veranschaulichen. Für ausgehfreudige Menschen dürfte aber der Bierpreis in der Kneipe die wichtigere Vergleichsgröße sein. Ähnlich wie zahlreiche andere Lebensmitteln wird das Bier in der Gastronomie seit Jahren teurer.

Gut dokumentiert ist dieser Trend bei den großen Volksfesten. So kostete die Maß beim Stuttgarter Frühlingsfest 2025 zwischen 14,10 Euro und 14,40 Euro, rund 40 Cent mehr als 2024. Schon in den Jahren zuvor hatten die Preise stark angezogen. Wie aber sieht es mit den Bars in der Stuttgarter Innenstadt aus?

Ähnliche Preise zwischen Marktplatz, Wilhelmsplatz und Rotebühlplatz

Zunächst einmal ist hier das Angebot an Kneipen ungleich größer als das an Festzelten auf dem Cannstatter Wasen. Das macht es schwerer, Durchschnittspreise zu ermitteln. Wer sich allerdings an den Hotspots der Stuttgarter Trinkkultur zwischen Marktplatz, Wilhelmsplatz und Rotebühlplatz umschaut, erhält einen ungefähren Eindruck.

Dabei kristallisiert sich ein Preis zwischen 4,50 und 4,60 Euro für einen halben Liter Bier als Richtmarke heraus. So viel kostet das kühle Blonde beispielsweise im Immer Beer Herzen, im Suessholz, im La Concha, im Mata Hari, im Mrs. Jones oder in der Trude.

Oblomow ist (k)eine Ausnahme

Etwas günstiger ist es im Oblomow. Die Kultkneipe an der Torstraße bietet einen halben Liter Fassbier oder Flaschenbier für 4,30 Euro an. Dabei liegt die jüngste Erhöhung nur wenige Wochen zurück, davor waren es 4,10 Euro. Oblomow-Mitarbeiter Aleko Tsiakmakis begründet den – angesichts der Lage – immer noch relativ günstigen Preis mit dem eigenen Selbstverständnis. Er sagt: „Wir sind Teil der Subkultur. Hier sollen alle Leute Bier trinken können und nicht nur die, die viel Geld verdienen.“ Allerdings habe auch das Oblomow mit hohen Kosten für Miete, Strom und Wasser zu kämpfen.

Im Oblomow sollen „alle Leute Bier trinken können“. (Archivbild) Foto: Wilhelm Mierendorf

Daniel Ohl, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Baden-Württemberg, nennt die Arbeitskosten als weiteren Faktor für Preiserhöhungen im Gastgewerbe. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Personalausgaben in diesem Bereich seit 2022 um mehr als 30 Prozent gestiegen. „Auch Lebensmittel- und Energiepreise haben sich stark erhöht“, ergänzt Ohl.

Brauereien erhöhen Preise

Vor den Bars der Stuttgarter Innenstadt macht die branchenweite Entwicklung keinen Halt. Einen Ausreißer nach unten stellt beim Bierpreis aktuell noch das Mos Eisley an der S-Bahn-Haltestelle Stadtmitte dar – 0,5 Liter Dinkelacker Export für 4,10 Euro. Mitarbeiter Alexander Heizmann betont jedoch das „noch“ in diesem Satz. Denn demnächst soll die Halbe auch im Mos Eisley 4,50 Euro kosten. „Viele Brauereien verlangen inzwischen mehr Geld, da müssen wir dann mitgehen“, erklärt Heizmann.

Hans-Walter Janitz, Präsident des Baden-Württembergischen Brauerbundes, verteidigt in dieser Hinsicht die Brauereien. Er sagt: „Die Preissteigerungen sind Ausdruck von wirtschaftlicher Notwendigkeit.“ So seien neben Lohn- und Energiekosten auch die Kosten für „zentrale Produktionsfaktoren“ wie Malz, Hopfen, Glas und Logistik in den vergangenen deutlich gestiegen.

Sogar die Erderwärmung spielt laut Janitz eine Rolle. Denn: „Der Klimawandel hat zunehmend spürbare Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und Qualität von Hopfen und Braugerste.“ Insbesondere kleinere und mittelständische Betriebe könnten all das inzwischen nicht mehr intern auffangen und müssten deshalb ihr Bier teurer verkaufen.

Hier gibt es in Stuttgart noch günstiges Bier

Tendenziell noch höher als zwischen Marktplatz, Wilhelmsplatz und Rotebühlplatz ist der Bierpreis in der Nähe des Schlossplatzes. Wer es sich am Palast der Republik gemütlich macht, bekommt den halben Liter für 4,80 Euro. 5,20 Euro verlangt das Brauhaus Schönbuch und in Carls Brauhaus kostet die halbe Maß Dinkelacker 5,30 Euro. In den großen Biergärten des Unteren Schlossgartens reicht die Preisspanne von 4,80 Euro (Flora und Fauna) bis zu 5,50 Euro (Biergarten im Schlosspark).

Im Palast der Republik kostet der halbe Liter Bier 4,80 Euro. (Archivbild) Foto: ubo/cf

Günstigere Alternativen findet man dagegen in den Bezirken etwas außerhalb der Innenstadt. Hier bewegt sich der Bierpreis häufiger in Regionen um die vier Euro, etwa in der Alten Schule im Osten oder in der Metzgerei im Westen.

Unweit von der Metzgerei verlangt das Fischlabor ebenfalls vier Euro für einen halben Liter. „Wir wollen hier im Westen keine Preise wie in der Innenstadt“, sagt Mitarbeiter Noe Geniaux. Damit erziele man zwar keine große Gewinnmarge. „Aber das ist einfach unser Konzept, dass wir hier noch günstiges Bier anbieten und die Leute zusammenbringen.“