Foto: dpa/Daniel Karmann

Esslinger Friseure, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft sehen sich durch Barber Shops bedroht, die verbotenerweise auch Haare schneiden. Polizei, Ordnungsamt und Hauptzollamt sehen im Kreis Esslingen kein großes Problem.

Kreis Esslingen - Wie Pilze sprießen sie derzeit nach Angaben einiger Friseure aus dem Boden. „Barber Shops bedienen einen gesellschaftlichen Trend“, sagt Jens Schmitt, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Esslingen-Nürtingen. Ein Barber Shop richtet sich an männliche Kunden, die sich dort rasieren lassen können. Das Haupthaar dürfen die Angestellten im Barber Shop in der Regel nicht schneiden und frisieren. Es gilt die sogenannte Meisterpflicht. Das heißt, im Barber Shop muss es mindestens einen Angestellten geben, der Friseurmeister ist.

Wer trotzdem Haare schneidet, begeht eine Ordnungswidrigkeit. „Ohne vorliegende Meisterprüfung eines Beschäftigten im Betrieb dürfen in diesen Barber Shops ausschließlich Bärte und Augenbrauen rasiert und geschnitten werden“, erklärt Zollamtsrat Thomas Seemann von der Stabsstelle Kommunikation des Hauptzollamts Stuttgart. Hat der Inhaber oder ein als Betriebsleiter agierender Vollzeitangestellter einen Meisterbrief in der Tasche, dürfen auch die Angestellten ebenfalls die Kopfhaare schneiden – wie in einem ganz normalen Friseurgeschäft. Allerdings, so hat Schmitt von verschiedenen Betrieben im Kreis gehört, hält das die „schwarzen Schafe“ nicht davon ab, Haarschnitte zum Dumping-Preis anzubieten. Das Problem sieht ein Esslinger Friseurmeister bei der Kooperation von Handwerkskammer und Gewerbeämtern. „Das größte Problem wäre gelöst, wenn diese Läden gar nicht erst aufmachen dürften“, sagt er bei einer öffentlichen Sprechstunde der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Thematik wird unterschiedlich gesehen

Auch die Handwerkskammer Region Stuttgart sieht die Zunahme von Barber Shops als problematisch. Im Herbst des vergangenen Jahres habe sie gemeinsam mit dem Hauptzollamt Stuttgart eine Aktion gegen diese Einrichtungen durchgeführt. „Dabei wurde eine Vielzahl von Verstößen festgestellt, insbesondere Schwarzarbeit im zulassungspflichtigen Handwerk“, sagt Präsident Rainer Reichhold. Von zehn kontrollierten Barber Shops wurden nach Angaben der Handwerkskammer in sieben Läden nicht nur Bärte geschnitten, sondern verbotenerweise auch Haare.

Im Kreis und in der Stadt Esslingen sei das unzulässige Haareschneiden aber bislang kein Problem, sind sich Stadt- und Kreisverwaltung einig. „In den letzten zwei Jahren sind in Esslingen mehrere Barber Shops eröffnet worden“, sagt Mehmet Koc vom Amt für Sicherheit und Ordnung der Stadt Esslingen.

Das sieht die Friseurinnung anders. Laut Jens Schmitt höre man immer wieder über Mitgliedsbetriebe von schwarzen Schafen, die trotz fehlenden Meisterbriefes Haare schneiden. Landauf, landab seien diese Entwicklungen zu beobachten. Es sei allerdings auch wichtig, dass man die Betreiber von solchen Läden nicht unter Generalverdacht stelle. So sieht es auch das Ordnungsamt. Koc: „Kontrollen finden bei uns anlassbezogen statt.“ Und dazu muss es Kläger geben, sagt auch Jens Schmitt. Bemerkt werden etwaige Verstöße also meist durch Hinweise, aber auch regelmäßige Prüfungen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls können sie aufdecken. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit schaut sich sowohl in herkömmlichen Friseurbetrieben als auch in Barber Shops um. Hauptsächlich geht es dabei zwar um die vollständige Anmeldung der Beschäftigten zur Sozialversicherung, um die Zahlung des Mindestlohns und um das Thema illegale Ausländerbeschäftigung.

Handwerkskammer: Bußgelder wirken

Aber, so Zollamtsrat Seemann, Verstöße gegen die Meisterpflicht werden dabei direkt an die zuständige Handwerkskammer gemeldet. Dort wird überprüft, ob ein entsprechender Eintrag in der Handwerksrolle vorliegt. Obwohl also Verstöße gegen die Handwerksordnung im Kreis Esslingen nicht so häufig seien, will die Handwerkskammer Region Stuttgart gegen die schwarzen Schafe unter den Barber Shops vorgehen. „Wir haben speziell Personalressourcen aufgebaut“, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Hoefling. Man habe großes Interesse daran, mit den Gewerbeämtern der Kommunen zu kooperieren, um häufigere Kontrollen durchführen zu können. Bußgelder und etwaige Unterlassungsverfahren brächten durchaus Erfolg, findet Gerd Kistenfeger, Pressesprecher der Handwerkskammer Region Stuttgart. „Ich bin der Meinung, dass wir mit solchen Kontrollen in der Branche für Aufmerksamkeit sorgen und zeigen, dass nicht jeder machen kann, was er will.“

Für den genannten Esslinger Friseur wäre es eine mögliche Lösung, für angehende Barbiere eine verkürzte Friseurausbildung oder eine eigene Barbierausbildung einzuführen. „Es wird immer gesagt, das geht nicht, also investiert jemand eineinhalb Jahre in Teile einer Ausbildung, die er nachher nicht braucht“, meint der Friseur.

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