Auf dem Lichtenwalder Höhenweg, kurz vor dem Ende der Tour, grüßt der „Augenblick“ von Angie und René Heinze. Foto: /Peter Stotz

Eine Wanderung auf dem mittleren Schurwald führt zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten alter Ortschaften, versteckten Naturschönheiten und Kunst mit Weitblick.

Während Lichtenwald 1971 als freiwilliger Zusammenschluss der kleinen Dörfer Hegenlohe und Thomashardt entstand, mussten die Einwohner von Baltmannsweiler und Hohengehren im Zuge der Gemeindegebietsreform 1974 unter großen Schmerzen eine Zwangsehe zur Gemeinde Baltmannsweiler akzeptieren. Viele der alten Animositäten werden jedoch nur noch in folkloristischer Tradition gepflegt. Eine etwa zwölf Kilometer lange, nicht barrierearme Wanderung mit etwa 160 Höhenmetern im Aufstieg weist auf die Besonderheiten der Dörfer ebenso hin wie auf die beeindruckende Natur des mittleren Schurwalds.

Sanierte Ortsmitte Die Tour beginnt am Rathaus in Baltmannsweiler. Das moderne Gebäude mit seinen großen Glaselementen entstand im Jahr 2019, da das bisherige Rathaus zu marode für eine Sanierung war. Parallel zum Rathausneubau wurde die Ortsmitte saniert und wesentlich aufgewertet.

Starke Mauern Der Wanderweg führt zunächst bergab zur Aegidius-Kirche. Bemerkenswert an diesem Gebäude, das im Jahr 1486 errichtet wurde, ist zweierlei: zum einen die massive Stützmauer, die die Kirche und den Kirchhof vor dem Abrutschen ins Tal bewahrt, zum anderen einige kunsthistorisch bedeutsame Ausstattungsstücke wie das Kruzifix.

Geologische Besonderheit Es geht weiter bergab, dann nach links in die Zinkstraße, vorbei an einer Reihe Einfamilienhäuser, die hart an der Kante stehen, zu den buckligen Rutschhängen im Knollenmergel. Wer mag, kann in den grünen Tunnel der Wolfsgasse nach rechts unten eintauchen und diese geologische Besonderheit näher betrachten.

Häuser und Wiesen Unterhalb des Feuerwehrhauses und eines Supermarkts führt der Weg nach Norden in Richtung Hohengehren. Dort geht es in die Schurwald- und dann nach links weiter in die Schulstraße und an der Grundschule vorbei. An der Kreuzung folgt der Weg der Pfarrstraße unterhalb der Cyriakus-Kirche. Sie ist gesäumt von alten, teils ansehnlich sanierten Gebäuden und führt bergab in die Streuobstwiesen.

Die Ortsmitte von Hohengehren mit der Dorfkirche St. Cyriakus /Peter Stotz

Dschungel Von dem Wiesengelände unterhalb des Dorfs bieten sich weite Blicke bis zur Schwäbischen Alb. Im Osten grüßt der Wasserturm von Thomashardt. An einer Weggabelung führt die Tour nun nach rechts, der Weg verengt sich zu einem steilen und nach Regenfällen schlammigen Dschungelpfad, der Trittsicherheit verlangt. Rechts und links gluckert Wasser, in steilen Schluchten liegen Bäume kreuz und quer, alles ist moosig und grün überwuchert.

„Oh du holder Stein“ Auf halber Höhe führt ein kleiner Pfad rechts in eine Schlucht hinein und dort zum Holderstein, einer mächtigen Sandsteinformation, über deren Blöcke zuweilen Wasser in einer Kaskade in die Schlucht rauscht. Einer Geschichte nach soll der Name auf den Ausruf einer jungen Frau zurückgehen: „Oh, du holder Stein“ soll sie gerufen haben, nachdem sie sich dort vor einem Reiter, der sie verfolgte, in Sicherheit gebracht hatte. Wahrscheinlich aber rührt der Name vom Holunder, dem Holder, her.

Tal der Katzen Nach etwa 130 Höhenmetern bergab ist Erholung angesagt. Die Tour mündet auf einen Forstweg und folgt ihm nach rechts, entlang des Katzenbachs. Der Bach und das Tal sollen einer Sage nach ihren Namen von den Wildkatzen erhalten haben, die dort einst im Unterholz lebten und – besonders bei Nebel – nächtliche Wanderer erschreckten.

Kunst am Wegesrand Nach etwa einem halben Kilometer führt eine Brücke über den Bach nach links in einen als „Grunbachsträßle“ ausgeschilderten Forstweg und etwa 160 Höhenmeter stetig aufwärts. Nach einer Kehre ist die Hangkante erreicht, die ersten Häuser von Thomashardt grüßen durchs Grün. Völlig unvermutet steht der Spaziergänger vor einer großen, kugelförmigen Skulptur mit goldenen Noppen. Sie stammt von den Künstlern Angie und René Heinze, deren Werke den weiteren Weg begleiten werden.

Kostbares Gut Der Weg führt nun auf Asphalt in den Ort hinein, links steht das denkmalgeschützte Rathaus, der Dorfplatz lädt mit Bänken und einem Brunnen zur Rast ein. Hinter dem Rathaus überragt der Wasserturm das Dorf. Erst mit dessen Bau 1958 war die Wasserversorgung in Thomashardt gesichert. Zuvor musste, wenn die Quellen versiegten, das Wasser aus den Tälern nach oben geschafft werden. Angie und René Heinze haben den Turm 1996 mit einem Mosaik versehen, das auf die Kostbarkeit des Wassers hinweisen will.

Weitere Skulpturen Die Strecke führt nun in Richtung Süden aus Thomashardt hinaus. Unterhalb eines Hofs biegt die Route nach links zur Landesstraße ab. Beim Sportgelände, der Mehrzweckhalle und der Grundschule geht es nach rechts ab, und bald schon ist das Bürgerzentrum in Hegenlohe erreicht. Auch dort sowie wenige Meter entfernt auf dem Kreisverkehr finden sich Heinze-Skulpturen.

Fernsicht Vom Bürgerzentrum aus führt die Tour auf dem Lichtenwalder Höhenweg über eine Kuppe. Dort ist bei klarer Luft eine erstaunliche Fernsicht von den Kaiserbergen bis zum Hohenzollern im Westen möglich. Eine Panoramatafel erläutert die Landmarken. Wenige Schritte entfernt steht die Skulptur „Augenblick“. Sie lädt noch einmal zu einer kleinen Besinnungspause ein, bevor die Terrasse des Naturfreundehauses mit einer Erfrischung lockt. Von dort aus ist es nicht mehr weit zur Bushaltestelle bei der Kirche Hegenlohe.

Dieser Text wurde neuveröffentlicht. Die Erstveröffentlichung war am 16. Juli 2024.