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Von Melanie Braun
Beim Thema freies WLAN in der Innenstadt hat es in Esslingen lange nicht gefunkt. Während es in anderen Städten in der Umgebung längst ein öffentlich zugängliches Netz auf Straßen und Plätzen im Zentrum gibt, war man sich in der ehemaligen Reichsstadt lange nicht sicher, ob man so etwas überhaupt will – und wenn ja, wo. Gestern hat der Ausschuss für Technik und Umwelt nun beschlossen, dass die Stadt Kostenvoranschläge für WLAN an Markt-, Rathaus- und Bahnhofsplatz sowie eventuell in der östlichen Altstadt einholen soll.
Dass das freie Netz dann wirklich kommt, ist damit freilich noch nicht gesagt. Denn entschieden wird erst im Dezember, wenn klar ist, welche Kosten dabei auf die Stadt zukommen würden. Deutlich wurde gestern immerhin, dass die Räte aller Parteien öffentlichem WLAN in der Stadt prinzipiell offen gegenüber stehen. Doch selbst wenn ein solches eingeführt wird, soll es zunächst nur drei Jahre laufen. In dieser Testphase will man prüfen, ob das Projekt so angenommen wird wie gewünscht und ob die Vorteile eventuelle Nachteile – wie etwa WLAN-Partys vor den Hotspots – überwiegen. Laut dem Wirtschaftsförderer Marc Grün haben andere Kommunen aber überwiegend positive Erfahrungen mit öffentlichen Netzzugängen in der Stadt gemacht.
Zudem hofft man, mit diesem ersten Schritt einen Impuls für privates Engagement – etwa von Innenstadthändlern – zu setzen, das zu einem Ausbau des WLAN-Netzes in der City führt. Auch eine Beteiligung des Vereins Freifunk, der sich zum Ziel gesetzt hat, ein nicht-kommerzielles freies Netz aufzubauen, können sich Räte und Stadtverwaltung vorstellen. Die Linke wünscht sich gar, dass ausschließlich nicht-kommerzielle Akteure den Netzaufbau stemmen.
Insgesamt 3000 Euro stehen der Stadt nun zur Verfügung, um die Kostenvoranschläge einzuholen. Die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) hat im Vorfeld zusammen mit dem Referat für Wirtschaftsförderung überlegt, an welchen Orten in der Innenstadt öffentliches WLAN welcher Zielgruppe am meisten nützt (siehe Infokasten). Außerdem haben sie Kompromisslösungen vorgeschlagen, die aus ihrer Sicht für alle Zielgruppen verträglich sind. Der Technikausschuss entschied sich gestern für die sogenannte mittlere Kompromisslösung, die auch die Stadtverwaltung favorisiert. Diese sieht die Einrichtung von öffentlich zugänglichem WLAN am Markt- und Rathausplatz sowie am Bahnhofsplatz vor.
Allerdings forderten Freie Wähler und FDP unter Zustimmung ihrer Ratskollegen, die östliche Altstadt nicht zu vergessen. Die Händler hier lägen ohnehin schon etwas abseits, ein freies Netz könne die Lage eventuell attraktiver machen. Wenn das Geld ausreicht, will die Stadt daher auch einen Kostenvoranschlag für zusätzliches WLAN in Küferstraße und Bücherei einholen.
Die Stadt hofft nun, dass sie in den Genuss einer Förderung aus dem EU-Programm „WiFi4EU“ kommt. Allerdings sind die Rahmenbedingungen des Programms noch völlig unklar – zudem beläuft sich die höchstmögliche Fördersumme lediglich auf 20 000 Euro. Wenn sie öffentliches WLAN einrichten will, muss die Stadt also ohnehin in die eigene Tasche greifen. Aber man rechnet damit, dass die Zuschüsse Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres nach dem Windhundprinzip zur Verfügung gestellt werden – darauf wollte man vorbereitet sein, um sich dann schnell bewerben zu können.
In der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt am 11. Dezember sollen die Kostenvoranschläge vorgestellt werden. Dann entscheidet das Gremium, ob es den Vorschlag umgesetzt sehen und EU-Fördergelder beantragen will. Sollte es das empfehlen, muss der Beschluss noch vom Gemeinderat abgesegnet werden. Das Thema ist für die Sitzung am 18. Dezember vorgesehen.

WLAN für bestimmte Zielgruppen

Für jede Zielgruppe wurden dem Ausschuss für Technik und Umwelt gestern drei Ausbauoptionen vorgestellt:

  • Zielgruppe Tourismus: Kleine Lösung: Marktplatz und Rathausplatz; mittlere Lösung: Markt- und Rathausplatz sowie Bahnhofsplatz; große Lösung: Marktplatz, Rathausplatz und Bahnhofsplatz sowie Bahnhofstraße.
  • Zielgruppe attraktive Altstadt: Kleine Lösung: Pliensaustraße, Innere Brücke, Oberer und Unterer Metzgerbach; mittlere Lösung: Pliensaustraße, Innere Brücke, Oberer und Unterer Metzgerbach sowie Ritterstraße, Küferstraße, Blarer- und Ottilienplatz; große Lösung: Pliensaustraße, Innere Brücke, Oberer und Unterer Metzgerbach, Ritterstraße, Küferstraße, Blarer- und Ottilienplatz sowie Milch-, Stroh- und Heustraße, Hafenmarkt, Webergasse, Markt- und Rathausplatz
  • Zielgruppe Jugendliche/Nutzer ohne Zugang zu WLAN: kleine Lösung: Bahnhofsplatz; mittlere Lösung: Bahnhofsplatz und Maille; große Lösung: Bahnhofsplatz, Marktplatz sowie außerdem Rathausplatz und Maille.
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