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Legionellen können in Kühlturmen, Whirlpools aber auch in Wasserrutschen im Schwimmbad vorkommen. Einiges Wissenswertes zu den Bakterien.

Die Bedingungen in Verdunstungsanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern können die Vermehrung von Legionellen begünstigen. Durch die Absonderung von Wasserdampf sind einem Radius von mehr als zehn Kilometern Infektionen möglich, die zu schweren Verläufen von Lungenentzündungen bei Menschen führen können. Entsprechende Vorfälle gab es 2010 in Ulm, 2013 in Warstein und im Jahr 2016 in Bremen. Doch wie sieht es im Jahr 2020 aus: Sind Legionellen in Kühltürmen nach wie vor eine unterschätzte Gefahr und was tun Hersteller und Betreiber, um diese Gefahr einzudämmen?

Deutlich verschärfte Gesetzeslage


Der Gesetzgeber hat auf die Vorfälle der letzten Jahre reagiert und die Vorschriften deutlich verschärft. So trat am 19. August 2017 die „ Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider – 42. BImSchV “ in Kraft. In § 3 Abs. 1 42. BImSchV heißt es, dass die Anlagen so auszulegen, zu errichten und zu betreiben sind, dass “ Verunreinigungen des Nutzwassers durch Mikroorganismen, insbesondere Legionellen, nach dem Stand der Technik vermieden werden ”.

Legionellen: Nachweis, Bekämpfung und Vermeidung

Bei Werten über 10.000 KBE (KBE = koloniebildende Einheit) pro 100 ml besteht sofortiger Handlungsbedarf. Nachgewiesen werden kann ein Befall nur durch eine Untersuchung im Labor. Die 42. BImSchV schreibt deshalb vor, dass Betreiber ihre Anlagen in regelmäßigen Abständen auf gesundheitlich bedenkliche Konzentrationen von Legionellen und Keimen hin überprüfen, also Proben entnehmen und diese von einem unabhängigen Labor untersuchen lassen müssen.

Wieso sind Kühlanlagen so anfällig?


Die meisten Kühlanlagen befinden sich im Freien. Laub, Pollen oder anderes organisches Material kann somit ins Kühlsystem gelangen und dort Mikroorganismen mit Nährstoffen versorgen. Zudem begünstigen die Temperaturen eine vermehrte Bildung von Bakterien wie Legionellen. Einer zu starken Legionellenbildung lässt sich vorbeugen, indem der Kühlturm an einem Standort installiert wird, der so wenig Nährstoffeintrag wie möglich bietet. Außerdem sollte Abzug der Aerosole in unbedenkliche Gebiete bei der Standortwahl berücksichtigt werden. Werden zusätzlich die vom Hersteller empfohlenen Parameter wie pH-Wert und Temperatur des Nutzwasser eingehalten und regelmäßige Kontrollen durchgeführt, ist die Gefahr der
Legionellenbildung in Kühltürmen mittlerweile als gering einzuschätzen.

Hersteller und Betreiber von Kühltürmen in der Pflicht

Viele Produzenten von Kühlanlagen unterstützen die Betreiber mit verschiedenen Maßnahmen bei der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben . Dr. rer. nat. Thomas Spaller, Geschäftsführer eines führenden Herstellers von Kühlsystemen, erklärt: “ Wir bieten unseren Kunden ein umfassendes After-Sales-Programm zur Wartung der Rückkühlsysteme an. Zum anderen fertigen wir Gefährdungsbeurteilungen an und übernehmen auf Wunsch die regelmäßige Probenahme für die mikrobiologische Überwachung. Selbstverständlich arbeiten wir auch kontinuierlich an der technischen Optimierung unserer Produkte, um potentielle Gefahren weiter einzudämmen.”

Was sind Legionellen?


Legionellen sind im Wasser lebende stäbchenförmige Bakterien. Eine Vermehrung tritt bei Wassertemperaturen zwischen 25°C und 45°C ein. In niedriger Konzentration sind Legionellen für den Menschen ungefährlich. In stark erhöhter Konzentration können diese jedoch über Wasserdampf abgegeben und von Menschen eingeatmet werden und zu der Legionärskrankheit, einer schweren Form der Lungenentzündung führen. Neben Kühltürmen sind auch Klimaanlagen, Whirlpools oder Wasserrutschen im Schwimmbad potentielle Gefahrenquellen.

Mehr Infos unter: https://www.multi-kuehlsysteme.de