Böse Überraschungen im Kleingedruckten – bei Lebensversicherungen nicht selten Foto: imago//Yuri Arcurs

Seit Jahrzehnten sind Lebensversicherer wegen hoher Kosten in der Kritik. Endlich erhöht die Aufsicht den Druck, schreibt Finanzkorrespondent Hannes Breustedt.

Selten war eine Warnung so angebracht wie die von Bafin-Direktorin Julia Wiens an deutsche Lebensversicherer. Missstände in der Branche sind seit Jahrzehnten bekannt, die Finanzaufsicht hat sich viel zu lange zurückgehalten. Der Bund der Versicherten bezeichnete Lebensversicherungen vor vierzig Jahren schon als „legalen Betrug“. Man muss es nicht so drastisch formulieren. Aber ein großer Teil der Kritik trifft im Kern zu.

Verkaufsdruck und Fehlanreize – Problemfeld Finanzvertrieb

Ob fondsgebunden oder klassisch: Die meisten Lebens- oder Rentenversicherungen sind mit ihren hohen Kosten und mickrigen Renditen ein fragwürdiges Modell für Vorsorgesparer. Wer für hohe Sicherheit bei der Geldanlage eine niedrige Verzinsung in Kauf nimmt, hat attraktivere Alternativen. Zu Recht spricht Investmentfondsexperte Gerd Kommer von einem „deutschen Irrweg“.

Wirklich ärgerlich wird es mit Blick auf die Vertriebsstrukturen, die erst dafür gesorgt haben, dass sich Finanzprodukte mit so zweifelhaftem Kosten-Nutzen-Verhältnis so stark verbreiteten. Verkaufsdruck und Fehlanreize, dreiste Abschlussprovisionen und Rückvergütungen – bei solchen Bedingungen verwundert es kaum, wenn der Kundenbedarf nicht im Vordergrund steht.

Ohne regulatorischen Druck ändert sich wohl nichts

Durch undurchsichtige Kosten und Vertriebspraktiken haben sich Lebensversicherer schon oft genug selbst in ein schlechtes Licht gerückt. Ohne regulatorischen Druck ändert sich wohl nichts. Anders ist kaum zu erklären, dass sich die oberste Versicherungsaufseherin im Jahr 2024 genötigt sieht, Mahnungen und Warnungen wegen mangelnden Kundennutzens auszusprechen. Offenbar haben Teile der Branche aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt.