Was vom Zivilschutz übrig blieb... Dieser Bunker in Friedrichshafen stammt noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: dpa/Felix Kästle

Endlich erreicht das Thema Landesverteidigung auch Regierung und Verwaltung im Südwesten. Hoffentlich nicht zu spät, schreibt StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.

Gut, dass das Thema Landesverteidigung endlich auch in Baden-Württemberg ankommt. Und zwar dort, wo es hingehört: bei Bürgermeistern, Landräten, Regierungspräsidenten, Feuerwehren, Kliniken.

Wie Schule oder Stromversorgung im Krieg funktionieren

Schließlich sind die Hürden im zivilen Bereich vor einer Rückkehr Deutschlands zu glaubwürdiger Verteidigungsfähigkeit noch höher als im Militär. Krankenhäuser müssen sich wieder darauf einstellen, als Hauptverbandsplätze zu dienen. Rettungsdienste werden zur Unterstützung der Bundeswehr gebraucht, nicht umgekehrt. Vor allem ist sicherzustellen, dass die Gesellschaft – vom Zivilschutz über die Stromversorgung bis zum Schulbetrieb – auch in Krise oder Krieg funktionieren kann.

Es ist daher positiv, dass Innenminister Thomas Strobl nun auch öffentlichkeitswirksam anfängt, diese Anstrengungen im zivilen Bereich zu bündeln. Es drängt sich aber die Frage auf: Warum erst jetzt? Russland hat vor elf Jahren mit seiner gewaltsamen Landnahme in Europa angefangen.

Ein Sonderproblem Baden-Württembergs?

Wobei es in Deutschland keineswegs ein Sonderproblem Baden-Württembergs oder der Landespolitik ist, dass die Einsicht in das Notwendige so spät – und hoffentlich nicht zu spät – aufkeimt. Fälschlicherweise glauben zu große Teile der Gesellschaft immer noch, sich gegen Erpressung von außen oder einen Überfall zu wehren, sei nicht ihr Thema, sondern nur eines für Soldaten – und jetzt eben vielleicht auch für Landräte.