Ihr Bad liegt den Gästen am Herzen: Das haben sie bei der EZ-Sommerredaktion in Berkheim gezeigt. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Viel Zulauf, viele interessante Gespräche, aber auch deutliche Kritik an der Stadt: Die EZ-Sommerredaktion im Berkheimer Hallen-Freibad hat einmal mehr gezeigt, dass die Gäste nicht auf ihr Bad verzichten wollen.

EsslingenDie Gäste des Berkheimer Hallen- Freibads sind dankbar, dass der Gemeinderat das Familienbad, das auch dem Vereinssport, den Schulen und Kindergärten dient, nach heftigem Tauziehen nun doch leben und sanieren lässt. Bei der EZ-Sommerredaktion am Dienstag vor Ort wurden aber auch viele kritische Stimmen laut, dass die Stadt in den vergangenen Jahren keinen Cent in die Anlage investiert und damit systematisch die Attraktivität des Bads untergraben habe. Eine breite Mehrheit der zahlreichen Sommerredaktions-Besucher hielt auch nichts davon, den bislang nur durch eine Leine abgegrenzten Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich des 50 Meter langen Beckens in zwei von einem Betonstreifen getrennte Becken zu splitten – wie trotz entgegenlautendem Gemeinderatsbeschluss offenbar immer noch diskutiert wird.

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Für Unverständnis und viel Verwirrung hat zudem die jüngste Erklärung der Stadtwerke Esslingen gegenüber unserer Zeitung gesorgt, dass der Fünf-Meter-Sprungturm wegen nicht ausreichenden Aufsichtspersonals gesperrt sei. Laut Vertretern des TSV und der DLRG Berkheim liegt die derzeitige Schließung vielmehr an kleineren Abweichungen von Vorschriften, denen der Turm nicht genüge, und Gerichtsurteilen aus anderen Kommunen, weshalb die Stadtwerke Rechtssicherheit suchen würden. Noch schlimmer: Laut Stefan Häfele von der DLRG Berkheim kann die Fünf-Meter-Plattform aber nach der Sanierung des Bads auf keinen Fall weiter genutzt werden, da danach die Wassertiefe dafür zu gering sei. Hier die Stimmen im Einzelnen:

Michael Felchle (60), Berkheim Abteilungsleiter und Trainer der Schwimmabteilung des TSV Berkheim: „Wir gehören zu der Interessengemeinschaft, die sich für das Hallen-Freibad stark gemacht hatte, und freuen uns sehr, dass unser Bad erhalten bleibt. Aber für uns ist das 50-Meter-Becken extrem wichtig. Denn wir haben dort optimale Trainingsbedingungen für die baden-württembergischen Meisterschaften. Für die muss man sich aber über Zeiten qualifizieren und diese Zeiten orientieren sich an 50-Meter-Becken. Ein 25-Meter-Becken ist deshalb für uns keine Alternative. Das Hallenbad mit seinem Hubboden ist ideal für Anfängerkurse. Mehr als 200 Kinder pro Woche lernen dort schwimmen. Der Fünf-Meter-Turm ist wichtig für die Kinder und Jugendlichen, das Bad bietet sonst für diese Altersgruppe nicht viel an Attraktionen. Der Achsenabstand zwischen der Drei- und der Fünfmeter-Plattform ist aber offenbar um 25 Zentimeter zu gering .“

Ulla Kohrs (66), Zollberg: „Ich verstehe das Argument, dass der Fünf-Meter-Turm nicht sicher sein könnte, nicht. Der TÜV hat ihn doch im Frühjahr abgenommen. Wenn das Bad geschlossen worden wäre, wüsste ich nicht, wo ich sonst hingehen sollte. Ich komme mit dem Fahrrad vom Zollberg. Ich bedauere es sehr, das vor einigen Jahren das obere Becken geschlossen wurde. Da konnte man gut schwimmen. Damit hat man dem Bad ein Stück weit die Attraktivität genommen, und es ist klar, dass damit auch die Besucherzahlen zurückgegangen sind. Ich bin auf jeden Fall dafür, dass das Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken auch weiterhin nicht geteilt werden. Die älteren Gäste kommen besser über die breite Treppenanlage ins Wasser, wie sie heute besteht. Die können nicht so gut über eine Leiter ins tiefe Wasser steigen.“

Anneliese Huttenlocher (79), Berkheim: „Wenn das Becken geteilt wird, kann man es vergessen. Ich habe meine Saisonkarte. Gäbe es das Berkheimer Bad nicht mehr, müsste ich mit dem Bus nach Esslingen fahren. Denn viele Parkplätze gibt es ja vor dem Neckarfreibad nicht gerade. Es wäre schön, wenn das Berkheimer Bad wie früher früher öffnen würde. Dann wären die Alten schon weg, wenn die Jungen kommen. Aber der wichtigste Grund für den Erhalt des Berkheimer Hallen-Freibads ist es, dass die Kinder und Jugendlichen schwimmen lernen müssen.“

Stefan Häfele (53), Berkheim, Mitglied der DLRG Berkheim: „Deshalb ist es uns auch wichtig, dass alle drei Bäder in Esslingen erhalten bleiben. Immer mehr Menschen sterben, weil sie nicht schwimmen können. Wir sehen auch hier mit eigenen Augen, dass die Anzahl an Nichtschwimmern zunimmt. Aus Sicherheitsgründen wäre es uns auch lieber, die Stadt würde sich für zwei getrennte Becken entscheiden. Zum Sprungturm: Es wurde nie gleichzeitig aus fünf und aus drei Metern Höhe gesprungen. Die Stadtwerke klären gerade über ein Gutachten, ob diese Vorsichtsmaßnahme genügend Rechtssicherheit bringt. Aber nach der Sanierung kann der Fünf-Meter-Turm auf keinen Fall mehr betrieben werden, weil die Wassertiefe durch den geplanten Einbau einer Edelstahlwanne und die neue Technik geringer sein wird. Eine Absenkung des Beckenbodens wäre zu teuer.“

Victoria Keller-Herder (37), Freiburg: „Ich bin in Berkheim aufgewachsen und komme mit meinen Kindern im Urlaub hierher. Es empört uns in der Familie sehr, dass die Stadt das Bad so hat herunterkommen lassen. Es ist nicht ein einziges Mal renoviert worden. Es muss definitiv erhalten bleiben, auch das 50-Meter-Becken. Die Kinder respektieren die Trennschnur – und der Übergang zum tieferen Wasser ist fürs Schwimmenlernen wichtig.“

Amanda Höglinger (21) und Tobias Majer (26) aus Esslingen: „Es ist ein gemütliches. kleines, familiäres Freibad. Hier gibt es nicht so viele Poser. Uns ist es wichtig, dass die Liegewiese schön ist und man Ruhe hat. Gut wäre noch ein Lärmschutz vor den Flugzeugen.“

Ute Kreuzhage (63), Berkheim: „Der Gemeinderatsbeschluss, das Bad zu erhalten, war wichtig. Das große Becken muss bleiben. Und das Hallenbad ist wegen der vielen Schwimmkurse, die dort angeboten werden, extrem wichtig. Dass unser Bad in der Regel erst um 10 Uhr öffnet, ist im Vergleich zum Neckarfreibad etwas ungerecht, vor allem in diesem Sommer. Und ich bin immer noch entsetzt darüber, dass das obere Becken vor ein paar Jahren in einer Nacht- und Nebelaktion zugeschüttet wurde. Das war Absicht. Man wollte ein Sterben auf Raten.“

Christine Weber (64), Esslingen: „Wir kommen extra zum Schwimmen hier nach Berkheim. Es wäre uns lieber, das Bad würde wie früher schon um 8 Uhr öffnen, dann kämen wir gerne noch öfter. Das Bad ist gut so, wie es ist. Es ist ein Familienbad und braucht kein Chichi.“

Gabi Hauke-Ziehfreund (43), Denkendorf, und Ute Billerbeck (56), Zell: „Wir sind heute mit 34 Kindern aus dem Ferienprogramm des TSV Berkheim im Freibad und sind glücklich, dass es noch da ist. Dass der Fünf-Meter-Turm zu ist , ist ganz, ganz doof. Es gibt ja sonst hier nur eine kleine Rutsche. Und wir wollen kein getrenntes Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken. Das 50-Meter-Becken soll so bleiben.“

Walter Scheel (69) und Rosemarie Dorn-Scheel (66): „Das Freibad Berkheim muss erhalten bleiben. Denn gegenüber anderen Bädern ist es im Vorteil: Die Passage zwischen den Schwimmbecken im Freien und in der Halle erlaubt den Badegästen, sich bei Regen oder Kälte im Trockenen umzuziehen. Ein 50-Meter-Becken hat auch nicht jedes Bad. Die Atmosphäre hier ist ruhig und das Personal freundlich. Allerdings wünschen wir uns, dass einige Bahnen stundenweise für Sportschwimmer mit einer Kordel abgetrennt werden.“

Else Barth (79), Berkheim: „Einst galt Berkheim als die reiche Braut. Nachdem der ehemals eigenständige Ort in den 70er-Jahren eingemeindet worden war, vernachlässigte Esslingen den neuen Stadtteil. Seitdem sind wir neidisch auf die selbstständigen Gemeinden. Denkendorf, Deizisau, Altbach: Alle besitzen Bäder. Nur wir müssen um alles kämpfen. Das Freibad Berkheim ist marode. Dass die angekündigte Sanierung ab Herbst 2019 tatsächlich stattfinden wird, glaube ich noch nicht so recht.“

Tina Kaufmann (37), Denkendorf: „Vor anderthalb Wochen bin ich mit meiner achtjährigen Tochter nach Denkendorf gezogen. Seitdem fahren wir immer mit dem Rad ins Freibad Berkheim. Weil es hier sehr familiär zugeht und es zwar voll ist – aber angenehm voll. Jetzt, wo wir uns an das Bad gewöhnt haben, hoffen wir, dass es offen bleibt.“

Winfried Seeger (78), Berkheim: „Meine Frau und ich wohnen seit über 50 Jahren in Berkheim und sind Stammkunden im Freibad. Leider hat sich das Bad in dieser Zeit zum Schlechteren entwickelt: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde das zweite größere Schwimmbecken im Freien zugeschüttet. Diese Maßnahme wurde über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden. Das Hallenbad benutzten anfangs alle Badegäste; jetzt ist es reserviert für Schulen und Vereine. Geöffnet ist das Bad in der Regel von 10 bis 19 Uhr – viel kürzer als beispielsweise das Neckarfreibad. Das Freibad Berkheim hat großen Sanierungsbedarf. Trotzdem ist das Neckarfreibad zuerst an der Reihe. Üblicherweise schnellen die Kosten bei öffentlichen Bauvorhaben in die Höhe. Nachdem das Neckarfreibad fertig ist, bleibt für Berkheim womöglich kein Geld mehr übrig. Unser Freibad wird so lange nicht saniert, bis es dafür zu marode ist und man eine Schließung rechtfertigen kann. Aber das Freibad Berkheim muss unbedingt erhalten bleiben. Esslingen verträgt zwei Freibäder.“

Carolin Steinkönig (41), Berkheim: „Im Freibad Berkheim können ich und meine Tochter in den Ferien entspannen, auch ohne zu verreisen. Das Neckarfreibad ist keine Alternative: Es ist zu weit weg, und dort gibt es keine Parkplätze. Von der Sanierung wünsche ich mir, dass die Spielgeräte für Kinder in einem kompakten Spielplatz mit Schaukel, Rutsche, Sandkasten und Wasserpumpe zusammengefasst werden. Jetzt sind sie über die gesamte Liegewiese verstreut. Außerdem sollte das Bad behindertengerecht umgestaltet werden.“

Helen Schweizer (14) und Sofia Räuchle (13), Berkheim: „Wir kommen gerne hierher, weil wir immer Freunde treffen, weil man Volleyball spielen kann, und es neben den Liegeplätzen in der Sonne unter den Bäumen auch Schatten gibt. Von der Sanierung erhoffen wir uns, dass das 50-Meter-Becken und der Fünf-Meter-Sprungturm erhalten bleiben. Dazu kommen könnte eine große Rutsche für Jugendliche und ein zweites Becken, sodass man im einen schwimmen und im anderen Spaß haben kann. Mehr Spielgeräte im Babybecken wären auch schön.“

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