„Ein Smartphone ist weder gut noch schlecht“, sagt Manfred Theisen. „Wichtig ist, was man daraus macht.“ Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Bei LesART ermuntert der Autor Manfred Theisen Schüler zum verantwortungsbewussten Umgang mit Smartphone, Tablet & Co.

EsslingenWir kommunizieren ständig auf allen digitalen Kanälen, fühlen uns mit der halben Welt vernetzt, sammeln unzählige „Freunde“ in sozialen Netzwerken, schauen unablässig mit mindestens einem Auge auf unsere Smartphones und fühlen uns über alles und jeden perfekt informiert. Und viel zu wenige fragen sich, ob die schöne, neue Medienwelt wirklich nur ein Segen oder zuweilen auch ein Fluch ist. „Medien sind prinzipiell weder gut noch schlecht. Es kommt ganz darauf an, wie du sie nutzt“, findet der Kölner Journalist und Autor Manfred Theisen. Und weil er jungen Lesern helfen will, sich besser im Dschungel der Informationen zurechtzufinden und sich nicht in irgendwelchen Fußangeln zu verheddern, hat er ein Buch geschrieben. „Medienkompetenz in Zeiten von Fake News“ heißt es, und es soll Kinder und Jugendliche sensibilisieren im Umgang mit Smartphones, Suchmaschinen und sozialen Netzwerken. Theisens Buch empfiehlt sich zur Lektüre – noch spannender ist es jedoch, dem Autor zuzuhören, wenn er Schülern Tipps gibt, wie sich die Vorzüge der medialen Möglichkeiten nutzen und die Nachteile umschiffen lassen. Bei den Esslinger Literaturtagen LesART war der Autor gleich mehrfach zu Gast. Die wohl spannendste Veranstaltung erlebten Schülerinnen und Schüler vor einer reizvollen Kulisse: in der Druckhalle der Eßlinger Zeitung.

Für Gerd Schneider, den Chefredakteur der Eßlinger Zeitung, hätte es keinen passenderen Ort für eine Veranstaltung wie diese geben können. Denn in einer Welt, in der sich verlässliche Nachrichten immer schwerer von so genannten Fake News unterscheiden lassen, wirbt Manfred Theisen ganz bewusst für qualitätvollen, verlässlichen und investigativen Journalismus – ein Anliegen, das perfekt zur aktuellen Kampagne „Journalismus zeigt Gesicht“ passt: 55 Tageszeitungsredaktionen in Baden-Württemberg machen unter dieser gemeinsamen Flagge deutlich: „Die beste Zeit für guten Journalismus ist jetzt.“ Das sieht der Kölner Jugendbuchautor nicht anders: „Wir brauchen gute Journalisten, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen“, gab er den Esslinger Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg. „Fake News erkennt man nicht so einfach – dafür braucht man Leute, die das gelernt haben. Wenn man zuhause einen Wasserrohrbruch hat, repariert man den auch nicht selbst, sondern holt den Handwerker. Der kann das besser.“

Wenn sich Manfred Theisen in der Welt umschaut und -hört, begegnet er allenthalben dem, was gerne als Fake News bezeichnet wird. Und er kann sich immer wieder nur wundern, wie ausgerechnet diejenigen, die es selbst mit der Wahrheit oft nicht sonderlich ernst nehmen, unliebsame Journalisten an den Pranger stellen. „Toxische Narzissten“ nennt er solche Leute, von denen er weiß: „Die haben kein Problem damit, von einem Satz auf den nächsten zwischen Wahrheit und Lüge zu wechseln. Die Lüge ist die Provokation – und es ist schwer, dagegen anzugehen. Leute wie US-Präsident Trump versuchen, durch Lügen zu verunsichern. Er versucht, das Vertrauen in die Presse zu erschüttern, und viele fallen darauf rein.“ Gut ausgebildete und kritische Journalisten müssten konsequent mit der Wahrheit dagegenhalten. „Dem mündigen Bürger muss es etwas wert sein, dass gute Leute diese Arbeit machen.“ Und was gerade für junge Leute vielleicht noch wichtiger sei: „Denkt doch bloß mal ne Sekunde nach und bildet Euch eine eigene Meinung.“ Andernfalls bestimmen irgendwann Leute den öffentlichen Diskurs, denen weniger an der Wahrheit als an der einseitigen Beeinflussung gelegen ist – so wie den Manipulatoren in den russischen Troll-Fabriken, die sogar Wahlen in anderen Ländern beeinflussen können. Doch das ist eine andere Geschichte, über die Theisen derzeit einen Roman schreibt.

Der Kölner Autor versteht es, nachdenklich zu machen, ohne den belehrenden Zeigefinger zu bemühen – auch dann nicht, wenn er daran erinnert, dass der unablässige Blick aufs Smartphone den Augen nicht guttut. Oder wenn er darauf hinweist, dass exzessive Smartphone- und Tablet-Nutzung nicht automatisch eine gesteigerte Medienkompetenz bedeuten. Seine jungen Zuhörer begrüßt Manfred Theisen per Handschlag, gerne haut er zwischendurch auch mal einen lockeren Spruch raus, doch er hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Dabei begegnet er den Schülern auf Augenhöhe, ohne anbiedernd zu wirken. Und seine Zuhörer spüren rasch: Da ist einer, der sich auskennt in der digitalen Welt, der Smartphone, Internet und soziale Netzwerke nicht unreflektiert verteufelt, sondern der zum verantwortungsbewussten Umgang mit ihnen ermuntert. Und der ihnen das nötige Handwerkszeug an die Hand geben will, um das Beste aus den multimedialen Möglichkeiten zu machen. Denn er ist überzeugt: „Alles hängt im Medienzeitalter mit allem zusammen, jeder ist heute mit jedem verbunden. Das kann ein Fluch, aber vor allem eine Chance sein.“

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