Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer übt bei einer Veranstaltung unserer Zeitung scharfe Kritik am Schlingerkurs beim Verbrenner-Aus. China dagegen kommt bei ihm gut weg.
Seine Expertise ist in der Automobilindustrie gefragt wie kaum eine andere. Und weil Ferdinand Dudenhöffer seine Einschätzungen auch immer pointiert formuliert, ist der Gründer des Fachinstituts Center Automotive Research (CAR) so etwas wie die Idealbesetzung des Online-Veranstaltungsformats Auto-Talk unserer Zeitung, moderiert von Veronika Kanzler und Klaus Köster aus dem zuständigen Reporterteam.
China bleibt unverzichtbar für deutsche Autoindustrie
Im Zuge des aktuell größten Umbruchs in der Autoindustrie stellt sich immer wieder die Frage, wie sich die deutschen Hersteller und Zulieferer auf dem weltgrößten Absatzmarkt positionieren sollen. Die Antwort von Ferdinand Dudenhöffer: „Wer nicht in China mitspielt, ist nicht wirklich im Autogeschäft.“
Wie unverzichtbar China für die deutsche Autoindustrie ist, macht der frühere Porsche- und Opel-Manager an Zahlen fest. Er weist darauf hin, dass von den weltweit jährlich gebauten rund 85 Millionen Autos etwa 35 Millionen in China verkauft werden.
Die führt Dudenhöffer zu seiner persönlichen Erkenntnis, dass man sich die chinesische Autoindustrie nicht zum Feind machen darf, sondern zum Partner machen muss. Strategische Zusammenarbeit mit chinesischen Herstellern und Zulieferern sei der Schlüssel zum Erfolg. Zumal der Experte keine Hehl daraus macht, dass er China für den um ein Vielfaches verlässlicheren Partner hält als die USA unter dem Präsidenten Donald Trump.
Autoexperte hält chinesischen Angriff auf Taiwan für unrealistisch
So wagt Dudenhöffer auch gleich noch die Prognose, dass ein chinesischer Angriff auf Taiwan nicht zu erwarten sei. „Das würde ganz viele Handelsbeziehungen gefährden, und das ist das Letzte, was das Land will“, sagt der Branchenkenner, der aus seiner Abneigung gegenüber der Trump-Politik kein Geheimnis macht: „Der zieht doch den Ärmsten noch die Socken aus, während Wohlstand für alle ein übergeordnetes chinesisches Ziel ist.“ Außerdem würde Trump doch bei jeder sich bietenden Gelegenheit Europa am Nasenring durch die Manege führen.
Von der automobilen EU-Politik hält Ferdinand Dudenhöffer ohnehin wenig. „Erst rennen alle begeistert rein in den Green Deal mit dem Verbrennerverbot ab 2035, jetzt rennen alle wieder empört raus.“ Das ist aus seiner Sicht ein typisches Beispiel für die Wankelmütigkeit, die sich besonders deutlich am bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zeige. „Für den ist der Verbrenner plötzlich wieder das Allergrößte.“
Politiker sollten aus Tagträumen erwachen
Dudenhöffer selbst ist für eine konsequente Abkehr vom Verbrenner und hält es für falsch, ihm in Brüssel nun wieder die Tür zu öffnen. „Man sollte den Gang der Welt nicht mit Gewalt stoppen, sondern sich Gedanken darüber machen, wie man eine sinnvolle Entwicklung so arbeitsplatzschonend wie möglich umsetzt“, sagt er. Dafür müssten die Politiker aber endlich aus ihren Tagträumen erwachen.