Diese Kreuzung in der Mitte des Leuzeknotens sorgt für Kritik. Foto: Sebastian Steegmüller

Die Hauptarbeiten am Stuttgarter Leuzeknoten sind fast beendet. Eine erste Bilanz zeigt deutliche Verbesserungen für Pendler in der Region. Doch nicht alle Probleme sind gelöst.

Rund 120.000 Fahrzeuge sind täglich auf der Bundesstraße zwischen Zuffenhausen und Hedelfingen unterwegs. Ein Nadelöhr auf diesem Abschnitt ist der Leuzeknoten, der sich am gleichnamigen Mineralbad auf der Gemarkungsgrenze zwischen Bad Cannstatt und Stuttgart-Ost befindet und seit mehr als zehn Jahren umgebaut wird. Primäres Ziel der Stadt ist es, dort den Verkehrsfluss zu optimieren, um die hohe Frequenz besser bewältigen zu können.Die intensivste Phase der Verkehrsbehinderungen durch Bauarbeiten, Spurverschwenkungen und Sperrungen ist überstanden. Die Hauptachsen der komplexen Kreuzung sind fertiggestellt, die Fahrspuren und Tunnel in ihrer endgültigen Position weitgehend in Betrieb.

Begrünung im Jahr 2027 abgeschlossen

Die restlichen Straßenbauarbeiten, so das städtische Tiefbauamt, sollen noch in diesem Frühjahr abgeschlossen werden. Dazu gehören die Fertigstellung der Wendestelle an der Bundesstraße 14 zwischen dem Rosensteintunnel und dem Leuzeknoten sowie die Kreuzung Ufer-/Poststraße im Stadtteil Berg, die als wichtige Zufahrt ins dortige Wohngebiet dient. Die Begrünung der ehemaligen Baustellenflächen zieht sich bis 2027 hin. Zudem könnten, so Stadtsprecher Oliver Hillinger, Anpassungen an der Tunnelbetriebstechnik notwendig werden.

Verkehr löst sich besser auf

„Es geht schon jetzt deutlich schneller“, sagt ein 36 Jahre alter Autofahrer, der täglich zwischen Stuttgart-Gaisburg und Ludwigsburg pendelt. „Der Leuzeknoten ist in einigen Abschnitten sechsspurig, der Verkehr staut sich zwar noch immer, aber löst sich viel besser auf als früher“, so der 36-Jährige. Während er vor einigen Monaten noch mehr als eine Stunde für eine Strecke gebraucht hat, komme er jetzt in der Regel bereits nach 40 Minuten an sein Ziel. Er bemängelt jedoch, dass die Verkehrsführung auf der B10, am Berger Steg, vor allem für Ortsunkundige verwirrend ist. „Es kommt immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil Autofahrer aus Richtung Esslingen kommend kurz vor der Einfahrt in den Tunnel die Spur wechseln.“ Auch Unfälle hätten sich dort schon ereignet.

Ortsunkundige wechseln oftmals kurz vor der Einfahrt in den Leuzeknoten die Fahrspur. Foto: Sebastian Steegmüller

Nur wenige Meter weiter hat der 36-Jährige einen weiteren Kritikpunkt entdeckt. Zwischen Leuzeknoten und Rosensteintunnel sei ein großes, digitales Verkehrsschild schlecht positioniert worden. „Direkt hinter der alten Eisenbahnbrücke. Man kann die Anzeige zwar noch lesen, aber das Bauwerk davor lenkt schon sehr ab. Vor der Brücke wäre sie besser platziert.“ Das städtische Tiefbauamt verteidigt die Wahl des Standorts damit, dass dieser die „verschiedenen Anforderungen am besten erfüllt“ habe – ohne diese näher zu benennen.

Ampelkreuzung verärgert Autofahrer

Auf Unverständnis stößt zudem bei vielen Autofahrern, die aus Esslingen kommend am Leuzeknoten in Richtung Innenstadt wollen, dass sie beim Linksabbiegen vor der Cannstatter Straße an einer Ampel halten müssen. „Ärgerlich ist, dass man viel Geld investiert hat und dort trotzdem kein kreuzungsfreies Abbiegen möglich ist“, sagt ein Göppinger, der dort regelmäßig unterwegs ist. Ihm sei klar, dass so ein Knoten komplex sei. „Und es ist auch insgesamt besser geworden. An dieser Stelle ist es aber eine Fehlplanung. Da sind gewisse Wartezeiten natürlich auch unter optimalen Bedingungen unvermeidbar“, sagt der 53-Jährige. Nach Angaben der Stadt wurden andere Lösungen geprüft. Der oft geforderte Bau einer Spindelbrücke hätte das Problem nur verschoben, den Verkehrsfluss an anderer Stelle beeinträchtigt.

Diese digitale Anzeige steht kurz hinter der alten Eisenbahnbrücke. Foto: Sebastian Steegmüller

Trotz der sichtbaren Fortschritte und der noch anstehenden Optimierungen wäre es illusorisch, auf durchgehend freie Fahrt am Leuzeknoten zu hoffen. „Die hohe Verkehrsbelastung zu den Hauptverkehrszeiten bleibt auf der Bundesstraße auch nach der Baumaßnahme erhalten“, sagt Oliver Hillinger. Das Projekt zielte jedoch nicht auf eine Reduzierung ab. Vielmehr ging es darum, den Verkehrsfluss zu verbessern, die Wohngebiete in Bad Cannstatt und Stuttgart-Ost zu entlasten sowie die stadtgestalterische Entwicklung des Neckarufers zu ermöglichen.

Nach Angaben der Stadt wird das größte Straßenbauvorhaben Stuttgarts knapp eine halbe Milliarde Euro kosten – inklusive Rosensteintunnel, der bereits im November 2022 in Betrieb ging. Rund zwei Fünftel davon verschlingt der Leuzeknoten. Beim Baubeschluss vor 14 Jahren ist die Verwaltung noch von insgesamt 193,5 Millionen Euro ausgegangen. Mehrfach musste in der Vergangenheit nachjustiert werden, im Jahr 2021 bereits von 433,9 Millionen Euro. Das Ende der Fahnenstange wurde vor rund einem Jahr mit 495 Millionen Euro offenbar erreicht. „Es ist mit keiner weiteren Steigerung zu rechnen“, so der Stadtsprecher.