Die VfB-Spieler hüpfen vor Freude: Torschütze Marc Oliver Kempf (links) und Wataru Endo jubeln. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart hat bei Hertha BSC den zweiten Auswärtssieg der Saison gefeiert. Damit ist der Aufsteiger so gut wie seit neun Jahren nicht mehr in die Fußball-Bundesliga gestartet – was gute Gründe hat.

Berlin - Gonzalo Castro hat es wissen wollen. Der Mittelfeldspieler eroberte den Ball an der Außenlinie. Danach spielte und kämpfte sich der Routinier des VfB Stuttgart mit zwei Doppelpässen durch, um sich aus 20 Metern für seine Willensleistung zu belohnen – Schuss und Tor (68.). Es war der 2:0(1:0)-Endstand im Berliner Olympiastadion. Der Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga gewann bei Hertha BSC und veredelte die gute Startbilanz weiter.

Seit zwölf Jahren sind die Stuttgarter nicht mehr so erfolgreich in die Erstligarunde gekommen. Sieben Punkte aus vier Partien haben sie schon gesammelt und vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft von Pellegrino Matarazzo auftritt, bereitet mehr und mehr Freude. Ratzfatz geht es nach vorne. „Nach den ersten drei Begegnungen habe ich gesagt, dass wir in der Liga angekommen sind. Jetzt sind wir einen Tick weiter, aber wir müssen mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben“, sagte der Trainer.

Das Selbstvertrauen wird gestärkt

Noch ist es zu früh, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen, doch die junge VfB-Elf scheint ebenso so schnell zu lernen wie zu spielen. Die Führung hatte Marc Oliver Kempf erzielt (9.). Nach einer Freistoßflanke von Daniel Didavi war der Abwehrspieler frei zum Kopfball gekommen. Damit drehte sich für den VfB die bisherige Situation, denn in den ersten drei Bundesligaspielen waren die Stuttgarter jeweils früh in Rückstand geraten.

Diesmal wurde das Selbstvertrauen weiter gestärkt. Vor allem Tanguy Coulibaly, der erstmals in der Startelf stand, drehte auf der linken Seite auf. Er war an den meisten Angriffen beteiligt. Der 19-jährige Franzose flankte vor dem ersten Tor auch auf Sasa Kalajdzic, doch der Österreicher traf per Kopf nur den Pfosten (8.). Es wäre sein vierter Treffer im vierten Punktspiel gewesen.

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Die Mannschaft von Hertha-Trainer Bruno Labbadia hatte zwar mehr Ballbesitz, aber die Gäste kontrollierten das Geschehen auf dem Platz. Sicher in der Defensive und immer wieder wurde der Weg nach vorne gesucht. Pascal Stenzel und Atakan Karazor ersetzten die verletzten Konstantinos Mavropanos und Waldemar Anton in der Dreierabwehrkette. Sie hatten nur zu Beginn einige Schwierigkeiten. Stenzel mit Matheus Cunha und Karazor mit seinem Aufbauspiel.

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In Bedrängnis geriet das Team von Matarazzo (er musste auch auf die verletzten Borna Sosa und Roberto Massimo verzichten) nur durch das eigene Zutun. Zuerst rettete der Torhüter Gregor Kobel nach einer unglücklichen Abwehraktion von Orel Mangala (40.). Danach war der Schweizer wieder gefordert, als Karazor und er sich selbst im Strafraum in die Bredouille brachten. Letztlich war Kobel aber gegen Dodi Lukebakio auf dem Posten (53.).

Starke Laufleistung

Oft musste der Schlussmann jedoch nicht mehr eingreifen, ehe der erste VfB-Sieg seit 2013 in Berlin feststand. Vielmehr hätte Kalajdzic schon früher die Weichen vollends auf Sieg stellen können. Sein Kopfball aus wenigen Metern Entfernung ging jedoch vorbei (47.). Aus dem Tritt geriet der VfB aber nicht. Konzentriert blieb er, auch taktisch diszipliniert. So erhielten die schnellen Hertha-Stürmer kaum Räume, um gefährlich werden zu können. „Wenn es mal spielerisch nicht so gut läuft, dann muss man über die Grundtugenden kommen: laufen und kämpfen. Das haben wir getan“, sagte Kalajdzic. Auf eine Laufleistung von 120 Kilometern kamen die Stuttgarter – ein beachtlicher Wert, der um zwei Kilometer höher lag als bei Hertha. Auch ein Grund, warum Kalajdzic nach dem gelungen Bundesligastart meinte: „Man sollte uns nicht unterschätzen.“

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