Fabian Erhardt hat Fernsehsendungen aus Zeiten des Kalten Krieges wie den „Schwarzen Kanal“ und deren Wirkung aufs Publikum untersucht. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Die Medien haben zu Zeiten des Kalten Krieges in der Auseinandersetzung zwischen Ost und West eine wichtige Rolle gespielt. Eine Ausstellung in der Esslinger Volkshochschule dokumentiert nun den „Krieg im Äther“.

EsslingenDer Kalte Krieg zwischen Ost und West wurde nicht auf den Schlachtfeldern ausgetragen, sondern an einer unsichtbaren Front. Eine der schärfsten Waffen in dieser Auseinandersetzung konkurrierender Systeme waren Hörfunk und Fernsehen. Mit welchen Mitteln der „Krieg im Äther“ damals ausgetragen wurde, zeigt eine Ausstellung, die derzeit in der Esslinger Volkshochschule zu sehen ist. Und die bei näherem Hinsehen ungeahnte Aktualität birgt, weil viele der Mechanismen, die damals angewandt wurden, auch heute noch funktionieren – auch wenn die moderne Medienwelt inzwischen ganz andere Möglichkeiten bietet als noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Eröffnet wurde die Schau in der VHS mit einem Vortrag des Tübinger Philosophen Fabian Erhardt, der über „Fake News früher und heute – und was wir daraus lernen können“ referierte.

Das Berliner Wilhelm Fraenger-Institut hat hat die Ausstellung „Krieg im Äther“ in Zusammenarbeit mit ARD und ZDF sowie dem Deutschen Rundfunkarchiv und mit Unterstützung der Stiftung Berliner Mauer sowie des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung zusammengestellt. Auf 24 Text- und Bildtafeln werden kurz und prägnant die wichtigsten Entwicklungen in den Jahren 1960 bis 1990 nachgezeichnet und am Beispiel verschiedener Polit-Sendungen wie Gerhard Löwenthals „ZDF-Magazin“ im Westen und Karl-Eduard von Schnitzlers „Der schwarze Kanal“ im Osten veranschaulicht. Da zeigt sich rasch, dass man hüben wie drüben – wenn auch mit unterschiedlicher Intensität, ein lebhaftes Interesse hatte, die eigene Überlegenheit gegenüber dem anderen deutschen Staat zu unterstreichen. So gab es im „ZDF-Magazin“ die Rubrik „Hilferufe von drüben“, die Fälle von Unrecht gegen DDR-Bürger anprangerte. Derweil verstand sich „Der schwarze Kanal“ erklärtermaßen als eine Art „Kläranlage“ gegen „Unflat und Abwässer“, die sich nach Ansicht der Ost-Propagandisten auf medialen Wegen „Tag für Tag in hunderttausende westdeutsche und Westberliner Haushalte ergossen“ hätten. Dank solcher Suaden wurde Karl-Eduard von Schnitzler hierzulande gern als „Sudel-Ede“ bezeichnet. Sein West-Pendant Gerhard Löwenthal galt Kritikern derweil als „verbissener Fernseh-Agitator“.

Nicht ganz so aggressiv wie diese beiden Flaggschiffe der medialen Systemkritik in Ost und West agierten andere Sendungen, die in der Ausstellung ebenfalls kritisch gegenübergestellt werden – etwa die Tagesschau in der ARD und „Die aktuelle Kamera“ im DDR-Fernsehen. Und selbst zu kritischen bundesdeutschen TV-Magazinen wie „Panorama“ oder „Report“ gab es ein – wenn auch deutlich harmloseres – Ost-Pendant: die Sendung „Prisma“, die Missstände in der DDR thematisierte. Dass man sich dabei auf individuelle Probleme kaprizierte und fundamentale Kritik weiträumig umschiffte, war Teil des Konzepts.

Die Ausstellung „Krieg im Äther“ ist bis 27. Oktober in der Esslinger Volkshochschule (Mettinger Straße 125) während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Ergänzt wird die Schau durch eine lange Fernsehnacht, die am Freitag, 19. Oktober, um 19 Uhr in der VHS beginnt. Dort werden ausgewählte Sendungen aus Ost und West gezeigt, in ihren historischen Kontext eingeordnet und diskutiert.

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