Aus Samen, Nadeln und Blättern schafft Katja Wunderling Werke voller Poesie. In der Plochinger Galerie kann man nun eintauchen in das Geheimnis von Werden und Vergehen.
Manche sammeln Briefmarken oder Schallplatten. Die Nürnberger Künstlerin Katja Wunderling sammelt das, was sich in der Natur kaum festhalten lässt: Samen, Kapseln, Flugschirme, Blätter und Tannennadeln – alles Naturmaterialien, die sie in ihrer fränkischen Heimat bei Spaziergängen tütenweise einpackt.
Teilweise dauert es sieben, acht Jahre, bis sie genügend Material für ein poetisches Werk zusammen hat, erzählt sie bei der Eröffnung der Ausstellung „Materia Florida“ in der Galerie der Stadt Plochingen im Gespräch mit Kulturamtsleiter Markus Schüch. Inzwischen beschreibt Katja Wunderling den Rhythmus der Natur, sie berichtet von so genannten Mastjahren, wenn Bäume überreich Samen produzieren und dann wieder von den mageren Jahren dazwischen. Geduld mit der Natur ist dabei das oberste Prinzip in ihrem Schaffen. „Da zieht sich eine Serie schon einige Jahre in die Länge“, erzählt die Künstlerin.
Mühsam gefundenes Sammelgut
Betrachtet man die dreiteilige Arbeit „Wasserzeichen“ mit organischen Mustern, geklebt aus Abertausenden von winzigen Flugschirmen des Wiesenbocksbarts auf Bütten, versteht man, dass der Faktor Zeit in der Natur-Kunst von Katja Wunderling eine wesentliche Rolle spielt. Wie lange sie für ein Bild braucht, kann sie gar nicht genau sagen. Zu konzentriert, zu fordernd ist der Prozess, den sie nur stundenweise bewältigt.
Und doch wächst aus dieser Langsamkeit eine spürbare, positive Leichtigkeit in den Assemblagen und Collagen. Unter ihren Händen formen sich die Kapseln und Samen zu filigranen Strukturen, die vom Kreislauf des Lebens erzählen, vom Keimen und Vergehen und der Gesetzmäßigkeit in Kunst und Natur. Klitzekleine Klatschmohn-Köpfe fügt sie auf schwarzem Eitemperagrund zu einem leuchtenden Sternenfeld zusammen. „Traumwege“ nennt sie die Collage, in der man sich verlieren darf, wie beim Betrachten des nächtlichen Sternenhimmels, und die dazu verführt, Werden und Vergehen neu zu betrachten. „Katja Wunderling bringt in einigen Arbeiten Zeichnung und Objektkunst in ein vielschichtiges Zusammenspiel, das zum Weiterdenken einlädt“, sagt Markus Schüch.
Jede Arbeit erzählt eine eigene Geschichte
So erzählt jede Arbeit jedem Betrachter eine ganz eigene Geschichte. Lunariablatthülsen der Installation „Schwarm“ lassen an Golddukaten denken, die vom Himmel regnen, wie bei „Sterntaler“. Die mit dem Radierstichel geritzte Zeichnung „Energie“ erinnert an ein feines Nervengeflecht, während die geritzten Formen von „Fruchtkörper II“ in Verbindung mit der Samen Kuhnelke aussehen, wie dicke Larven.
Diese zarten Gebilde sind akribische Fleißarbeiten, die etwas Meditatives ausstrahlen. In der Ruhe liegt ganz offensichtlich die Kraft, bei der geduldigen Reihung der Materialien zu sinnlichen Formen.
Die Ausstellung ist in Plochingen bis zum 18. Oktober zu sehen. Am Freitag, den 10. Oktober, 16 Uhr, findet eine Galerie-Führung mit Susanne Martin statt. Kosten: sechs Euro; Anmeldung: über Plochingen-Info: Telefon 07153/7005-250, tourismus@plochingen.de.