Künstlerische Variationen des Themas „Früchte“ sind in der Galerie der Stadt Ostfildern zu sehen. Foto: Ines Rudel

Früchte in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts stehen im Fokus der Ausstellung „Tutti Frutti“ in Ostfildern. Wie es gelang, Werke von Picasso bis Warhol nach Ostfildern zu holen, verrät die Galerieleiterin Holle Nann.

Dass der große Pop-Art-Künstler Andy Warhol auch Früchte gemalt hat, mag manchen Kunstfreund verblüffen. Bilder aus seiner Werkserie „Grapes“ (deutsch: Weintrauben) sind dem Star nicht auf den ersten Blick zuzuordnen. Er interpretiert damit das Stillleben ganz neu. Diese und andere große Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ist vom 14. Juli an in der Städtischen Galerie in Ostfildern zu sehen. Die Vitrine für einen Höhepunkt der Ausstellung „Tutti Frutti“ mit Werken aus der Sammlung des Unternehmers und Wissenschaftlers Rainer Wild steht bereits. Dort wird kurz vor der Vernissage ein Werk von Pablo Picasso seinen Platz auf Zeit finden.

Das Kunstwerk „Fruits et verre“ (deutsch: Früchte und Glas) aus dem Jahr 1925 hat die Galerieleiterin Holle Nann für die Ausstellung im Stadthaus im Scharnhauser Park ausgewählt. Das Stillleben hat Picasso in Öl auf Leinwand gemalt. Damals befasste er sich mit dem Surrealismus. In Ostfildern werden die Besucher jedoch nicht nur die Chance haben, vor einem echten Picasso zu stehen. Auch Bilder von Pierre-Auguste Renoir, Georges Braque, Anselm Kiefer und anderen werden in den Galerieräumen im Stadthaus zu sehen sein.

Die Stiftung Rainer Wild möchte die Werke der Sammlung einem breiten Publikum zeigen. Mehr als 40 Jahre lang hat Wild Kunstwerke gesammelt, deren Thema die Vielfalt der Früchte ist. Das Unternehmen seiner Familie hat unter anderem das Fruchtsaftgetränk Capri-Sonne produziert. „Die Zusammenarbeit mit der Stiftung klappt hervorragend“, schwärmt Nann. Die Sammlung arbeitet mit Galerien zusammen, deren Konzept die Kunsthistoriker der Heidelberger Stiftung überzeugt. Das ist Holle Nann und ihrem Team mit frischen Ideen rund um die Kunst gelungen.

„Mir war es wichtig, neben den großen Namen auch Künstlerinnen und Künstler zu zeigen, die mit unserer Galerie in Ostfildern verbunden sind“, sagt Nann. Dazu gehört unter anderem die Druckkunst von Martina Geist. Im Dialog mit den Werken der großen Meister will die Galerieleiterin den Ausstellungsbesuchern einen spannenden Streifzug durch die Kunstgeschichte ermöglichen. Ihr ist es wichtig, sich mit Kunst der Gegenwart zu beschäftigen.

Zeitgenössische Kunst auch aus der Region

Was waren die Herausforderungen der ungewöhnlichen Schau, die große Kunst nach Ostfildern bringt? Holle Nann sieht vor allem beim Transport eine große Verantwortung. Dabei haben die Kunsthistorikerin und ihr Team mit einem auf Kunsttransporte spezialisierten Unternehmen zusammengearbeitet. In enger Kooperation mit den Experten der Sammlung Wild hat sie die Reise der Kunstwerke von Heidelberg auf die Filder geplant. „Bei der Auswahl der Kunstwerke hatte ich freie Hand.“ Um die Schau vorzubereiten, ist die Kuratorin nach Heidelberg gereist, um passende Werke auszusuchen. Das sei nicht einfach gewesen. Der besondere Zuschnitt der Galerie mit einem großen, zentralen Raum und dem Eingangsbereich öffnet Möglichkeiten. Nann hat ihr Konzept auf die Galerieräume zugeschnitten.

„Mit der Kunst möchte ich die Menschen in der Stadt vernetzen“, bringt Holle Nann das Ziel der besonderen Ausstellung auf den Punkt. Deshalb hat sie schon im Vorfeld mit Kindern des Heinrich-Heine-Gymnasiums bunte Fahnen gemalt, die im Kreisverkehr vor dem Stadthaus auf die Schau hinweisen sollen. Vom 16. bis 19. Juli bietet die Kinderaktivwerkstatt nachmittags ein Mal- und Bastelangebot rund um die Vielfalt der Früchte an. Am Samstag, 27. Juli, steht ab 10 Uhr eine Kurzführung für Kinder durch die Ausstellung auf dem Plan.

Dass auch ein lokales Unternehmen wie das Hirsch-Hotel Gehrung in Ruit ein Menü mit Ausstellungsbesuch anbietet (26. Juli), freut die Chefin der Galerie. Streuobstanbau hat in Ostfildern auch bei den Vereinen eine lange Tradition. Deshalb kommt der Obst- und Gartenbauverein Kemnat mit seinem Smoothie-Fahrrad zur Vernissage. Dass sie mit der Brennerei von Rolf Wieder „eine Schnapsidee“ realisieren konnte, freut Holle Nann. Für die Ausstellung bietet er die spezielle Edition eines Brandes aus Äpfeln und Birnen von den Ostfilderner Streuobstwiesen an. Mit diesen Kooperationspartnern möchte Nann auch ein neues Publikum für die Kunst begeistern. Gespannt ist sie auch auf die Markt-Verführungen. „Da sprechen wir Menschen an, die eben ihr Obst gekauft haben.“ Die Gäste sind an ausgewählten Markttagen zu einer kostenlosen Kurzführung durch die Städtische Galerie eingeladen. Holle Nann will damit Marktbummler „spontan erreichen“.

Die Ausstellung „Tutti Frutti“ mit Werken aus der Sammlung Wild wird am Sonntag, 14. Juli, um 11.15 Uhr im Stadthaus im Scharnhauser Park eröffnet. Danach ist die Ausstellung bis 17. September zu sehen. Die Öffnungszeiten der Galerie sind dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr. An Feiertagen ist die Galerie in der Regel geschlossen.