Die Ausstellung setzt sich mit Fragen zur Endlichkeit des Lebens auseinander. Foto: /Simon Granville

Im Leonberger Rathaus ist noch bis 24. Oktober eine Ausstellung zum doppelten Jubiläum des Hospizes zu sehen.

Es ist ein Thema, über das niemand gerne spricht in einer Gesellschaft, die immer gesünder und leistungsfähiger werden will. Doch es ist ein Thema, das jeden irgendwann trifft – das Sterben. Vor 30 Jahren wurde der Ambulante Hospizdienst ins Leben gerufen, mit dem Ziel, sterbende Menschen in ihrer häuslichen Umgebung, in Krankenhäusern und in sonstigen Einrichtungen zu begleiten. Seit 25 Jahren bietet das Leonberger stationäre Hospiz Menschen im letzten Lebensstadium einen geschützten Raum. Das Hospiz feiert in diesem Jahr somit ein zweifaches Jubiläum. Aus diesem Anlass findet vom 8. bis 24. Oktober die Jubiläumsausstellung „Dialog mit dem Ende“ im Foyer des Neuen Rathauses Leonberg statt. Die Ausstellung thematisiert die Endlichkeit des Lebens und regt somit zum Nachdenken an über ein schwieriges und zugleich alltägliches Thema.

Die Dokumentarfilmerin Sylvie Hohlbaum und der Fotograf Steffen Baraniak begaben sich 2018 auf die Suche nach Menschen in der letzten Lebensphase, die filmisch und fotografisch porträtiert werden. Sie haben 19 Frauen und Männer getroffen, die bereit waren, ihre Gedanken, Gefühle und Ängste zum Thema Sterben mit ihnen zu teilen darunter junge Schwerkranke, Menschen mit Nahtoderfahrung, Hochbetagte – aber auch Menschen in Trauer, die jemanden verloren haben. Eindringliche Fragen wie „Wollen Sie ewig leben?“, „Was ist Glück?“, „Haben Sie Angst vor dem Tod?“ laden zu der eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema ein. Entstanden ist eine Wanderausstellung, die bereits an zehn Orten in Deutschland gezeigt wurde.

Schwieriges und zugleich alltägliches Thema

Martin Georg Cohn, Oberbürgermeister der Stadt Leonberg, ist Schirmherr der Ausstellung. „Das Thema Tod hat durch das Hospiz in Leonberg immer wieder eine mediale Präsenz, das Hospiz erfüllt damit neben der pflegerischen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, denn das Reden über den Tod nimmt Ängste. Die bewegende Ausstellung ist eine Kooperation zwischen Hospiz und Stadt und soll dazu anregen mit tabuisierten Themen zu brechen und sie in unserer Stadtgesellschaft zu verankern.“

Zu den Ausstellungsmachern gehört Doris Kreinhöfer, selbst Leiterin eines Hamburger Hospizes. „In einer Gesellschaft des langen Lebens und der Leistungsfähigkeit geraten heute Themen wie das Sterben in den Hintergrund. Jeder will alt werden, aber niemand will alt sein“, so Kreinhöfer. Die Ausstellung soll ermutigen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch wenn man selbst noch nicht direkt von einer schweren Krankheit betroffen ist. „Wir brauchen ein Wissen über das Sterben in der Bevölkerung, um betroffene Freunde und Nachbarn unterstützen zu können.“

Jeder will alt werden, aber niemand will alt sein

Gezeigt werden in den Porträts Menschen, die sich mit ihrem nahenden Tod bereits auseinandergesetzt haben, ja auseinandersetzen mussten. Ein wenig befremden den unbedarften Besucher manche der Fragen, die von den Ausstellungsmachern gestellt wurden, wie zum Beispiel, ob die Trauerfeier schon geplant sei. Traurig genug, dass der 88-jährige Walter Schmidt, der immer alleine gelebt hat, im Film darauf antwortet, „es gibt keine Trauerfeier, da käme ja eh niemand“.

Ebenso befremdet die Aussage der 52-jährigen Kristin von Randow, sie glaube, dass das Sterben selbst ein sehr gutes und intensives Erlebnis sein werde. Eine Aussage die Raum für Diskussionen bietet. Das ist auch Ziel der Ausstellung, die zum Nachdenken anregen soll, „sie nimmt uns mit auf eine Reise zu uns selbst“, sagt der Vorsitzende des Leonberger Hospizvereins, Dieter Burr.

Der „Dialog mit dem Ende“ ist bis 24. Oktober Montag bis Freitag, von 8.30 Uhr bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr im Leonberger Neuen Rathaus zu erleben. Am 17. Oktober von 18.30 Uhr bis 20 Uhr findet vor Ort eine Lesung zum Thema „Das Leben und die Endlichkeit“ mit der Schauspielerin Anne von Linstow statt.