Freude bei den Jungblutdramtikern. Foto: Julia Miller-Lissner - Julia Miller-Lissner

Die Theatergruppe „Jungblutdramatiker“ bekommen den Landespreis „Lamathea“. Die Autorin und Regisseurin Julia Miller-Lissner plant schon das nächste Projekt.

EsslingenSie wissen es schon seit dem Sommer, den Preis in den Händen hielten sie aber erst jetzt: Die Jungblutdramatiker, wie sie sich nennen, haben auf dem Preisträgerfestival „Lamathea“ in Winnenden den gleichnamigen Landesamateurtheaterpreis im der Kategorie „Theater mit Kindern und Jugendlichen“ bekommen. Von fast 200 Bewerbungen setzten sich sechs Inszenierungen in verschiedenen Kategorien durch. Die Jungblutdramatiker präsentierten das Stück „Wo die Liebe hinfällt“, geschrieben und in Szene gesetzt von Julia Miller-Lissner aus Denkendorf. Ausgelobt wird der Wettbewerb alle zwei Jahre von der baden-württembergischen Landesregierung. Das Preisgeld beträgt 2000 Euro.

Das Stück hat es in sich, denn es bringt Liebe und Sucht in einen engen Zusammenhang. Besser gesagt: Enttäuschte Liebe und Entzug. Wer mit dem Rauchen aufhört, denkt nun nicht unbedingt an die Trennung von einem Menschen, von dem sich die oder der Leidende mehr oder weniger stark abhängig gemacht hat. Und dennoch kennen viele diese Entzugserfahrung aus eigener Erfahrung, auch die Autorin und Regisseurin Miller-Lissner. „Die gedanklichen und körperliche Phasen sind sehr ähnlich“, findet sie. „Wir haben das Thema allerdings auch etwas auf die Schüppe genommen, Ironie hineingebracht.“

Die Schauspielerinnen und Schauspieler kommen vorwiegend aus dem Landkreis Esslingen, aber auch aus Stuttgart. Fünfzehn junge Menschen zwischen 15 und 23 Jahren, die sich über eine lange Dauer samstags für anderthalb Stunden zur Probe im Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße trafen. Oft wurde die Probezeit überschritten oder ein weiterer Tag drangehängt, „weil es nie reicht“. Die meisten Akteure kennen sich seit „vielen, vielen Jahren“.

2008, also vor mehr als zehn Jahren, fing alles an. Damals brachten Miller-Lissner und ihre Kindertruppe – wie sollte es anders sein – Kinderstücke auf die Bühne. Mit dem Alter der Spieler änderten sich die Stücke, sie wurden jugendlicher. Die Stücke schreibt Miller-Lissner genau für diesen einen Zweck: für die Inszenierung und Aufführung mit den Jungblutdramatikern.

Etwa ein Jahr vor der Premiere fängt sie damit an. Verschiedene Ideen fügen sich zusammen, erste Szenen entstehen. Schreiben kann sie nur in freien Stunden, weil sie als Sängerin, Regisseurin und Schauspiellehrerin nicht unbedingt an einem Überfluss an Zeit verfügt. Wenn sie die verschiedenen Zeitschnipsel aneinanderlegen würde, käme sie vielleicht auf 30 Tage, die sie braucht, bis ein erster Entwurf des Stücks steht. Das aber oft noch einmal nachbearbeitet werden muss. „Ich muss schauen, ob es überhaupt funktioniert.“ Überprüft, „ob es funktioniert“, wird live auf der Bühne: „Gefällt es den Schauspielern, was ich schreibe? Wenn die nichts damit anfangen können, muss ich mich eben noch mal hinsetzen und etwas ändern.“ Auch sie selbst bewertet ihren Text anders, wenn andere ihn vortragen. „Ob es stark genug ist, ob er mich berührt, ob er das Stück weiterbringt, das merke ich erst, wenn die Schauspieler ihn lesen. Wenn ich nach zwei Minuten merke, wir langweilen das Publikum, dann funktioniert es eben nicht.“

Ein gutes halbes Dutzend Stücke hat die Autorin bereits geschrieben und aufgeführt, weitere sollen dazu kommen. „Das nächste Projekt habe ich schon im Kopf.“ Es wird etwas sein, was sie und ihre Schüler noch nie gemacht haben und die jungen Leute in ihrer Ausbildung zu Schauspielern weiterbringen soll: „Wir gehen auf eine runde Bühne, eine Zirkusbühne! Es wird ein wunderbares Märchen mit Licht, Kostümen, Artisten, Zirkuselementen und großem Pipapo.“ Die Aufführung soll bis Juli 2020 stehen. Ein großer, ambitionierter Plan, der allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. „Ein Riesending“, schwärmt Miller-Lissner, das Geld kosten wird. Die Künstlerin will dafür auf Sponsorensuche gehen. Ihr Zeitbudget wird dadurch nicht größer. Aber davor ist ihr nicht bange. Denn auf ihre Weise ist sie eine Abenteurerin. Ihre neue Expedition hat gerade erst angefangen.

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