Ibrahim und Michaela Abdelateef haben sich in Ägypten kennengelernt. Sie sind die neuen Pächter des Köngener Albblicks. Foto: Kerstin Dannath

Die Köngener Gaststätte Albblick hat neue Pächter – und die haben sich etwas besonders überlegt. Michaela und Ibrahim Abdelateef bringen einen Hauch Orient in das beliebte Ausflugsrestaurant. Sie nennen das: „Schwäbisch Orientiert“.

Köngen - Am Anfang war das Huhn. Genauer: das Curryhuhn. Im September 2013 lernten sich Michaela und Ibrahim Abdelateef in Ägypten auf einem gecharterten Tauchboot im Roten Meer kennen. Die Mutter hatte die Tochter vorgeschickt, den Chefkoch nach dem Rezept für das schmackhafte Federvieh zu fragen. Dass sich aus der simplen Frage ein ausgewachsenes Techtelmechtel zwischen dem netten Koch und dem Schwabenmädel entwickelte, sorgte bei ihrer Familie anfangs für keine besonders große Begeisterung. Aber die Liebe war stärker: „Im April 2014 haben wir offiziell in Kairo geheiratet“, erinnert sich Michaela Abdelateef.

Sprung in die Selbstständigkeit

Nur wenig später zogen die gebürtige Köngenerin und ihr Mann nach Deutschland. Mittlerweile haben die beiden drei Kinder und sind seit kurzem die neuen Pächter des bekannten Ausflugslokals Albblick am östlichen Ende von Köngen. „Wir sind dem Verein der Gartenfreunde sehr dankbar, dass wir den Zuschlag für ihre Vereinsgaststätte bekommen haben“, freut sich Michaela Abdelateef.

Sie kennt die Anlage mit dem liebevoll gepflegten öffentlichen Spielplatz von Kindesbeinen an – bereits ihr Großvater bewirtschaftete eine der Parzellen: „Die meisten der Kleingärtner haben mich hier schon in Windeln rumspringen sehen.“ Als klar war, dass die vorigen Pächter aufgeben wollen, haben sich die Abdelateefs offiziell beworben. „So eine Chance sich selbstständig zu machen, bekommt man nicht oft“, ist sich die 33-Jährige sicher. Ihr Mann arbeitete noch bis Ende 2020 als Chefkoch in einem gutbürgerlichen Lokal in Weilheim, das dann allerdings altershalber aufgegeben wurde. Er hatte zwar einige Anfragen wieder als angestellter Koch zu arbeiten, dennoch entschieden sich die beiden für den Sprung in die Selbstständigkeit – trotz Corona. Die beiden hätten einfach gehofft, dass es besser wird. Das wurde es nicht, wie man mittlerweile weiß – eigentlich wollte Familie Abdelateef bereits Anfang März mit dem Betrieb starten, wurde aber unsanft ausgebremst.

Keine Überbrückungshilfen

Investiert haben die beiden schon eine Menge Zeit und Geld. Der Innenraum und die Küche wurden renoviert und umgebaut, neue Terrassenmöbel angeschafft, eine Göppinger Werbeagentur mit dem Marketingkonzept beauftragt – von ihnen stammt das neue Logo und das Motto „Schwäbisch Orientiert“ – und der zugehörige Biergarten direkt beim Spielplatz – der von allen bisherigen Pächtern wenig bis gar nicht genutzt wurde – mit einer vernünftigen Küche ausgestattet. Obendrein neue Speisekarten gedruckt und so weiter und so weiter. Die Investitionen liegen im hohen fünfstelligen Bereich – Corona-Überbrückungshilfen stehen den Abdelateefs nicht zu. Derzeit prüfen sie, ob sie anderweitig an staatliche Hilfe kommen können.

Immerhin: Nachdem der seit Wochen gesperrte Spielplatz der Kleingärtner nun endlich wieder offen ist, haben die Abdelateefs den Biergarten mit einem To-Go-Angebot von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10.30 bis 18 Uhr eröffnet. „Wir hoffen, dass das Wetter mitmacht“, sagt Michaela Abdelateef. Angeboten werden neben Getränken frisches Grillgut – demnächst auch selbst gemachte Falafel und Köfte. „Das erste Wochenende lief gut. Darüber sind wir sehr glücklich.“

Maultasche meets Kurkuma

Und was will der Mann aus der Wüste – Ibrahim Abdelateefs Familie stammt aus der schon in der Antike bekannten Oase Fajjum – dann eigentlich im Restaurant kochen, wenn es endlich eröffnet wird? „Das Motto heißt Schwäbisch Orientiert“, erklärt der passionierte Küchenchef. Denn in seinen nunmehr acht Jahren im Schwabenland hat er eins gelernt: „Maultaschen und Spätzle gibt’s hier ja immer – aber man kann diese urtypischen Gerichte auch etwas anders zubereiten.“ In seiner Küche sind zum Beispiel orientalische Gewürze wie Koriander, Kurkuma und Kreuzkümmel nicht wegzudenken – mit diesem Konzept hat er bei seinen anderen Stationen auch schon viele gestandene Schwaben überzeugt. „Ibrahims Crossover-Küche kommt an“, bestätigt seine Ehefrau.

Beim Rohmaterial liegt der Schwerpunkt auf Regionalität und Nachhaltigkeit. „Wir kaufen Brötchen beim Köngener Bäcker und auch Fleisch und Wurst kommen aus der Region.“ Zur Standardkarte des neuen Albblicks – auf der neben dem obligatorischen Zwiebelrostbraten auch eine Lamm-Tajine mit Rosinen-Cashew-Reis und Gemüse steht – gibt es eine monatliche Reise um die Welt: In Planung sind unter anderem „Spargelvariationen“, „Tapas aus aller Welt“ oder „Kürbis und Kohl von unseren Bauern“.

Kein Plastik in der Küche

In puncto Nachhaltigkeit haben sich die Abdelateefs zum Beispiel in Sachen Einweggeschirr auf eine komplett plastikfreie Ausstattung entschieden – auch wenn die Teller, Messer und Gabeln aus Bambus und auf Zuckerrohrbasis im Einkauf fast doppelt so teuer waren. „Kein Plastik in der Küche“, stellt Ibrahim Abdelateef klar – aus Respekt vor der Natur und aus gesundheitlichen Gründen. „Das ist halt unser Konzept“, erklärt Michaela Abdelateef, „Bei uns kommt auch nichts auf den Teller, was wir nicht selber essen würden.“

Geöffnet werden soll das Restaurant wenn die Perspektive stimmt. „Wir brauchen Sicherheit, wir kaufen alles frisch. Wenn wir dann gleich wieder zu machen müssten, würde uns dass das Genick brechen“, erklärt Michaela Abdelateef. Und hätten sie einen Wunsch frei steht neben Gesundheit für die Familie eins ganz oben: „Wir wünschen uns viele glückliche Gäste – denen der erste Löffel bei uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert.“

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