Hoteliers und Gastronomen werben um Nachwuchs. Engagierte Bewerber dürfen sich auf abwechslungsreiche Jobs und gute Einstellungschancen freuen. Doch nicht jeder ist geeignet.
„In 200 000 Betrieben – vom klassischen Restaurant über Schnellrestaurants oder Betriebsverpflegung bis hin zum Gourmettempel, von der Frühstückspension über Tagungs- oder Ferienhotel bis zum Luxusressort – bieten sich vielfältigste Chancen für einen reizvollen Beruf, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht.“ Mit wohl gesetzten Worten wirbt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) für seinen Berufsstand. Mehr als 40 000 junge Menschen haben sich derzeit in Deutschland für eine Ausbildung in Gastronomie und Hotellerie entschieden. Nicole Domon und Uwe Staiger, Hotel- und Restaurantchefs in der Region und beide seit vielen Jahren im Geschäft, stecken jede Menge Engagement in die Ausbildung ihrer jungen Köche, Restaurant- und Hotelfachleute.
„Es gibt kaum Berufe mit solchen Aufstiegschancen, bei denen man so schnell so weit kommen kann“, sagt Uwe Staiger von Staigers Waldhorn in Plochingen. Und Nicole Domon vom Hotel-Restaurant Schwanen in Köngen ergänzt: „Arbeitskräfte in Gastronomie und Hotellerie sind weltweit gesucht: Mit dieser Ausbildung kann man in jedem Land der Welt arbeiten und Geld verdienen.“
Im Service ist man auch Psychologe
Eine Lehre in den gastgewerblichen Berufen verlangt den Auszubildenden einiges ab, warten doch vielfältige Aufgaben: „Ein Koch etwa lernt die fachlichen Grundlagen, Ernährungsregeln und Hygienevorschriften. Er ist für Bestellung, Einkauf, Lagerung und Preiskalkulation zuständig. Er entwickelt Rezepte, stellt Menüs zusammen und bereitet Gerichte professionell und kreativ zu. Gefragt ist selbstständiges Arbeiten ebenso wie Teamarbeit. Man muss Verantwortung übernehmen und – bei vollen
Reservierungsbüchern – Stress gewachsen sein“, fasst Uwe Staiger zusammen. Auch Nicole Domon betont, wie vielseitig die Arbeit ist: „Eine Hotelfachfrau muss freundlich, kommunikativ und aufgeschlossen sein und gerne mit Menschen zu tun haben. Sie muss Reservierungen aufnehmen, an der Rezeption Gäste empfangen und sie während ihres Aufenthaltes betreuen. Gästezimmer müssen vorbereitet werden, Angebote und Rechnungen geschrieben, Events und Veranstaltungen organisiert und betreut werden. Im Service muss man fachkundig bei der Auswahl von Speisen und Getränken beraten.“
Dabei sind nicht nur in der Küche Kenntnisse der französischen Fachausdrücke willkommen. Internationale Gäste freuen sich über englische, regionale Besucher über schwäbische Sprachkenntnisse. „Im Service ist man auch Psychologe, Unterhalter, Gesprächspartnerin, Zuhörerin, von allem etwas. Das macht diesen Beruf so spannend“, betont Nicole Domon. Natürlich sind auch Engagement und Leidenschaft gefragt: „Man hat heutzutage viele Möglichkeiten, um sich selbst Wissen anzueignen. Und man muss üben: Zwiebeln schnell, gleichmäßig und exakt in Würfelchen zu schneiden, lernt man halt nur durch Übung“, so Uwe Staiger, der mittlerweile rund 100 Azubis ausgebildet hat und der häufig als Vorsitzender der Prüfungskommission bei den IHK-Prüfungen für Köche im Einsatz ist.
Bewerber müssen selbst überzeugt sein
Ein guter Ausbildungsbetrieb ermöglicht zunächst Praktika oder Probearbeiten, erklärt Staiger: „Da kann man mal mitarbeiten und reinschnuppern: Könnte ich mir das vorstellen? Funktioniert das für mich? In der Küche wird oft auf engem Raum und unter Druck gearbeitet. Da muss die Chemie stimmen, für beide Seiten.“ Nicole Domon ist ehrlich, wenn sie den Eindruck gewinnt, dass sich jemand nur bewirbt, weil die Eltern das empfohlen haben oder weil ihm nichts anderes einfällt: „Der Job ist hart. Wenn man ihn nicht mit Überzeugung und Selbstvertrauen macht, hält man das nicht durch.“ Beide Häuser schicken ihre Azubis regelmäßig auf Fortbildungen der Meistervereinigung Baden-Württemberg. Dabei geht es dann intensiv mal ums Bier, mal um Mineralwasser, mal um Kaffee, oder auch um Innereien, Wild oder Dessert. „Unsere Azubis sind keine Vollkräfte, sondern junge Menschen, denen wir etwas beibringen müssen und wollen. Wenn sie sich weiterbilden, profitieren wir als Arbeitgeber“, unterstreicht Nicole Domon.
Der Beruf als Integrationsmittel
Beide Betriebe sind nicht nur auf Ausbildungsbörsen und Berufsmessen immer auf der Suche nach engagierten Azubis: „Es gibt viel zu wenige Bewerbungen“, berichtet Nicole Domon. Seit drei Jahren sucht sie deshalb auch ganz gezielt in Indonesien, mit besten Erfahrungen: „Wir haben in Küche und Service mittlerweile sieben indonesische Azubis, die sind alle toll: Freundlich, höflich, respektvoll, fleißig, sie leben den Dienstleistungsgedanken.“ Uwe Staiger beschäftigt auch Auszubildende aus Indien und Ungarn: „Unsere Branche ist eines der besten Integrationsmittel, das wir in Deutschland haben. Die Azubis lernen online und in der Praxis Deutsch, sie bauen den fachspezifischen Wortschatz auf. Wer extra für die Ausbildung zu uns nach Deutschland kommt, der bringt in der Regel sehr viel Disziplin mit.“ Nicole Domon nennt einen wichtigen Vorzug der Branche: „Wir erhalten jeden Tag Lob von unseren Gästen. In welchem Beruf bekommt man das? Wir machen unsere Gäste glücklich, sie verbringen hier eine schöne Zeit, und sie sagen uns das auch. Das gibt mir persönlich viel Kraft.“
Theorie und Praxis für die gastgewerblichen Azubis
Möglichkeiten
Im August 2022 wurden die Ausbildungsordnungen in Hotellerie und Gastronomie für die sieben gastgewerblichen Berufe neu gefasst: Koch/Köchin, Fachkraft Küche/Gastronomie, Fachmann/-frau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie, Fachkraft für Gastronomie, Fachmann/-frau für Systemgastronomie, Hotelfachmann/-frau und Kaufmann/-frau für Hotelmanagement.
Duale Ausbildung
Die Azubis absolvieren ihre Ausbildung dual sowohl in ihrem Ausbildungsbetrieb, in dem sie den Beruf von der praktischen Seite kennenlernen, als auch – etwa zwölf Wochen im Jahr in verschiedenen Lernblöcken – an der Berufsschule, wo die theoretischen Grundlagen vermittelt werden. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre beziehungsweise zwei Jahre für die Fachkraft Küche/Gastronomie.
Karrierechancen
Die Aufstiegschancen im Gastgewerbe sind vielseitig: Die jungen Leute können im Ausbildungsbetrieb aufsteigen, sie können die Meisterschule absolvieren, einen betriebswirtschaftlichen Abschluss draufsatteln, ein Studium anschließen oder einen eigenen Betrieb gründen. Und es steht ihnen in dieser Branche nach abgeschlossener Ausbildung die Möglichkeit offen, auf der ganzen Welt tätig zu sein.