Im Wasser spielen hilft bei der Sommerhitze. Foto: Lg/Max Kovalenko

Mit einem sehr warmen und trockenen August geht ein immer wieder mal schöner aber instabiler Sommer in Stuttgart zu Ende. Das hat viele genervt – die Natur aber hat davon profitiert.

Es gibt Dinge, mit denen die Menschheit eigentlich so gut wie nie zufrieden ist: Natürlich sind die Steuern zu hoch, das Bier auf dem Wasen zu teuer, die Ausführung der Kehrwoche durch den Neuen aus dem dritten Stock zu schlampig und das Wetter zu schlecht. Deshalb wundert es auch nicht, dass nur wenige dem meteorologisch am 31. August zu Ende gegangenen Sommer 2024 nachtrauern. Zu unbeständig und immer dann nass, wenn es nicht passt, heißt es immer wieder. Und wenn die Sonne dann da war, oft kein kühles Lüftchen. Stattdessen massive Böen, die den Sonnenschirm zerfetzen. Braucht kein Mensch.

Für die Natur war der Sommer aber durchaus ein Segen, mit Einschränkungen auch der August. „Der letzte Sommermonat war sehr warm, sehr sonnig, allerdings auch deutlich zu trocken“, sagt Andreas Pfaffenzeller. Der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Stuttgart ergänzt: „Im August wurden an der Messstation Schnarrenberg knapp 42 Liter Regen pro Quadratmeter registriert, das sind nur etwa 56 Prozent verglichen mit dem Durchschnitt aus den Jahren 1991 bis 2020.“ Nicht üppig, aber es ging auch schon deutlich trockener. 1959 tröpfelten in Stuttgart im August nur knapp sechs Liter in den Regenmesser. Dafür war es 2024 mit 22 Grad im Schnitt so warm, dass niemand über eine Frühstart der Heizung nachdachte wie vor einem Jahr, als Ende August gerade noch 17 Grad gemessen wurden.

Endlich gab es mal wieder Wasser genug

Dass es trotz des wenigen Wassers im August draußen immer noch satt grün ist und nur Laubbäume mit kleinen Blättern nennenswert gelbes Laub abwerfen, liegt an der durchaus erfreulichen Bilanz des Stuttgarter Sommers. Endlich gab es mal wieder Wasser genug, vor allem im Juni, der am Schnarrenberg 106 Liter brachte, fast die Hälfte des gesamten Sommers. Am Flughafen waren es sogar 142 Liter. Genug Wasser jedenfalls, um die Natur sprießen zu lassen. Manchen war es freilich sogar zu viel, obwohl es die Sonne auch im regenreichen Juni auf 95 Prozent schaffte. Jetzt im August wurden 284 Stunden Sonnenschein registriert, 133 Prozent des Durchschnitts und genug, um auf einen guten Wein 2024 hoffen zu können. Insgesamt notiert der Sommer mit 793 Sonnenstunden und 107 Prozent leicht über dem Schnitt. Auch wenn das der notorische Wettergrantler nicht glauben mag.

Im August wurde deutlich weniger Regen gemessen. Foto: Yann Lange

Warm war es auch, und zwar so richtig. Der August präsentierte sich als der mit Abstand heißeste Monat des Sommers und notierte mit 22 Grad im Schnitt um 2,4 Grad zu warm. Bezogen übrigens auf den Referenzzeitraum 1991 bis 2020. Also die jüngere Vergangenheit, die bereits vom Klimawandel geprägt ist. Überhaupt war es im August nur zweimal wärmer als dieses Jahr. Der Rekord stammt aus dem Jahr 2003 mit 24,3 Grad im Schnitt. Damals glich die Stadt im August einer verdorrten Steppe. Aber auch 22 Grad sind ein Wort, zumal der Vergleich mit der Periode 1961 bis 1990 durchaus eindrucksvoll ist. Zu dieser Zeit war es im August im Schnitt nur 17,9 Grad warm, also 4,1 Grad kühler als jetzt. Beschweren kann man sich über den August eigentlich nicht. 24 der 31 Tage ging es über 25 Grad, an zehn sogar über 30 Grad, was aber gut aushaltbar war, da die Nächte in trockener Luft deutlich abkühlten.

Achterbahn mit stetigem Wechsel zwischen Sonne und Regen

Insgesamt war es ein überaus warmer Sommer. Platz sieben seit Beginn der Aufzeichnungen des DWD 1951. Dass es viele anders beurteilen, lag an der Instabilität. Die vergangenen drei Monate werden als Schaukelsommer in Erinnerung bleiben. Lange trockene Phasen gab es nicht, dafür eine Achterbahn mit einem stetigen Wechsel zwischen Sonne und Regen. Man kann das aber auch als ganz angenehm empfinden, wenn man nicht dauernd gießen muss.

Und jetzt? Der meteorologische Herbst startet in Stuttgart zumindest bei den Temperaturen durchaus noch hochsommerlich. Das lässt natürlich Stuttgarts Schwimmgemeinde auf eine Verlängerung der Badesaison im Freien über den kommenden Sonntag hinaus hoffen. Allerdings gilt ja oft die alte Stuttgarter Schwimmerregel: Gibt der Sommer keine Ruh’, macht das Freibad trotzdem zu. Nach der aktuellen, natürlich noch unscharfen Prognose wird es nächste Woche zwar kühler, aber mit Temperaturen um die 20 Grad immer noch schwimmtauglich. Man darf also gespannt sein.